Russland-Sanktionen führen zu stärkstem Auftragsminus seit 3 Jahren

Die Aufträge deutscher Firmen sinken im Juni um 3,2 Prozent. Nicht nur geopolitische Risiken infolge der Russland-Sanktionen sorgen für Zurückhaltung bei den deutschen Industrieunternehmen. Die Nachfrage aus der Euro-Zone brach um 10,4 Prozent ein. Die Wirtschaftskrise im Euro-Raum ist noch nicht vorüber.

Das Neugeschäft der deutschen Industrie ist eingebrochen. Vor allem ein starker Nachfrage-Rückgang aus der Euro-Zone sorgte im Juni für das größte Auftragsminus seit September 2011. Insgesamt gingen die Bestellungen um 3,2 Prozent zum Vormonat zurück, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Bereits im Mai hatte es einen Rückgang um 1,6 Prozent gegeben. Das Bundeswirtschaftsministerium begründete die Entwicklung mit geopolitischen Risiken und betonte: „Es ist daher zu erwarten, dass sich die Industriekonjunktur in den kommenden Monaten eher moderat entwickeln wird.“

Zuletzt hatte die Ukraine-Krise für trübere Stimmung in der deutschen Wirtschaft gesorgt. Vor allem wegen der schärferen Sanktionen gegen Russland kam Verunsicherung auf. Ökonomen betonten allerdings, die schwächelnden Aufträge seien nicht allein auf diesen Konflikt zurückzuführen. „Die heutigen Daten zeigen, dass die Abwärtsrisiken für die deutsche Wirtschaft nicht nur von geopolitischen Spannungen stammen, sondern auch von einer Nachfrageschwäche aus der Euro-Zone, die länger anhält als erwartet“, sagte ING-Bank-Analyst Carsten Brzeski.

Während das gesamte Auslandsgeschäft um 4,1 Prozent nachließ, brachen die Bestellungen aus der Währungsunion um 10,4 Prozent ein. Die Bestellungen von außerhalb der Euro-Zone hingegen blieben stabil. „Möglicherweise hat sogar die kräftigere US-Konjunktur im zweiten Quartal einem noch stärkeren Rückgang entgegengewirkt“, sagte BayernLB-Experte Stefan Kipar. Auch Commerzbanker Ralph Solveen führt die Entwicklung weniger auf geopolitische Risiken zurück. Vielmehr spiegelten die Daten das zuletzt schlechtere konjunkturelle Umfeld wider – „stärkerer Euro, schwächere Weltwirtschaft. Damit steigt das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft – nach einem leichten Minus im zweiten Quartal – auch im dritten Quartal enttäuschen wird“, fügte Solveen hinzu.

Zu Jahresanfang war die deutsche Wirtschaft – beflügelt vom starken Bau im milden Winter – noch kräftig um 0,8 Prozent gewachsen. Für das abgelaufene Quartal rechnen die meisten Ökonomen mit einem deutlich schwächeren Wachstum.

Die Bundesregierung hält die deutsche Konjunktur trotz des überraschenden Auftragsrückgangs im Juni für stabil. „Wir haben insgesamt eine intakte konjunkturelle Entwicklung“, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums am Mittwoch in Berlin. Der Rückgang der Auftragseingänge habe neben der Ukraine-Krise auch andere Ursachen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes erklärte, es sollte niemanden überraschen, dass Sanktionen auch Kosten forderten. Bisher gebe es allerdings nur Spekulationen darüber, welche Vergeltungsmaßnahmen Russland einleiten werde.

Deutschland fordert Russland zur Mäßigung seiner Politik gegenüber der Ukraine auf. Russland sollte alle Schritte unterlassen, die zu einer weiteren Eskalation führen könnten, heißt es aus dem Auswärtigen Amt gen Moskau. Sorge bereiten Berichte über ein russisches Großmanöver und Berichte über Truppenkonzentrationen an der ukrainischen Grenze. Zuvor hatte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk vor einer russischen Invasion der Ukraine gewarnt.

Kommentare

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  1. carlos sagt:

    Wenn man so blöd ist dann gehört es einem nicht anders. Nur wie immer, das Volk bezahlt die Rechnung. Aber es ist halt (meistens) so, jeder bekommt was er verdient…
    Lasst es Euch nicht mehr gefallen, geht auf die Sraße……

  2. gast sagt:

    Na‘ sowas auch!!!!!

    Der größte Teil der Industrieboße hat diese Sanktionen doch unterstützt bzw. begrüßt! War denen nicht klar, dass diese Sanktionen nicht nur Rußland betreffen sondern auch die deutsche Industrie?

    Selbst ins Knie schiessen und dann jammern dass es weh tut!

  3. hastala sagt:

    Das war doch absehbar .. jeder sollte doch nun wissen das der Crash vor der Tür steht … Rettet Rennet Flüchtet

  4. Max sagt:

    Polen fordert von der EU Ausgleichszahlungen für entgangene Lebensmittellieferungen nach Russland. Leider haben wir keine mutigen deutschen Politiker, sonst müssten wir jetzt auch eine finanzielle Kompensation von der EU fordern, für das Auftragsminus der deutschen Industrie. Etwa 27% davon würde ohnehin der deutsche Steuerzahler berappen, denn das ist der deutsche Anteil an allen EU-Zahlungen. Obendrauf kommen dann noch die hunderte von Milliarden, die Deutschland für die diversen Rettungsschirme zur Bankenrettung bezahlt.