EU-Sanktionen gegen Russland zehren Wachstum von Polen auf

Polen sorgt sich um sein Wirtschaftswachstum. Die Sanktionen der EU gegen Russland werden Polens Exporte in die Region weiter einbrechen lassen. Russland hat bereits ein Einfuhrboykott für Obst und Gemüse aus Polen verhängt. Waren aus Moldawien werden mit Importzöllen belegt.

Die Wirtschaftssanktionen gegen Russland schlagen auf die polnische Wirtschaft durch. Am Ende des Jahres werde wegen der Strafen der Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt um 0,6 Prozentpunkte geringer sein, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Janusz Piechocinski der Zeitung Rzeczpospolita am Freitag. Die Zentralbank geht für 2014 von einem Plus von 3,6 Prozent aus. Piechocinski sagte, die Exporte nach Russland seien bereits um sieben Prozent gesunken, die in die Ukraine um 26 bis 29 Prozent. Der Trend werde sich in der zweiten Jahreshälfte verstärken.

Rund einen Monat nach der Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Moldawien will Russland Importzölle auf Waren aus der ehemaligen Sowjetrepublik einführen. Die Abgabe solle ab dem 30. August gelten und 19 Produkte umfassen, teilte die Regierung in Moskau am Freitag mit. Zu den Gütern zählen Fleisch, Gemüse, Zucker und Wein, für die moldawische Lieferanten bisher keine Zölle zahlen mussten. Russland ist nach der EU und der Ukraine der drittgrößte Abnehmer von Produkten aus Moldawien. Die russische Regierung hat Zölle bereits gegen eine Reihe von Ländern eingeführt, die sich unabhängiger von Moskau machen wollen. Moldawien hatte wie Georgien Ende Juni ein Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte der früheren Sowjetrepublik EU-Hilfe zu, wenn Russland die Hinwendung zum Westen sanktionieren sollte.

Die EU hatte am Mittwoch wegen der Ukraine-Krise weitreichende Wirtschaftssanktionen gegen Russland beschlossen. Sie treten am Freitag in Kraft. Russland reagierte mit Gegenmaßnahmen. So wurde ein Einfuhrverbot für Obst und Gemüse aus Polen verhängt. Etwa ein Fünftel der Obst- und Gemüse-Exporte des Landes gehen nach Russland (hier).

Russland führt zusätzliche Steuer ein

Nach der Einführung einer Kriegssteuer in der Ukraine steht auch den Russen eine zusätzliche finanzielle Belastung ins Haus. Präsident Wladimir Putin habe die Einführung einer zusätzlichen Verkaufssteuer beschlossen, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Damit sollten die staatlichen Haushalte entlastet werden, die durch die Sanktionen von Europäischer Union (EU) und USA noch stärker unter Druck geraten dürften. Den Informationen zufolge wird es keine Mehrwertsteuererhöhung geben. Die Regionen erhalten stattdessen die Möglichkeit, ab 2015 je nach Finanzlage eine zusätzliche Verkaufssteuer von bis zu drei Prozent zu erheben. Die zusätzlichen Einnahmen sollen voll und ganz den Regionen zufallen, hieß es am Donnerstag.

Analysten der Sberbank erwarten, dass die zusätzliche Steuer einen Preisanstieg in derselben Höhe zur Folge haben werde. Wenn alle Regionen die neue Steuer einführten, würde dies 2,1 Prozentpunkte zur Inflation beitragen. „Auf jeden Fall wird der Preissprung den Konsum negativ beeinflussen“, erklärten die Sberbank-Experten. Das könne zu einem Rückgang des Verbrauchs von bis zu einem Prozentpunkt und bei der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozentpunkten führen. Finanzminister Anton Siluanow erklärte indes, die Steuer würde nicht mehr als einen Prozentpunkt zur Inflationsrate beitragen. Das Finanzministerium erwartet zusätzliche Einnahmen für die Regionen von rund 200 Milliarden Rubel.

Die EU will Russland von den Finanzströmen aus Europa so gut wie möglich abschneiden. Die britische Großbank RBS schränkt wegen der verschärften westlichen Sanktionen gegen Russland die Kreditvergabe bei ihren dortigen Aktivitäten ein. Im Neugeschäft gebe es jetzt schärfere Limits und insgesamt mehr Restriktionen, teilte die Royal Bank of Scotland (RBS) am Freitag mit. Das Geldhaus gehört nach der Rettung in der Finanzkrise zu 81 Prozent der britischen Regierung. Im ersten Halbjahr sei die Kreditvergabe in Russland bereits um 100 Millionen auf 1,8 Milliarden Pfund (2,27 Milliarden Euro) zurückgefahren worden. Die verschärften Sanktionen des Westens richten sich gegen russische Banken und andere Wirtschaftszweige. Russland wird vorgeworfen, die Separatisten im Osten der Ukraine zu unterstützen und damit das Nachbarland zu destabilisieren.

 

Kommentare

Dieser Artikel hat 8 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Realist sagt:

    Die Annexion der Krim und die Unterstützung der paramilitärischen Banden in der Ostukraine durch Russland sind völlig inakzeptabel und geradezu verbrecherisch. Ich halte daher die westlichen Wirtschaftssanktionen für richtig und längst überfällig. Allerdings hat auch die EU in der Ukrainekrise durchaus Fehler gemacht, die Regierung in Kiew wirkt auf mich auch alles andere als vertrauenerweckend und kompetent. Sollte Putin sich also tatsächlich irgendwann wieder verhandlungs- und kompromissbereit zeigen, müssen auch EU und USA ebenfalls für Kompromisse bereit sein. Insgesamt wird jedoch weder Polen noch die EU wegen der Sanktionen wirklich ernsthafte Einbußen befürchten müssen. Deutschland schon gar nicht. Hierzulande wird das Wachstum vielleicht bloß 1,5 % statt wie erwartet 2,0 % betragen. 2013 ist die Wirtschaft nur 0,4 % gewachsen, trotzdem sind die Arbeitslosenzahlen gesunken. Die Panikmacherei ist also absurd. So wichtig ist das Russlandgeschäft für uns nun wahrlich nicht. Die Einbußen werden durch die guten Geschäfte in den USA und in China kompensiert.

  2. asdf sagt:

    Wie damals als sie dachten die Englânder würden sie beschützen…armes Polska. Nicht zu fassen das sie sich WIEDER als Kanonenfutter für die Westmächte verheizen lassen. Tut mir wirklich leid für die Menschen. Die Polen sind welche die leider immer den falschen vertrauen.

  3. Lesefuchs sagt:

    Und das alles wegen unbewiesener Behauptungen… Ich denke das System ist mehr am Ende als wir glauben…

  4. hastala sagt:

    Da sollten die Polen vielleicht einfach die Miete für die CIA-Foltercamps in Polen erhöhen um den Verlust zu kompensieren .. nachlesen bei Ron Paul

  5. müller sagt:

    Wo in alles in der Welt sind unsere Verbände und Gewerkschaften, es geht hier um das Brot der Arbeiter und Angestellten. Der gesamte Osthandel geht den Bach runter, es wird viele, viele Arbeitslose geben in der EU. Aber anscheinend ist denen das auch egal, Sie behalten ja Ihren Posten!

  6. Kulleraugen sagt:

    Ha und Deutschland muss dafür Zahlen wer sonnst

  7. Max sagt:

    Merken die US-Vasallen erst jetzt, dass die von den USA verordneten Sanktionen gegen Russland auf sie selbst zurückfallen? Wenn das so ist, dann ist die Dummheit unserer Politiker nicht mehr zu überbieten. Es war jedem Menschen, der selbstständig denken kann klar, dass Putin nicht alles klaglos hinnehmen wird. Die grössten Schreihhälse in Polen wollen jetzt wohl Ausgleichszahlungeen von der EU. Das sollten wir auch fordern, wenngleich wir hierfür unseren 27%igen Anteil zahlen müssten.

    • Claus sagt:

      Bin ganz Deiner Meinung.
      Wie blöd muss man sein um das Spiel der VSA nicht zu durchschauen. Eigendlich will die VSA Europa entzweien. Wie es aussieht machen da alle VSA Vasallen mit.