Österreichs Regierung entwirft Frühwarn-System für Immobilienblasen

Die Regierung in Österreich geht gegen die Immobilienblase vor. Doch dafür scheint es bereits zu spät. Insider sprechen davon, dass die Blase in Österreich bereits geplatzt sei. Die geplanten Indizes für Immobilien könnten zudem mehr Schaden als Nutzen anrichten.

Die Angst vor dem Platzen einer Immobilienblase in Österreich veranlasst die Regierung dazu, zwei Immo-Indizes zur Beobachtung des Marktes einzuführen. Das Wirtschaftsministerium plant die Umsetzung einer EU-Richtlinie, um „eventuelle Immobilienpreisblasen frühzeitig erkennen zu können“, wie es im Text zum Entwurf der entsprechenden Verordnung heißt.

Dabei handelt es sich einerseits um einen Preisindex für selbst genutztes Wohneigentum, der die Preise von Neubauwohnungen abbildet. Zusätzlich wird es noch einen Immobilienpreisindex geben, der die Transaktionspreise von gebrauchten Immobilen und Grundstücken zeigt. Die Daten, die alle drei Monate erhoben werden, sollen für alle Marktteilnehmer im Internet öffentlich ersichtlich sein.

Angeblich beziehen sich die Indizes auf nahezu alle Parameter der Immobilien, also Lage, Ausstattung, Stellplätze oder Terrassen. Bei den Daten greift das Ministerium auf Verwaltungsdaten zurück. Ein Teil davon sind Daten, die Unternehmen freiwillig gemacht haben. „Es werden keine weiteren Unternehmen, z. B. Immobilienunternehmen oder Privatpersonen, befragt“, heißt es aus dem Ministerium.

In Branchenkreisen wird das Vorhaben scharf kritisiert: „Da wird ein hoher Aufwand betrieben, um ein hehres Ziel zu erreichen“, sagt Anton Holzapfel, Geschäftsführer des Österreichischen Verbands der Immobilienwirtschaft (ÖVI) dem Wirtschaftsblatt. „Mit solchen Indizes läuft man aber immer Gefahr, den Markt zu beeinflussen, statt ihn abzubilden.“

Die Regierung will mit den neuen Indizes Transparenz auf den Markt bringen. Die Österreichische Nationalbank verwendet Angebotsdaten, die Indizes von Statistik Austria beruhen auf Verkaufsdaten. Doch damit allein kann die Übersichtlichkeit am Markt nicht gesteigert werden. Immobilienpreise sind individuell: „Jedes Haus, jedes Grundstück, jede Wohnung ist anders. Selbst in derselben Straße ist der Wert ein paar Meter weiter ein anderer – und sogar im selben Haus im selben Stockwerk“, so Holzapfel.

Eigentümer befürchten indes, dass die Indizes dazu dienen werden, neue und höhere Besteuerung von privatem Immobilienvermögen auszurechnen. Diese Berechnungen könnten auch neue Argumente für eine Deckelung der Mieten liefern.

Insider sind zudem verwundert über das späte Handeln der Regierung. Die Immobilienblase in Wien sei bereits „still und heimlich geplatzt“, schreibt Andre Exner in einem Kommentar für das Wirtschaftsblatt. Die Preise in Wien, die noch im Januar über 20 Prozent zu hoch bewertet waren, würden derzeit nicht mehr steigen, weil es ein größeres Angebot an Wohnraum gebe. Daher komme die Einführung der Indizes zu einem denkbar späten Zeitpunkt.

Im Internet findet man zahlreiche gebrauchte Wohnungen, die sich in Lage, Größe und Ausstattung für Familien eignen und das Budget von durchschnittlich 200 bis 300 Tausend Euro nicht übersteigen. Ein ähnlicher Trend sei bei den Neubauten zu beobachten. Die Preise seien nicht höher als 2013.

Auch seien Immobilien in Österreich nicht wie in Großbritannien überwiegend mit Schulden finanziert. „Im Euroraum belaufen sich die Wohnbaukredite auf knapp 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in Österreich sind es knapp unter 30 Prozent. Und im Vergleich zeigt sich auch, dass in Ländern, wo eine Immobilienblase platzte, die Überbewertung bei weit mehr als zwanzig Prozent lag“, analysiert Barbara Nothegger für das Magazin Format.at.

Bis 2015 werden in Stadtentwicklungsgebieten in Wien „mehr Wohnungen entstehen, als andere europäische Großstädte in einem Jahrzehnt aus dem Boden stampfen“, so Exner. Der Markt hat bereits auf das Problem reagiert, dass die Regierung nun mit der Einführung der Indizes im Visier hat.

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