Schweizer Wirtschaft bekommt Russland-Sanktionen zu spüren

Geht es mit Russlands Wirtschaft bergab, bekommt das auch die Schweiz zu spüren. Rückkopplungs-Effekte der Russland-Sanktionen aus Deutschland und Österreich könnten die Wirtschaft zudem schwächen. Die Sanktionen des Westens wirken besser, wenn so viele Staaten wie möglich mitziehen. Die EU und USA suchen deshalb in der Schweiz einen Verbündeten.

Über die diplomatischen Schwierigkeiten mit dem Westen hinaus werden die wirtschaftlichen Konsequenzen der Exportbeschränkungen jedoch nur unmittelbare Auswirkungen auf die Schweiz haben. „Für unsere Wirtschaft ist Russland mit seinem Exportanteil ein wichtiger, aber kein lebenswichtiger Markt“, sagt Jan Atteslander, Leiter Aussenwirtschaft im Wirtschaftsdachverband Economiesuisse dem Tagesanzeiger. Der Exportanteil Schweizer Produkte nach Russland beträgt 1,7 Prozent, daher sei „Russland kein existenzieller Markt für die Branche“, ergänzt Hans Hess, Präsident von Swissmem, dem Branchenverband der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie.

Einzelne Firmen aus den Bereichen Hochtechnologie und Energie seien indes doch betroffen. Sanktionen würden vor allem Firmen aus dem Rohstoffhandel wie Glencore oder Vitol sowie Banken treffen, die diese Geschäfte finanzieren. Dennoch fallen wichtige Exportgüter nicht unter die verschärften Sanktionen. So zum Beispiel, Pharmazeutika, Uhren und Bijouterie.

Wenn die Wirtschaftssanktionen die Wirtschaft Russlands weiter schwächen, bekommt die Schweiz das viel eher zu spüren, als über den Export der Produkte in Richtung Moskau. Denn schon im zweiten Quartal sind die Exporte um 17,6 Prozent eingebrochen. Die Bereiche Pharma, Chemie sowie Maschinen, Apparate und Elektronik bekamen dies direkt zu spüren. Dieser Trend könnte sich weiter verstärken

Deutschland und Österreich seien stärker von den Exportverboten betroffen als die Schweiz. Denkbar sind Rückkopplungseffekte aus diesen Ländern, die die Nachfrage nach Produkten in der Schweiz dämpfen könnten, so Jochen Hartwig, Leiter Internationale Wirtschaft bei der Konjunkturforschungsstelle an der ETH Zürich. Zudem sei zu erwarten, dass die Investitionen in Russland aufgrund der unsicheren Rahmenbedingungen weiter abnähmen und die Importgüter zurückgingen, „Früher oder später würden dies auch Branchen spüren, die gar keinen Sanktionen unterliegen“, so Atteslander.

Die Schweiz steht im Ukraine-Konflikt zwischen Russland und dem Westen. Die jüngsten Versuche Deutschlands, die Schweiz zur Befolgung der Sanktionen gegen die russische Wirtschaft und Putins Umfeld zu bewegen, verdeutlichen das Dilemma, in der die Schweizer Regierung steckt. In Deutschland forderten Politiker der großen Koalition die Schweiz und Norwegen auf, die EU-Sanktionen gegen Russland zu übernehmen.

Die Schweiz habe die Sanktionsbeschlüsse der EU zur Kenntnis genommen, sagte eine Regierungssprecherin. Das Land hat bislang keine Sanktionen gegen Russland verhängt, setzt aber auf Maßnahmen, die eine Umgehung der gegenwärtigen und künftigen Sanktionen der internationalen Gemeinschaft verhindern sollen.

Bereits seit Anfang April dürfen Vermögensverwalter in der Schweiz keine neuen Geschäftsbeziehungen mit Personen auf der EU-Sanktionsliste eingehen. Bereits in der Schweiz liegende Vermögen fallen aber nicht unter das Verbot. Die begünstigten Personen und der Wert der Vermögen müssen aber an die Behörden gemeldet werden.

Die Europäische Union und die USA bemühen sich um weitere Verbündete. Man führe Gespräche mit internationalen Partnern wie etwa der Türkei, bestätigte das deutsche Auswärtige Amt am Mittwoch. Eine Regierungssprecherin in Berlin verwies auf laufende Absprachen im Rahmen der G7, die dann auch Australien, Kanada und Japan einschlössen. Die US-Regierung kündigte zudem an, asiatische Staaten davon überzeugen zu wollen, sich den westlichen Sanktionen gegen Russland anzuschließen.

Sowohl die EU als auch die USA hatten am Dienstag wegen der Ukraine-Krise Sanktionen etwa gegen den russischen Finanzsektor sowie Lieferbeschränkungen für Rüstungsgüter und im Ölsektor beschlossen. Allerdings warnen Experten, die Sanktionen könnten nur wirken, wenn Drittstaaten Russland nicht mit der unter Embargo stehenden Technologie belieferten oder sich andere Finanzplätze als Ausweichort für Geschäfte russischer Banken anböten. Deshalb gilt die Unterstützung der Schweiz als Finanzstandort und Norwegen als Lieferant für Offshore-Technologie als wichtig.

Die US-Regierung hoffe, dass sich auch Länder in Asien den Sanktionen anschlössen, sagte ein führender Vertreter des US-Außenministeriums am Mittwoch in Singapur. Er habe den Wunsch in dieser Woche bereits in Peking und Seoul vorgetragen. Am Freitag seien in Tokio Gespräche mit Vertretern aus Regierung und Wirtschaft geplant. US-Außenminister John Kerry reist zudem in dieser Woche zu Gesprächen nach Indien. Im asiatisch-pazifischen Raum haben bislang nur Japan und Australien Strafmaßnahmen gegen Russland verhängt.

Kommentare

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  1. Sophie Ostermann sagt:

    Hoffentlich macht sich die Schweiz nicht auch noch zum Anhängsel der USA. Wer ein bißchen nachdenkt was doch wie der Hase läuft. Kiew hat die Maschine abgeschossen und das werden wir in 20 Jahren erfahren. Aber die Sanktionen werden verhängt . Warum ?

  2. menschenfreund3 sagt:

    Derartige Sanktionen gegen Russland – warum nochmal ?
    Die MH 17 ist nach letzten Erkenntnissen (vom Westen) durch Bordkanonen durchsiebt worden, also von Kampfflugzeugen aus Kiev. Der Fluglotse, der aussagte, er hat zwei Jets in unmittelbarer Nähe auf dem Radarschirm gesehen ist – wie überraschend – nicht mehr aufzufinden.
    Wieso machen die Hauptmedien dieses abschäuliche Spiel mit ? Was hat also Russland getan, was Washington nicht auch schon getan hätte ?

  3. Signorita sagt:

    Wieso sollte die Schweiz ein neutraler und suveräner Staat an einem Krieg gegen Russland beteiligen. Einen Angriffskrieg, wohlverstanden. Denn alles was wir lesen und hören und sehen, kommt vorbereitet und zensuriert aus der Medienküche in Kiew, und wir wissen alle, wer alles in Kiew sitzt.

    Erst Banken überfallen, Bankgeheimis abschaffen, CD’s klauen und dann noch die Neutralität der Schweiz abschaffen wollen, wirklich sehr dreist.

    Nein, jeder hat ein Recht darauf, selbst zu recherchieren und nicht immer muss alles geglaubt werden, was Europa oder USA uns verkünden. Ausser den Amerikanern, denen darf man alles glauben, weil sie sind die einzigen die nie gelogen haben 😉