Exportverbot nach Russland trifft Österreichs Wirtschaft hart

Mittelstand, Banken und Energiekonzerne sind von den Wirtschafts-Sanktionen gegen Russland besonders hart betroffen. Das Exportverbot von Dual-Use-Gütern trifft Industriebetriebe. Insgesamt spüren über 1.200 österreichische Firmen die Sanktionen gegen den russischen Exportmarkt, der zu den zehn wichtigsten gehört.

Die geplanten Wirtschaftssanktionen gegen Russland treten am Freitag in Kranft. Sie treffen Österreichs Wirtschaft „deutlich überdurchschnittlich“, sagt Christian Helmenstein von der Industriellenvereinigung (IV). Kaum ein Exporteur kann sich den Auswirkungen entziehen. Mehreren Medienberichten zufolge schadet der Konflikt 1.200 österreichischen Firmen, 550 von ihnen haben in Russland eine eigene Niederlassung.

„Mit 3,5 Milliarde Euro Exportvolumen ist der riesige Markt Russland erst letztes Jahr auf Platz 10 der wichtigsten Ausfuhrländer der Österreicher aufgerückt. In den ersten Monaten 2014 ist der Export allerdings schon spürbar zurückgegangen“, schreibt das Wirtschaftsblatt. Besonders betroffen sind neben mittelständischen Exportfirmen auch die Banken und Energiebetriebe aus Österreich.

Die Exportverbote beziehen sich neben Hochtechnologie-Produkten auch auf den Finanzsektor und auf die Rüstungsindustrie. Inbegriffen sind auch sogenannte Dual-Use-Güter, die für den militärischen wie zivilen Sektor verwendet werden können. Der Boykott dieser Güter trifft vor allem Mittelständler und Industriebetriebe, denn jede Dichtung und jedes Kugellager kann genauso gut in eine Maschine oder in einen Panzer eingebaut werden.

Die Erste Group warnt im Ukraine-Konflikt vor den Folgen einer Sanktionsspirale zwischen Russland und dem Westen. „Natürlich ist das ein ernstes Thema, das eine Auswirkung auf Österreich und auf den österreichischen Bankensektor haben kann“, sagte Firmenchef Andreas Treichl am Donnerstag auf der Halbjahrespressekonferenz des österreichischen Sparkassenspitzeninstituts. Noch seien die Folgen nicht absehbar.

Die Strafmaßnahmen könnten die gesamte europäische Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. „Wenn sich die Krise verschärft, müssen wir 2015 und 2016 wohl in ganz Europa Gewinnerwartungen revidieren“, sagte Treichl. „Wir hoffen im Sinne des österreichischen Bankwesens, dass es hier zu einer Deeskalation kommt – und zwar relativ bald.“ Die Erste Group sei derzeit mit weniger als 200 Millionen Euro in Russland engagiert. In Russland und der Ukraine zusammen sind es 355 Millionen Euro. Das Sparkassenspitzeninstitut ist der drittgrößte Kreditgeber in Osteuropa – ohne eigene Tochter in Russland.

Die Konkurrentinnen Bank Austria und Raiffeisen Bank International sind dort beide mit großen Töchtern vertreten. Die RBI erklärte, auf Basis der ihr vorliegenden Information erwarte sie „ziemlich begrenzte“ Auswirkungen auf das Geschäft, da die Sanktionen der EU gegen staatliche russische Banken gerichtet seien. Die russische Bank-Austria-Tochter zählt nach eigenen Angaben zu den zehn größten Finanzinstituten des Landes und ist auf Firmenkunden spezialisiert.

Die EU-Botschafter hatten sich am Dienstag erstmals auf weitreichende Exportverbote sowie Strafmaßnahmen gegen russische Banken geeinigt. Auch die USA kündigten weitere Schritte an. Der Westen wirft Russland vor, die Separatisten in der Ostukraine zu unterstützen und damit die gesamte Region zu destabilisieren. Die Regierung in Moskau weist das zurück. Die EU-Maßnahmen sollen zunächst auf ein Jahr begrenzt werden.

Die verschärften Sanktionen der EU gegen Russland werden die österreichische Wirtschaft hart treffen. „Schon derzeit erwarten wir ein Minus bei den Exporten von 20 Prozent im laufenden Jahr gegenüber dem Vorjahr“, sagte der Präsident der österreichischen Wirtschaftskammer, Christoph Leitl. Und auch im Tourismus sei der Einbruch der russischen Gäste schon stark zu spüren. Angesichts der härteren Sanktionen würden sich die Zahlen noch weiter verschlechtern. Konkrete Prognosen konnte Leitl aber nicht nennen.

Der Präsident der Wirtschaftskammer sprach sich erneut gegen Strafmaßnahmen aus. „Ich bin nach wie vor gegen Sanktionen, aber wenn die Politik das beschließt, dann ist man natürlich eingebunden“, sagte Leitl. Er sei aber davon überzeugt, dass Sanktionen nichts bringen würden. „Glaubt jemand ernsthaft, dass durch Sanktionen Russlands Präsident Wladimir Putin reumütig zurückkehrt, die Krim zurück gibt und sein Interesse an der Ukraine verliert? Wenn das jemand glaubt, dann muss ich sagen, der ist naiv“.

Leitl erwartet, dass sich die Unternehmen künftig gut überlegen werden, ob sie weiter in Russland investieren. Das Land hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Absatzmarkt für die Alpenrepublik entwickelt. Österreichs Direktinvestitionen belaufen sich derzeit auf 8,6 Milliarden Euro. Für die Raiffeisen Bank International ist das Russland-Geschäft etwa der wichtigste Ertragsbringer. Für Aufsehen sorgten kürzlich auch die Geschäfte des österreichischen Erdölkonzerns OMV mit dem russischen Energiemonopolisten Gazprom. Die beiden Unternehmen unterzeichneten trotz massiver Bedenken der EU-Kommission einen Vertrag über den Bau des österreichischen Teilabschnittes der Erdgaspipeline South Stream (mehr hier). Der Wirtschaftskammerpräsident sieht das Projekt durch die Sanktionen nicht bedroht. „South Stream ist ein Projekt auf mehrere Jahre, diese Krise wird uns vielleicht ein paar Monate beschäftigen.“

 

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Kommentare

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  1. erwin kreiter sagt:

    Die USA wollen Russland und vermutlich gleichzeitig die EU wirtschaftlich zerstören – 2 Fliegen auf einen Schlag:

    Nach einem alten Video auf Youtube „Die USA wollen Russland wirtschaftlich zerstören“ sollte es klar sein um was es geht. Sie sagen es sogar ganz offen: Russlands Wirtschaft schwächen, Europa von Russland abkoppeln und von amerikanischem Gas und Öl abhängig machen. Der USA eine neue Einnahmequelle schaffen.
    Die Frage ist,
    a) wie lange machen das die europäischen Politiker mit? und
    b) wie lange lässt sich das Volk betrügen?

    Des weiteren wurde ich auf eine ältere Reportage auf youtube aufmerksam gemacht die ich allen empfehle: war made easy.

  2. hugin sagt:

    ÖSTERREICH: FÜR SANKTIONEN ZUM NACHTEIL VON WIRTSCHAFT UND VOLK !
    Obwohl Österreich neutral ist, hat der Studienabbrecher und Aussenminister den Sanktionen zugestimmt. Das ist unverantwortlichen und nicht im Sinne des Staatsvertrages. Die Folgen hat die Wirtschaft und die Bevölkerung zu tragen. Rückgang der Wirtschaft (Der Export von Milch und Fleisch, sowie weiterer Güter wurden bereits von Russland gestrichen) steigende Energiepreise und Anderem.
    Österreich-es kommen schwere, unruhige und teure Zeiten !

  3. Kulleraugen sagt:

    war zu erwarten war erwünscht die Bürger schauen zu die Banken Nutzen es um das Privateigentum bei nicht mehr Zahlenden Kunden zu Konfiszieren aber da die meisten sich eh keien Gedanken machen haben die Banken schon gewonnen

  4. sirik sagt:

    Der Staat sieht privat Eigentüm als ihren
    Die Bürger sind unterhörig am Staat.
    Wird es wieder Krieg geben ?
    In die Niederländen gibt es schon 195 (Kriegs) Tote.

    http://www.paulcraigroberts.org/2014/07/28/war-coming-paul-craig-roberts/