Microsoft verordnet Nokia radikalen Sparkurs

Microsoft will die Nokia-Kosten um eine Milliarde Dollar senken. Dennoch wird die Sparte noch bis mindestens 2016 Verluste schreiben. Nach dem größten Umbau, den Microsoft je gesehen hat, will der Konzern fit für den Markt mit Smartphones und Tablets fit werden.

Der neue Microsoft-Chef Satya Nadella will nach dem jüngst angekündigten Job-Kahlschlag die zugekaufte Nokia-Handysparte binnen zwei Jahren wieder in die Gewinnzone führen. Die Kosten dort sollten um eine Milliarde Dollar sinken, ab Mitte 2016 soll die Sparte dann keine Verluste mehr schreiben, teilte der weltgrößte Softwarekonzern am Dienstag bei Vorlage der Quartalsbilanz mit.

Nadella hatte vor wenigen Tagen den Abbau der Hälfte der 25.000 Stellen bei Nokia binnen eines Jahres angekündigt. In Deutschland sollen etwa 100 Arbeitsplätze gestrichen werden. Dabei zeigte sich Analysten am Dienstag positiv überrascht. „Die Nokia-Kostenprognose ist deutlich besser als befürchtet“, sagte Daniel Ives von FBR Capital Markets.

Den Umsatz steigerte Microsoft im abgelaufenen vierten Geschäftsquartal um 17 Prozent auf 23,4 Milliarden Dollar, der Gewinn sank um sieben Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar. Nokia steuerte dazu einen Umsatz von zwei Milliarden und einen operativen Verlust von 692 Millionen Dollar bei.

Nokias Handy-Flaggschiff Lumia ging seit Abschluss der Übernahme vor neun Wochen 5,8 Millionen Mal über den Ladentisch, der Marktanteil liegt bei vier Prozent. Das ist weniger, als sich Microsoft erhofft hat. Insgesamt lag Microsoft im abgelaufenen Quartal beim Umsatz leicht über den Erwartungen von Analysten, beim Gewinn indes leicht darunter.

Die Microsoft-Aktie stieg nachbörslich um 1,1 Prozent, nachdem sie im Zuge des angekündigten Stellenabbaus auf den höchsten Stand seit 14 Jahren geklettert war.

Nadella hatte insgesamt den Abbau von 18.000 der 127.000 Stellen bei Microsoft angekündigt – der größte Kahlschlag seit Gründung des Unternehmens vor knapp 40 Jahren. Microsoft hat den PC-Markt über viele Jahre mit Software wie Windows oder Office beherrscht. Nadella will den einst von Bill Gates aufgebauten Konzern aber stärker auf den von Apple und Samsung dominierten Markt für Smartphones und Tablet-PCs sowie auf Online-Dienste ausrichten.

Den Kauf der Nokia-Handysparte hatte Nadellas Vorgänger Steve Ballmer Ende 2013 eingefädelt. Der eiferte Apples Erfolgsmodell nach – die Produktion von Software und Geräten. Für Nokia wiederum war Microsoft ein Rettungsanker. Die Finnen haben den Smartphone-Boom verpasst und sind weit hinter Samsung und Apple zurückgefallen.

 

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