Energiekonzerne kämpfen um Subventionen für Kohle und Gaskraftwerke

Die Energiekonzerne machen zunehmend Verlust mit ihren Gas- und Kohlekraftwerken. Bei EnBW sind es bereits 735 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2014. Der Preisverfall an den Strombörsen macht E.ON und RWE zu schaffen. Energiekonzerne streiten sich mit Verbänden für Erneuerbare Energieträger um neue Subventionen für alte Kraftwerke.

Nach den Verlusten durch den beschleunigten Atomausstieg muss der Energiekonzern EnBW nun auch erhebliche Einbußen bei seinen Gas- und Kohlekraftwerken hinnehmen. Der Versorger schrieb im ersten Halbjahr gut 1,2 Milliarden Euro auf die Anlagen ab und fuhr dadurch einen Verlust von 735 Millionen Euro ein. „Die Entwicklung auf dem Strommarkt hat sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert“, sagte Finanzchef Thomas Kusterer am Freitag in einer Telefonkonferenz. Da eine Verbesserung der Lage nicht in Sicht sei, müsse der Konzern den Buchwert der Anlagen korrigieren.

Dem drittgrößten deutschen Energiekonzern macht wie den Platzhirschen E.ON und RWE der Preisverfall an den Strombörsen zu schaffen. Hier sinken die Preise, weil immer mehr Ökostrom produziert wird und es ohnehin mehr Kraftwerke gibt als nötig (mehr dazu – hier). Die Versorger legen daher reihenweise Anlagen still. Finanzchef Kusterer verwies darauf, dass sich die Strom-Großhandelspreise seit 2010 mehr als halbiert hätten. Die Haushaltskunden haben davon allerdings wenig, weil zugleich die Abgaben und Steuern gestiegen sind. Die großen Energiekonzerne sprechen sich daher für neue Subventionen für ihre alten und unrentablen Kraftwerke aus.

Der operative Gewinn von EnBW schrumpfte im Halbjahr um rund zehn Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Vorstandschef Frank Mastiaux bekräftigte gleichwohl die Prognose, wonach das operative Ergebnis im Gesamtjahr um bis zu fünf Prozent sinken könnte. Der Umsatz blieb mit gut zehn Milliarden Euro in etwa stabil.

EnBW hatte im Zuge des beschleunigten Atomausstiegs zwei seiner vier AKW-Blöcke abschalten müssen. Mastiaux will den Konzern unter anderem mit dem Bau von Windkraftanlagen auf hoher See stärker auf Ökostrom trimmen. Wie schwankungsanfällig das Geschäft ist, wurde jedoch im Halbjahr deutlich. Die größte Rolle in der eigenen Ökostrom-Erzeugung spielen bei EnBW Laufwasserkraftwerke. Diese erzeugten wegen der geringen Niederschläge und niedrigen Wasserstände weniger Strom. Das operative Ergebnis der Sparte Erneuerbare Energie fiel um ein Fünftel auf rund 80 Millionen Euro. Statt eines Gewinnwachstums um bis zu 15 Prozent erwartet der Konzern für die Sparte im Gesamtjahr nun einen Rückgang um bis zu 15 Prozent.

„Die Wetterabhängigkeit wird zunehmen“ räumte Finanzchef Kusterer ein. Je stärker der Konzern das Ökostromgeschäft ausbaue, desto stärker könne die Witterung auch das operative Ergebnis beeinflussen. Der Versorger wolle das Risiko unter anderem dadurch verringern, indem er das Geschäft regional breit streue. „Aber das wird nicht ausbleiben, dass wir da den Einfluss in der Zukunft auch sehen.“

BEE: Keine Förderung für Gas und Kohle

„Es wäre ein schwerer Fehler, neue Finanzhilfen für alte, schmutzige Kraftwerke einzuführen“, warnt BEE-Geschäftsführer Dr. Hermann Falk. „Das würde Milliardenkosten für die Stromverbraucher bedeuten und den Umbau unserer Energieversorgung in Richtung Nachhaltigkeit blockieren. Hier muss die Bundesregierung standhaft bleiben und sich Forderungen der grauen Herren in den Vorstandsetagen verweigern.“

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) fühlt sich durch die jüngsten Gutachten im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums zu Kapazitätsmechanismen voll bestätigt. Die Gutachten kommen zu dem Ergebnis, dass die von der fossilen Energiewirtschaft geforderten Kapazitätsmärkte zu Mehrkosten für die Stromverbraucher von bis zu 15 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 führen würden. Diese Modelle liefen auf eine „Sozialisierung der Risiken“ hinaus, die Kunden müssten für die Bereithaltung verlustbringender Kraftwerke zahlen. Auch seien Kapazitätsmärkte nicht dazu geeignet, CO2-Emissionen zu senken.

Auch Atomkonzerne unter Druck

Der französische Energietechnikkonzern Areva bekommt den Sparkurs der Kraftwerksbetreiber zu spüren. Das Staatsunternehmen kappte am Freitag angesichts schwindender Aufträge seine Jahresprognose. Vor allem das Geschäft mit Nukleartechnik laufe schlecht, hieß es. Neubauten von Atomkraftwerken im Ausland würden verschoben, ebenso Wartungen im Heimatland. Die Areva-Aktie brach an der Börse um 20 Prozent ein.

Areva reagiert mit Einschnitten auch in Deutschland. Rund 1.500 Stellen würden bis Ende 2015 hier gestrichen, 200 weitere in den USA. Aus dem Geschäft mit Solarthermie-Technik steigt Areva zudem aus. Mit Sonnenhitzekraftwerken hatten die Franzosen zwar einen Umsatz von etwa 100 Millionen Euro gemacht, damit allerdings auch viele Millionen Euro verloren. Der frühere Partner Siemens hat sein Solarthermie bereits vor längerer Zeit nach einer langen Verluststrecke dichtgemacht. Areva fuhr im ersten Halbjahr einen Verlust von fast 700 Millionen Euro ein, nachdem der Konzern vor Jahresfrist noch eine schwarze Null erreicht hatte. Der Umsatz fiel um rund zwölf Prozent. Für das Gesamtjahr sagte Vorstandschef Luc Oursel nun ein Umsatzminus von zehn Prozent voraus, bislang war er von fünf Prozent ausgegangen. Ab 2015 soll es dann wieder aufwärts gehen.

Kommentare

Dieser Artikel hat 3 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. haubichl sagt:

    Wann hört endlich dieser Ökowahn mit Vogelschredderanlagen und Brenngläsern auf? Hier wird nachhaltig das Waldökosystem in Deutschland zerstört und die Regenerationsgebiete für die Bevölkerung für immer verschandelt.
    Außerdem bin ich nicht bereit für den giftgrünen Ökostrom mit 9 verschiedenen Steuern 300% mehr zu bezahlen,als für den sauberen & preiswerten Atomstrom. Die Ökolobby macht sich auch strafbar, da sie den Wettbewerb unterbindet, denn ich bekomme für den Strom aus Liechtenstein keine Durchleitungsrechte.

  2. biersauer sagt:

    China beschließt das Ende von 800 Kohlezechen und verstärkt renewable energie Ausbau..

  3. Jo sagt:

    „BEE: Keine Förderung für Gas und Kohle“

    dann muss das Abschalten für diese Gas und Kohle möglich sein, es folgt natürlich der Blackout bei Windflaute.