Italien besorgt um schwache deutsche Wirtschaftsdaten

Der italienische Wirtschaftsminister Carlo Padoan hört in Europa anhand der schwachen Wirtschaftsdaten aus Deutschland schon die „Alarmglocken schrillen“. Der Rückgang der Produktion in Deutschland werde sich negativ auf die Euro-Zone auswirken. Italiens Wirtschaft ist im ersten Quartal erneut geschrumpft.

Italien bangt um den Aufschwung in Europa und blickt dabei mit Sorge auf Deutschland. Europas Wirtschaft sei derzeit schwächer als man das noch vor einem halben Jahr erwartet hatte, warnte Italiens Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan am Dienstag vor dem Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments: „Das gesamtwirtschaftliche Bild ist enttäuschend und jüngste Daten aus Deutschland lassen die Alarmglocken schrillen.“

Der Minister ließ offen, auf welche Zahlen er sich bezieht. Im Mai war die Produktion von Industrie, Baubranche und Energie-Erzeugern in Deutschland um 1,8 Prozent eingebrochen – der stärkste Rückgang seit mehr als zwei Jahren (mehr hier).

Die Bundesbank erwartet zudem nach dem starken Jahresauftakt für das zweite Quartal eine stagnierende Wirtschaftsleistung. Begünstigt von ungewöhnlich mildem Winterwetter hatte Deutschland in den ersten drei Monaten des Jahres mit einem starken Wachstum von 0,8 Prozent Europas Konjunktur angeschoben (hier).

Padoan sieht die nun drohende deutsche Wachstumsdelle als Beleg, dass die ökonomische Erholung der Euro-Zone noch immer auf wackeligen Beinen steht. In dieser Situation sei es ein Problem für alle Seiten, falls die Wirtschaftssanktionen gegen Russland im Zuge der Ukraine-Krise verschärft werden sollten, warnte der Minister und frühere Chefvolkswirt der Industrieländer-Gruppe OECD vor Reportern.

Notenbank sieht Italien 2014 am Rande der Stagnation

Die italienische Notenbank hat ihre Wachstumsprognose für die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone gesenkt. Das Bruttoinlandsprodukt werde 2014 statt der bisher erhofften 0,7 Prozent nur um 0,2 Prozent zulegen, heißt es im aktuellen Quartalsbericht. Grund sei der schlechte Jahresauftakt. Von Januar bis März war die Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent geschrumpft. Der Konjunkturausblick sei zudem sehr unsicher, da geopolitische Spannungen auf den Welthandel durchschlagen könnten.

Seit Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2007 ist die italienische Volkswirtschaft um neun Prozent geschrumpft. Ministerpräsident Matteo Renzi will mit Steuersenkungen und Strukturreformen die Grundlage für einen Aufschwung legen.

 

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Kommentare

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  1. G.N. sagt:

    Klar, daher kann man als Pleitekandidat in der EU, aus Deutschland weniger finanzielle Unterstützung abzocken!

  2. Gerdi sagt:

    Deutschland ist nun mal die Melkkuh der EU. Und da macht man sich natürlich Gedanken um deren Wohlergehen. Sonst müsste man ja selbst für seine Schulden geradestehen!

  3. Pedro sagt:

    Immerhin sind die Italiener klug genug, in Sachen Sanktionen gegen Russland nicht ins gleiche Horn zu stoßen wie Brüssel und ein Großteil der westlichen Mainstream-Medien!

  4. Hans von Atzigen sagt:

    Tja die Gretchenfrage: Wie lange kann Deutschland den absaufenden Megadampfer EU noch über Wasser halten?
    Wenn Deutschland ( Nicht selbstverschuldet) in die Knie gezwungen wird, ist die EU
    Geschichte !
    Freundliche Grüsse

  5. Aufgewachter sagt:

    Italien sollte sich mal lieber Gedanken um die Inflationsrate machen.