Sanktionen gefährden Geschäfte deutscher Unternehmen in Russland

Bis Donnerstag will die EU-Kommission Vorschläge über neue Sanktionen gegen Russland machen. Dadurch werden die Interessen der deutschen Wirtschaft im Zuge der Ukraine-Krise stark gefährdet. Diese Firmen sind in Russland tätig.

Die Sanktionsspirale gegen Russland dreht sich weiter. Die EU-Außenminister wollten nach Angaben von Diplomaten zwar am Dienstag noch nicht über neue Namen von Personen und Firmen auf der Sanktionsliste entscheiden, doch soll die EU-Kommission bis Donnerstag Vorschläge dazu machen. Diskutiert wird auch über Zugangsbeschränkungen Russlands zum Kapitalmarkt und über Strafmaßnahmen in den Bereichen Verteidigung- und Energietechnologie, wie Diplomaten am Dienstag erklärten.

Während die USA in der vergangenen Woche ein Dutzend russische Firmen benannt haben, gegen die sie Beschränkungen verhängten, ist Europa noch nicht so weit gegangen. Der Chef des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, warnte, zusätzliche Strafmaßnahmen träfen nicht nur Russland, sondern auch die deutsche Wirtschaft. Dort fürchtet man zudem Vergeltungsmaßnahmen der russischen Seite.

Es folgt eine Zusammenstellung wesentlicher Aktivitäten großer deutscher Konzerne in Russland:

E.ON

Der größte deutsche Energiekonzern hat seit 2007 rund sechs Milliarden Euro in den russischen Strommarkt investiert. Er hält knapp 84 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber E.ON Rossiya OAO. Der Anteil des russischen Stromgeschäfts am Umsatz lag 2013 bei 1,5 Prozent und am operativen Gewinn bei gut sieben Prozent. E.ON beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter in Russland. Der Versorger bezieht zudem 30 bis 40 Prozent seines Erdgases von dort. Die Düsseldorfer sind auch mit 25 Prozent an dem sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt und mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Pipeline, durch die Gas – an der Ukraine vorbei – von Russland nach Deutschland fließt. Die Mehrheit an beiden Projekten hält der russische Gazprom -Konzern.

BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern ist vor allem in seinem Öl- und Gasgeschäft kräftig in Russland engagiert. So ist der Konzern mit seiner Tochter Wintershall am Gas-Projekt ZAO Achimgaz, einem Joint Venture mit Gazprom, zu 50 Prozent beteiligt. ZAO Achimgaz produziert in Sibirien etwa 3.500 Kilometer nordöstlich von Moskau Erdgas. Ferner ist Wintershall über die Gesellschaft OAO Severneftegazprom nach eigenen Angaben mit insgesamt 35 Prozent an der Ausbeutung des sibirischen Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligt. Zusammen mit einer Tochter des russischen Erdölproduzenten Lukoil betreibt Wintershall zudem das Gemeinschaftsunternehmen Wolgodeminoil zur Förderung von Erdöl. Die BASF-Tochter hält daran 50 Prozent.

DEUTSCHE BAHN

Die Deutsche Bahn ist im Schienenverkehr sowie im Logistik-Geschäft mit insgesamt fünf Unternehmen in Russland vertreten: Vier davon sind 100-Prozent-Beteiligungen. An einer weiteren Firma, die Schienentransporte quer durch Russland von China nach Deutschland organisiert, hält die Bahn einen Anteil von gut einem Drittel. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter anderem mit der russischen Staatsbahn RZD. Bahnchef Rüdiger Grube hatte das Geschäftsvolumen in Russland zuletzt mit rund 250 Millionen Euro beziffert.

DAIMLER

Der Autokonzern ist zusammen mit der Entwicklungsbank EBRD mit 15 Prozent an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz KMAZ.MM beteiligt. Die Stuttgarter lassen in zwei Gemeinschaftsunternehmen in dem Land Lastwagen der Marken Mercedes-Benz und Fuso montieren, die besonders robust und damit an die dortigen Straßenverhältnisse angepasst sind. Im abgelaufenen Jahr wurden 5600 Lkw der beiden Marken in Russland ausgeliefert. Etwa die Hälfte davon wurde vor Ort gebaut, der Rest aus Deutschland importiert.

METRO

Russland ist für den Handelsriesen mit einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Euro und 22.000 Mitarbeitern der wichtigste Auslandsmarkt. Der Konzern betreibt dort 73 Cash&Carry-Märkte und 57 Media-Saturn-Filialen. Den Börsengang seines russischen Großmarktgeschäfts hatte Metro im März wegen der Ukraine-Krise auf Eis gelegt.

HENKEL

Für den Konsumgüterkonzern ist Russland der weltweit viertgrößte Markt. Der Hersteller von Persil und Pritt hatte dort 2013 rund eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Die Ukraine zählt zu den zehn wichtigsten Wachstumsmärkten Henkels. Im ersten Quartal war Henkel trotz der politischen Unruhen währungsbereinigt in Russland „im mittleren einstelligen Prozentbereich gewachsen“ und in der Ukraine „ganz leicht“ geschrumpft.

ADIDAS

Für den Sportausrüster ist Russland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Infolge der Ukraine-Krise hat dem Konzern bisher vor allem der Verfall des Rubel zu schaffen gemacht. Schuhe und Kleidung mit den drei Streifen, die in Russland seit Sowjetzeiten etabliert sind, waren dort weiter gefragt. Adidas ist in Russland Marktführer.

Kommentare

Dieser Artikel hat 10 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Ben sagt:

    Das Ganze hört sich an wie eine Doku Soap. Allen Regierungsmitgliedern hat es das Hirn aufgeweicht. Ich frage mich was die Sanktionen bringen sollen ausser einen Schaden bei uns zu verursachen. Wollen diese Mongos die Saktionen für immer aufrecht erhalten? Ausserst peinlich wenn dann die Saktionen wieder aufgelöst werden ohne etwas erreicht zu haben. Warum werden eigentlich nicht die USA mit Saktionen belegt? Für die zählen keine Gesetze, kein Völkerrecht und nichts. Alles was im Weg ist wird angegriffen oder Saktioniert von denen. Noch was interessantes: In Lybien hat man doch die Terroristen unterstützt die gegen das Regime waren oder? Ah Sorry, dort waren es Aufständische obschon sie ja genau so wie in der Ukraine gegen die Regierung waren.

  2. Rolf Weichert sagt:

    DIE EU hat ein jährliche Bruttoinlandprodukt von 13 Billionen Euro. Die Volkswirtschaft der EU kriegt durch Sanktionen ein jährlichen Schaden von 1 Billionen Euro. Damit vernichtet man 1/13 alle Arbeitsplätze.

  3. Kulleraugen sagt:

    Dümmer gehts nimmer

  4. Emilia sagt:

    Hauptsache die Franzosen können den Russen noch ihr Kriegsschiff verkaufen.
    Wir Deppen lassen uns auf Sanktionen zum eigenen Nachteil ein und die
    Franzosen verkaufen Kriegsschiffe an den “ Feind“.
    Was wird hier eigentlich gespielt?
    Wie machen wir Deutschland fertig?

  5. Max sagt:

    Die unsinnigen Sanktionen sofort einstellen. MH17 wurde von der ukrainischen Armee abgeschossen, nicht von Russland. Die Amerikaner sollen sanktionieren, wenn sie glauben damit Russland davon abzubringen seinen Handel nicht mehr in Dollar abzuwickeln. Das ist der eigentliche Grund dafür, dass die USA Lügen verbreiten, um Russland in der Welt zu diskreditieren. Dies wird nicht gelingen.

  6. Iomio sagt:

    Es geht hier nicht um Geschäfte mit der Ukraine! Seit heute geht die offizielle Darstellung des Absturzes einer malaysischen Mschine in den VSt dahin, dass es sich wohl um ein „Versehen“ der Separatisten handeln müsse und Russland keine Schuld daran habe, Soviel dazu.

    Alle von den VSt geforderten Sanktionen sind der verszweifelte Versuch, den politischen und wirtschaftlichen Absturz zu verhindern. Allerdings machen sie damit ihren eigenen Unternehmen extreme Probleme. Diese haben schon in großen Anzeigenkampagnen ihre Regierung aufgefordert, damit aufzuhören. sonst würde der eigenen Wirtschaft und damit der eigenen Bevölkerung ein großer Schaden entstehen.

    Im Übrigen gilt nach wie vor: Wer miteinander Handel treibt, hat kein Interesse daran, sich gegenseitig aufs Haupt zu schlagen!

  7. Peter Peckert sagt:

    Machen wir uns nichts vor der Kommerz wird siegen. Was sind schon 300 Tote gegen Milliarden zu verdienen…

  8. Delta120 sagt:

    Wir können nur verbieten in Europa zu kaufen, aber wir müssen das Gas der Russen kaufen. Wenn wir aber nichts den Russen verkaufen können, wie lange können wir derren Gas noch kaufen?