Energie-Effizienz: EU will unabhängiger von russischem Gas werden

Die EU schlägt ein Energieeffizienz-Ziel von 30 Prozent bis 2030 vor. Als Referenzwert gilt das Jahr 1990. Deutschland und Frankreich hatten die Zielmarke gefordert. Die ambitionierten Ziele gelten als notwendig, um unabhängiger von russischem Gas zu werden. Über ein Drittel des Gas- und Ölbedarfs der EU kommt aus Russland.

Die EU-Kommission folgt beim Energie-Einsparziel für 2030 den Vorstellungen Deutschlands. Die Brüsseler Behörde einigte sich auf ein Effizienz-Ziel von 30 Prozent, sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Mittwoch. Dieser Vorschlag sei zugleich maßvoll und ehrgeizig.

Für das Ziel von 30 Prozent hatten sich die Bundesregierung, Frankreich und der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker starkgemacht. Die Mitgliedsstaaten sollen demnach selbst entscheiden, ob das 30-Prozent-Ziel für jedes einzelne Land oder EU-weit verpflichtend sein soll. Die Zielmarke basiert nach Kommissionsangaben auf dem Vergleich, wie sich der Energieverbrauch ohne weitere Vorgaben bis 2030 entwickeln würde.

Über die Klimaziele der EU, zu denen auch die Energie-Effizienz gehört, wird voraussichtlich beim EU-Gipfel im Oktober entschieden. Die EU-Kommission hatte im Januar vorgeschlagen, Treibhausgase bis 2030 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Der Anteil Erneuerbarer Energien soll bis dahin auf 27 Prozent steigen. Großbritannien, das auf Atomenergie setzt, machte sich nur für ein EU-weites Ziel bei Treibhausgasen stark.

Das Thema hatte in den vergangenen Monaten angesichts des Konflikts zwischen der Ukraine und Russland an Bedeutung gewonnen (mehr hier). Da gut ein Drittel des Gas- und Öl-Verbrauchs der EU von Russland gedeckt werden, gilt diese Abhängigkeit vor allem in den osteuropäischen Ländern als problematisch. Um sie zu reduzieren, hatte die EU-Kommission auf das große Potenzial der Energie-Effizienz verwiesen. Dies setzt allerdings erhebliche Investitionen etwa in die Gebäudesanierung voraus, was die Effizienzziele strittig macht. Einem Reuters vorliegenden Entwurf der EU-Kommission zufolge ist die EU auf einem guten Weg, die Einsparziele von 20 Prozent für 2020 zu erreichen.

Streit über deutsche Ökostrom-Reform beigelegt

Brüssel legt den monatelangen Streit mit Deutschland zu den Akten und ebnet den Weg für die Reform der Ökostrom-Förderung. Die Brüsseler Behörde gab am Mittwoch grünes Licht für die deutschen Regelungen. Damit kann das novellierte Erneuerbare Energie Gesetz (EEG) im August in Kraft treten. Das EEG ebne den Weg für mehr Marktintegration der Erneuerbaren Energien, lobte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia.

Vor zwei Wochen hatte Almunia erklärt, dass er sich mit der Bundesregierung in den noch strittigen Punkten geeinigt hat. Damit war auch die Frage nach der Rückzahlung von Strompreis-Rabatten der Industrie für 2013 und 2014 geklärt, auch wenn dieses Verfahren der EU-Kommission noch nicht offiziell beigelegt ist (mehr hier). Große Stromverbraucher der Industrie können damit ihre milliardenschweren Vergünstigungen für die kommenden Jahre beantragen und erhalten. Die EU-Kommission hatte kurz vor Beschluss des EEG von Deutschland Änderungen am Gesetz verlangt. Einige Forderungen setzte der Bundestag in letzter Minute noch um, bei der Frage nach der Behandlung von importiertem Ökostrom blieb die Bundesregierung jedoch hart. Die Kommission akzeptierte das EEG schließlich wie vom Bundestag beschlossen.

 

Kommentare

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  1. Karl Napp jun. sagt:

    Ich will sofort unabhängiger von der Atemluft werden. SOFORT !!

  2. BeunruhigteDeutsche sagt:

    Es ist viel wichtiger, sich nicht von USA und deren dreckigen Methoden abhängig zu machen.

  3. Jupp Hirsenkoetter sagt:

    Je mehr heisse Luft in Bruessel erzeugt wird, desto weniger Gas aus Russland benoetigen wir!
    Jean Claude wird das schon richten!

  4. Max sagt:

    Was steckt in Wahrheit dahinter? Bisher hat Russland immer pünktlich geliefert, zu einem sehr wettbewerbsfähigen Preis. Der grosse Bruder, die USA, wollen Russlands Einnahmen durch Gas und Öl schmälern und die EU-Vasallen befolgen diesen Befehlen. Der Schuss geht nach hinten los, das steht fest! Russland verkauft dann eben seine Schätze an China und andere Länder in Asien. Die Welt bleibt hungrig nach Rohstoffen, Gas und Öl auch wenn die EU so dumm sein sollte Russland zu sanktionieren. Bei Engpässen werden dann die USA liefern, natürlich zu vervielfachten Preisen. Zugleich werden dann die Argumente geliefert für Fracking auch in Deutschland. So wird es kommen, that´s the hidden agenda.

  5. Harbbauer sagt:

    „Über ein Drittel des Gas- und Ölbedarfs der EU kommt aus Russland“
    Da stünde es den europäischen und deutschen Hohlköpfen gut an, den „russischen Bären“ nicht zu sehr zu reitzen. Die Leidtragenden im Falle eines Lieferstopps sind in jedem Fall die Bürger. Daran ändert auch die vieldiskutierte Klimalüge nichts.

  6. Stephan sagt:

    bis 2030 sieht die welt ganz anders aus, da ist energie kaum ein thema. wasser, lebensmittel sind dann das thema. der kampf ums überleben ist in vollem gang bei der überbevölkerung. um diese zeit sind all diese „eliten“ geschichte, und deren geschwafel
    von heute interessiert im jahr 2030 niemanden mehr.