Vor Übernahme durch ZF: Zulieferer TRW Automotive steigert Gewinn

Der US-Automobilzulieferer TRW Automotive steigert seinen Gewinn im zweiten Quartal deutlich. Das Unternehmen steht Insidern zufolge kurz vor einer Übernahme durch den deutschen Konkurrenten ZF Friedrichshafen. Der Zukauf könnte ZF mit einem Schlag zum viertgrößten Zulieferer der Welt in der Branche machen.

Der von ZF Friedrichshafen umworbene US-Zulieferer TRW Automotive hat den Gewinn im zweiten Quartal gesteigert und blickt optimistisch in die Zukunft. Der Überschuss kletterte um sieben Prozent auf 265 Millionen Dollar, wie TRW am Dienstag mitteilte. Das Unternehmen sei gut aufgestellt und werde seine Geschäftsziele in diesem Jahr erreichen, sagte TRW-Chef John Plant. Der Konzern mit Sitz in der Nähe der Autostadt Detroit peilt einen Jahresumsatz zwischen 17,5 und 17,7 Milliarden Dollar an. Damit liegt der untere Rand der Spanne einen Tick höher als bislang in Aussicht gestellt. Im vergangenen Jahr erlöste TRW 17,4 Milliarden Dollar.

Zum Stand der Gespräche mit ZF wollte sich TRW nicht äußern. In einer Telefonkonferenz mit Analysten lehnte es der Firmenchef ab, über die Aussagen von Anfang Juli hinauszugehen. Damals hatte Plant bekanntgegeben, eine vorläufige Offerte erhalten zu haben, den Bieter aber nicht genannt. ZF Friedrichshafen prüft nach eigenen Angaben eine Übernahme seines US-Konkurrenten (mehr hier).

Finanzkreisen zufolge haben sich die beiden Firmen inzwischen angenähert. Eine Einigung könne binnen zwei Wochen erzielt werden, sagten mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Über den Preis werde noch verhandelt. Die nächsten Tage sollten Klarheit bringen, ob ein Milliarden-Deal zustande komme, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. ZF Friedrichshafen lehnte eine Stellungnahme ab. „Wir haben noch keine Vereinbarung und kein Ergebnis und deshalb habe ich keinen Grund, etwas bekanntzugeben“, sagte ein Unternehmenssprecher.

An der Börse ist der US-Konzern umgerechnet rund 8,6 Milliarden Euro wert. Es wird erwartet, dass ZF einen Kauf weitgehend über Schulden finanziert und auch Anleihen begibt. Bei Banken würde ZF möglicherweise bis zu zehn Milliarden Euro an Krediten locker machen können. Branchenexperten warnen allerdings, eine so hohe Schuldenaufnahme könne ZF auf Jahre belasten.

Der Betriebsrat will sich vor einer Zustimmung ein eigenes Bild machen. „Bei allem Vertrauen zu unserem Finanzvorstand, der das auch solide rechnet, müssen wir uns bei einem solchen Riesenthema eine eigenständige Meinung bilden“, sagte Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich-Stephan zu Reuters. „Wir wollen keine Katze im Sack kaufen.“ Eine Übernahme dieser Größe werde in die Geschichte von ZF Friedrichshafen eingehen. „Wenn das schief geht, wird uns die ganze Welt fragen: Was habt ihr denn da gemacht? Habt ihr nicht die richtigen Fragen gestellt?“

Zusammen würden ZF Friedrichshafen und TRW Automotive weltweit auf Rang vier hinter Bosch vorrücken. Weltmarktführer ist einer Rangliste der Fachzeitschrift „Automobil Produktion“ zufolge der deutsche Dax-Konzern Continental vor dem japanischen Zulieferer Denso.

 

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