Krisen im Ausland senken Geschäftsklima-Index

Der Ifo-Geschäftsklima-Index fällt im Juli zum dritten Mal in Folge. Die Konjunktur habe ihren Höhepunkt überschritten. Die Anzeichen für einen konjunkturellen Abwärtstrend seien auf geopolitische Spannungen zurückzuführen.

Die Firmenchefs in Deutschland werden wegen der Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten immer skeptischer. Das Barometer für das Geschäftsklima sank im Juli überraschend deutlich um 1,7 auf 108,0 Zähler, wie das Ifo-Institut am Freitag zu seiner Umfrage unter rund 7.000 Managern mitteilte. Der wichtigste Gradmesser für die Stimmung in der Wirtschaft zeigt damit zum dritten Mal in Folge nach unten – ein Anzeichen für einen konjunkturellen Abwärtstrend. Wie lange der anhält, ist jedoch unklar. „Die geopolitischen Spannungen belasten die deutsche Wirtschaft“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Experten verweisen aber auch auf positive Signale des ebenfalls viel beachteten Konjunkturbarometers des Markit-Instituts, das für das dritte Quartal optimistisch stimmt.

Vor allem Russland ist für viele deutsche Unternehmen ein wichtiger Absatzmarkt. Zuletzt haben sich die Perspektiven aber verschlechtert. Moskau wird vorgeworfen, die Separatisten im Osten der Ukraine zu unterstützen. Nach dem mutmaßlichen Abschuss eines Passagierflugzeugs über der Ostukraine hatte der Westen seine Sanktionen gegen Russland verschärft. Russlands Präsident Putin reagierte mit einem Boykott von Milch und Käse aus der Ukraine.

Das Volumen im deutsch-russischen Handel lag voriges Jahr bei 76,5 Milliarden Euro. Die Tendenz ist wegen der Krise aber deutlich rückläufig. Der Chef des Ost-Ausschusses, Eckhard Cordes, stellt in Aussicht, dass man auch „harte Sanktionen gegen Russland zu hundert Prozent“ mittragen werde.

Dass sich die Stimmung zu Beginn des dritten Quartals weiter eingetrübt hat, gilt als schlechtes Omen. Das Ifo-Institut sieht darin jedoch keine Trendwende, wie der Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe sagte: „Die innenpolitischen Rahmenbedingungen sind sehr gut.“ Laut Postbank-Ökonom Marco Bargel hat die Wirtschaft aber ihren Höhepunkt überschritten.

Das Barometer für das Konsumklima stieg im August hingegen auf neun Punkte und damit den höchsten Wert seit Dezember 2006, wie die Nürnberger GfK-Marktforscher mitteilten. Die Einkommenserwartung ist sogar so hoch wie nie zuvor seit der Wiedervereinigung. Allerdings ist die Bereitschaft, größere Anschaffungen zu tätigen, leicht zurückgegangen.

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