Gewerkschaft: Karstadt muss auf Regionalisierung setzen

Karstadt muss seine Kaufhäuser mehr an regionale Gegebenheiten anpassen, fordert die Gewerkschaft. Für den Erfolg der Filialen sei das Umfeld wichtig. Der angeschlagene Einzelhandelskonzern kündigte harte Einschnitte an und erklärte, die Schließung jeder vierten Filiale sei möglich.

Der angeschlagene Einzelhandelskonzern Karstadt muss seine Kaufhäuser nach den Vorstellungen der Arbeitnehmervertreter mehr an regionale Gegebenheiten anpassen. „Jeder Standort muss die Möglichkeit bekommen, sein individuelles Sortiment zu entwickeln“, sagte Arno Peukes, der für die Gewerkschaft Verdi im Karstadt-Aufsichtsrat sitzt, der Berliner Zeitung. Für den Erfolg der Filialen sei das Umfeld wichtig. Als Vorbild für eine erfolgreiche Regionalisierungsstrategie verwies er auf den Rivalen Kaufhof, der zu Metro gehört. Dessen Management habe „seit Jahren konsequent das Prinzip der regionalisierten Sortimente vorangetrieben“.

Peukes kritisierte die Abschaffung der Multimedia-Abteilungen durch den früheren Karstadt-Chef Andrew Jennings. „In kleineren Warenhäusern, beispielsweise in Hamburger Stadtteilen, hat dies dazu geführt, dass Kundenfrequenz gesunken ist. Wer Kunden verliert, verliert auch Umsatz, und es ist enorm schwer, diese verlorenen Kunden zurückzuholen“, sagte Peukes.

Der von dem Investor Nicolas Berggruen kontrollierte Karstadt-Konzern steckt in einer schweren Krise. Vorstandschefin Eva-Lotta Sjöstedt war Anfang Juli überraschend zurückgetreten. Kurze Zeit später kündigte Aufsichtsratschef Stephan Fanderl schmerzhafte Einschnitte an und erklärte, die Schließung jeder vierten Filiale sei möglich. Vorige Woche wurde bekannt, dass eine für Ende Juli geplante Aufsichtsratssitzung auf Mitte August verschoben wird. Peukes geht davon aus, dass bei diesem Treffen eine neue Strategie vorgestellt wird. Eigentümer Berggruen müsse einen Plan vorlegen, „der Karstadt eine Chance gibt“.

 

Kommentare

Dieser Artikel hat 4 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Gerdi sagt:

    Karstadt muss….?
    Karstadt ist pleite. Die letzten Finanzreserven wurden Dank unsere Frau v.d.Leyen rausgezogen. Jetzt blüht Karstadt das Schicksal der Quelle. Aber natürlich erst nachdem der Staat noch ein paar Millionen reingesteckt hat! Könnte man ja noch für einen Katalog verwenden!

  2. Sonja Hollmann sagt:

    In den 80er Jahren habe ich im Englischunterricht einen Artikel über den „decline of the inner cities“ (Verfall der Innenstädte) in Großbritannien gelesen und gedacht, dass kann ja hier zum Glück nicht passieren.

    In meinem Stadtteil Rheydt wird gerade der Markt vor dem „Karstadtgebäude“ komplett neu und modern gestaltet. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sich der Stadtteil entwickelt, sollte ein Frequenzbringer wie Karstadt wirklich geschlossen werden, nur weil der Staat genau das getan hat, was wichtig war, um die Innenstadt attraktiv zu gestalten. Karstadt hat natürlich dadurch nicht die Geschäfte machen können, wie sie ggf. notwendig waren, weil eine Baustelle nun mal immer zu schlechteren Geschäften führt.

    Undenkbar was durch die lange Bauzeit eventuell passieren könnte: Dass ein gut geplantes Stadtteilkonzept plötzlich völlig konterkariert wird. Das war ganz gewiss nicht der Plan, den die Stadtverwaltung und die lokalen Politiker mit der Neugestaltung beabsichtigt haben.

    Da das Gebäude von Karstadt zur Zeit umgebaut wird, sehe ich dem Ganzen in der Hoffnung entgegen, dass diese Filiale doch erhalten bleibt, oder sollen die 80jährigen jetzt für jedes einzelne Kleidungsstück direkt mit dem Zug nach Düsseldorf durchfahren ?

  3. G.N. sagt:

    Hat der nicht ein Klüngel mit Frau Von der Leyen?

  4. Harbbauer sagt:

    Alles geht den Bach runter, wenn erst solche „Investoren“ die Finger drin haben. Erst für 1 € kaufen mit großen Versprechungen, Geld daraus schlagen und dann den ganzen Restkrempel den Steuerzahlern vor die Füße schmeißen. Bravo!