Zu wenig Gewinn: Deutsche Post will Personalkosten senken

Die kommenden Tarifverhandlungen bei der Post könnten für die Beschäftigten zu Einschnitten führen. Die Post will die operativen Kosten senken. Durch das TTIP verspricht sich Post-Chef Rosen ein steigendes Geschäft. Die Konkurrenz aus dem Online-Handel will die Post indes noch nicht ernst nehmen.

Der Deutschen Post steht eine harte Tarifrunde ins Haus. „Unsere operativen Kosten wachsen zu schnell“, sagte Post-Finanzchef Larry Rosen mit Blick auf das deutsche Brief- und Paketgeschäft am Dienstag in Bonn der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir müssen einen Weg finden, zurück zu einer gesunden Balance zwischen Umsatz- und Gewinnwachstum zu kommen“, unterstrich er. Die Brief- und Paketsparte des Konzerns hatte im zweiten Quartal weniger verdient – höhere Personalkosten und Investitionen drückten den operativen Gewinn auf 188 (Vorjahr: 238) Millionen Euro (hier).

Im kommenden Jahr kann der Konzern mit weltweit über 436.000 Mitarbeitern nun wichtige Weichenstellungen im Personalbereich vornehmen. Tarifverhandlungen stehen ins Haus, in Deutschland läuft der zuletzt 2011 bis Ende 2015 verlängerte Beschäftigungspakt aus, der betriebsbedingte Kündigungen verhindert. Ein weiterer Vertrag, der die Vergabe von weiteren Paketzustellbereichen an Dienstleister verbietet, endet dann ebenfalls. Die Verhandlungsrunde könnte also für reichlich Zündstoff sorgen.

Verdi-Vertreterin Andrea Kocsis hatte den Vorstand bereits mehrfach vor Versuchen gewarnt, befristete Arbeitsverhältnisse auszuweiten und das Lohnniveau abzusenken. „Wir müssen an der Kostenentwicklung arbeiten„, sagte Rosen.

Die Post hofft durch den Abschluss des umstrittenen transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP auf einen positiven Effekt auf das Versandgeschäft. „Ich schätze die Pläne als sehr positiv ein, sie würden die wirtschaftliche Lage der USA und Europas verbessern“, sagte Post-Finanzchef Larry Rosen. „Bei einer Umsetzung werden wir wahrscheinlich eine Erhöhung des Handelsvolumens sehen“, fügte er hinzu: „Insofern wäre ein Abkommen auch ein direkter Vorteil für Deutsche Post DHL. Es würde unser Geschäft weiter ankurbeln.“

Die Post sowie Konkurrenten wie UPS oder FedEx würden mit ihrem internationalen Transportnetzen von einem Anziehen des Handels profitieren. Das TTIP-Abkommen soll nach dem Willen der USA und der EU im kommenden Jahr ausgehandelt sein. Wirtschaftsforscher erwarten von dem Abkommen einen Schub für die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union. Es gibt in der Politik aber etwa auch Warnungen, ein Abkommen könnte den Verbraucherschutz in Europa untergraben.

Das lahmende Warenlogistikgeschäft müsse aufgeräumt und verstärkt auf Profit und Wachstum getrimmt werden. Dazu wolle der Konzern auch aus unattraktiven Verträgen aussteigen, kündigte Rosen an. Das werde auch Spuren in der Bilanz hinterlassen – im kommenden Jahr werden Restrukturierungskosten fällig, kündigte Rosen an.

„In der Warenlogistik sind Verträge mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren üblich, in Ausnahmen gibt es Laufzeiten bis zu zehn Jahren“, sagte Rosen. Dabei „kann es sein, dass die Verträge über die Zeit unattraktiv werden.“ Die Folge seien steigende Kosten. „Solche Verträge möchten wir dann nicht verlängern oder aus ihnen aussteigen – und dabei fallen Umstrukturierungskosten an“, sagte er. Vom gesamten Vertragsportfolio bei Supply Chain sei ein geringer Teil – insgesamt deutlich weniger als zehn Prozent – betroffen. Ein Schwerpunkt befinde sich dabei in Europa.

Insgesamt sollen sich Rendite und operativer Gewinn des Bereichs „deutlich verbessern„, fügte Rosen hinzu. Ein genaues Ziel nannte er nicht. Der Bereich hatte im zweiten Quartal rund 3,6 Milliarden Euro zum Konzernumsatz von etwa 13,6 Milliarden Euro beigesteuert.

Die Konkurrenz durch Online-Händler Amazon macht der Deutschen Post keine Sorgen. „Wir verfügen hier über ein sehr innovatives, hocheffizientes und äußerst kundenfreundliches Angebot in der Paketindustrie“, unterstrich Rosen. Zuletzt hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, Amazon könnte die Auslieferung seiner Pakete selbst übernehmen. Derzeit liefern die Post oder ihre Wettbewerber Pakete des Online-Händlers aus.

Der Bonner Konzern verzeichnet ein rasantes Wachstum im Paketgeschäft. Um ihre Stellung zu zementieren, hat die Post im Frühjahr auch Paketkästen auf den Markt gebracht. Die Verbraucher sollen die Kästen in ihre Vorgärten stellen – sie können dann rund um die Uhr Pakete bekommen und sich nach der Arbeit den Gang zum Nachbarn sparen. „Unsere Paketkästen sind ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Bindung unserer Kunden“, unterstrich Rosen. Der Paketkasten komme bei den Verbrauchern an: „Wir sind mit der Nachfrage sehr zufrieden.“

Kommentare

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  1. Delta120 sagt:

    Schreibt es einfach ehrlicher: Deutsche Post will Löhne senken

    • Werner sagt:

      Und hier die Begründung warum ( für die Flaschen die des Lesens ukundig sind ) : “ Die Brief- und Paketsparte des Konzerns hatte im zweiten Quartal weniger verdient – höhere Personalkosten und Investitionen drückten den operativen Gewinn auf 188 (Vorjahr: 238) Millionen Euro “ !!!!

      Weist du z.B. was „höhere Personalkosten“ denn sind ?
      Wahrscheinlich : Nein !

  2. SoWieSo sagt:

    Warum sollen die Post-Mitarbeiter mit schlechten Gehältern zufrieden sein, nur damit die Post-Aktionäre rund 1 Mrd. Euro an Dividenden kassieren können?

  3. PeppermintPatty sagt:

    Nachdem ich bereits nur noch 2mal die Woche Post erhalte, bedeutet Kontrolle der Kosten dann wohl, daß die Post nur noch 1mal die Woche in meiner Straße aufschlägt. Vielleicht darf ich mir dann demnächst auch – gegen Entgeld natürlich – meine Post in irgendeiner Filiale abholen. Hauptsache Rendite und operativer Gewinn des Bereichs wurde „deutlich verbessert“,

    • anonymus sagt:

      Ich kann dir sagen, jeder von uns arbeitet nur noch nach der Wertschätzung des Konzernes. D.h der Konzern möchte Gehälter kürzen und Zulagen streichen. Aber trotzdem mehr Leistung damit die dicken Aktionäre zufrieden das Jahr abschließen können. Dann sollen die das machen. Jeder arbeitet wie er bezahlt wird. Wer bei uns anfängt bekommt 11,48 die Stunde und es kommt niemand mehr. Sollen die den Lohn ruhig senken, Ihr (der Kunde) werdet die sein die es abbekommen weil kein Personal mehr zu verfügung steht.