Russland-Sanktionen zwingen Frankreich zu neuer Energiepolitik

Die Sanktionen gegen Russland treffen den französischen Ölkonzern Total. Die Kooperation mit dem russischen Gasförderer Novatek steht auf dem Spiel. Die französische Regierung ist zu einem Umdenken gezwungen: Erneuerbare Energien stehen auf einmal hoch im Kurs und werden mit 10 Milliarden Euro gefördert, um die Abhängigkeit von russischen Ressourcen zu begrenzen.

Der französische Ölriese Total bekommt die Folgen der Ukraine-Krise zu spüren und muss mit erheblichen Auswirkungen der härteren EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland rechnen. Als einer der wichtigsten ausländischen Investoren in Russland sieht der Konzern seine Partnerschaft mit dem zweitgrößten russischen Gasförderer Novatek bereits beeinträchtigt. Der Kauf weiterer Novatek-Aktien sei an dem Tag gestoppt worden, an dem die malaysische Passagiermaschine mit fast 300 Menschen an Bord über der Ostukraine abstürzte. Grund seien „all die Unsicherheiten, zu denen der Vorfall führen kann“, sagte Finanzvorstand Patrick de La Chevardiere am Mittwoch.

Es sei aber noch zu früh, um die Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland auf das Total-Geschäft abzuschätzen. „Wenn diese Strafmaßnahmen es uns verbieten, dort zu arbeiten, werden wir gezwungen sein, die Arbeit einzustellen„, sagte de La Chevardiere. An der Börse herrschte Pessimismus: Total-Aktien gaben zeitweise um rund drei Prozent nach. Grund war allerdings auch ein Gewinnrückgang des Unternehmens im vergangenen Vierteljahr.

Noch im April hatte Total erklärt, Russland werde dank der Total-Partnerschaft mit Novatek und des Gas-Projekts Yamal LNG in Sibirien bis 2020 der wichtigste Lieferant von Öl und Gas. Aktuell sei Total noch in Sibirien engagiert, sagte der Finanzvorstand. „Wir sind aber uns mit unseren Partnern einig, dass die Lage Ende August überprüft werden soll.“

2011 hatte Total zwölf Prozent an Novatek übernommen mit der Option, den Anteil binnen drei Jahren auf 19,4 Prozent zu erhöhen. Ende Juni hielten die Franzosen bereits 18 Prozent.

Im zweiten Quartal ging die Öl- und Gasproduktion von Total um zehn Prozent zum Vorjahreszeitraum zurück. Als Gründe nannte der Konzern umfassende Wartungsarbeiten in der Nordsee, in Nigeria und Thailand sowie die Verschlechterung der Sicherheitslage in Libyen. Deshalb sei auch der bereinigte Nettogewinn um zwölf Prozent auf 3,15 Milliarden Euro gesunken.

Energiewende jetzt auch in Frankreich?

Die Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland werden nach Darstellung des Außenministeriums in Moskau unweigerlich zu höheren Energiepreisen in Europa führen. „Indem man sich in eine Sanktionsorgie begibt, stellt Brüssel nach eigenem Willen Hürden für weitere Kooperationen in einem so wichtigen Feld wie der Energie auf“, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung des Ministeriums. Dies sei ein unbedachter und verantwortungsloser Schritt, der unweigerlich höhere Energiepreise in Europa zur Folge haben werde.

Frankreich will Erneuerbare Energien mit zehn Milliarden Euro fördern. Das von Energieministerin Segolene Royal am Dienstag angekündigte Paket enthält Steuererleichterungen, vergünstigte Kredite sowie Zuschüsse, um Investitionen in dem Bereich zu fördern. Frankreich will damit seine Abhängigkeit von Öl und Gas senken (mehr hier). Nach Royals Plänen sollen etwa Hausbesitzer weniger Steuern zahlen, wenn sie eine Wärmedämmung an ihren Gebäuden anbringen. Bereits im Juni hatte die Politikerin die Eckpunkte eines Energiewende-Gesetzes vorgestellt. Es soll Anfang 2015 in Kraft treten.

 

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  1. Ralf Dieter Rupnow sagt:

    Höhere Energiepreise heißen für die Bevölkerung auch höhere Steuern auf Energie weil die meist prozentual berechnet wird. Die staatliche Verwaltung ist also Nutznießer dieser Sanktion gegen Russland. Diese sollte daher die Steuerlast nehmen damit die Energiepreise für jeden bezahlbar bleiben, sonst sitzen arme Menschen wieder im kalten. Was die Förderung der Wärmedämmung angeht, hätte ich gern mal gewusst wie das gemeint ist. Als Fachmann sage ich gern unter Eid aus, das kein Haus in Deutschland entsprechend der EnEV Richtlinien richtig wärmegedämmt wird. Die gängige Praxis ist sogar kontraproduktiv und wird seid langem unter Fachleuten heftig diskutiert. Die Wahrheit ist natürlich nicht im Konzern Interesse, doch vielleicht helfe ich den interessierten mit diesem Link auf meine Internetadresse wo ich die Entstehung von Wärmedämmung erkläre.