Nato: Russland stellt „20.000 kampfbereite Truppen“ an ukrainischer Grenze auf

Die Nato warnt vor einer Eskalation der Ukraine-Krise. Russland habe 20.000 kampfbereite Truppen an der Grenze zur Ukraine aufgestellt. Zuvor hatte Polen vor einer Invasion der Ukraine durch Russland gewarnt. Moskau bereitet indes Gegen-Sanktionen vor, die die Überflugrechte von EU-Fluggesellschaften über russisches Gebiet betreffen sollen.

Die Nato hat Russland vorgeworfen, den Ukraine-Konflikt weiter anzuheizen. Der jüngste Truppenaufmarsch an der ukrainischen Grenze lasse die Situation weiter eskalieren und untergrabe die Versuche, eine diplomatische Lösung für den Konflikt zu finden, erklärte eine Sprecherin des Militärbündnisses am Mittwoch:

„Russland hat rund 20.000 kampfbereite Truppen an der östlichen Grenze der Ukraine zusammengezogen. (…) Wir teilen die Sorgen dass Russland unter dem Vorwand eines humanitären oder friedenssichernden Einsatzes Truppen in die Ostukraine entsenden könnte.“

Jegliche Verschlechterung der humanitären Lage resultiere aus der anhaltenden Destabilisierung der Region durch Russland, betonte die Sprecherin weiter. Der Konflikt werde durch Russland angeheizt. Die Nato rief Russland dazu auf, alle seine Truppen zurückzuziehen, den Zustrom von Waffen und Kämpfern über die Grenze in die Ukraine zu stoppen und Einfluss auf die prorussischen Separatisten auszuüben.

Polen warnt vor russischer Invasion der Ukraine

Zuvor hatte Polen davor gewarnt, dass sich die Gefahr einer russischen Invasion in die Ostukraine zuletzt erhöht habe. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk sagte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz, in den vergangenen Stunden habe er Informationen erhalten, dass die Gefahr einer direkten Intervention Russlands in der Ukraine in den vergangenen Tagen stark gestiegen sei.

Schon am Vorabend hatte Außenminister Radoslaw Sikorski vor einer russischen Invasion gewarnt. Die russische Armee habe ihre Gefechtsbereitschaft in der Grenzregion zur Ukraine wiederhergestellt, dort stünden mehrere Bataillone bereit, sagte Sikorski. Diese sollten „nur Druck ausüben. Oder einmarschieren“.

Die Äußerungen Sikorskis sorgten an den internationalen Aktienmärkten für Unruhe. Die Furcht der Anleger vor einer Eskalation der Ukraine-Krise drückte den deutschen Leitindex Dax 1,4 Prozent auf 9.064 Zähler und somit auf den tiefsten Stand seit fast fünf Monaten.

Der Westen und die Regierung in Moskau streiten bereits länger über die Größe und Zusammensetzung der russischen Verbände im Grenzgebiet. Die Ukraine kämpft gegen prorussische Rebellen im Osten des Landes.

Russische Vergeltung für Sanktionen werden vorbereitet

Der russische Präsident Wladimir Putin hat seine Regierung angewiesen, Vergeltungsmaßnahmen für die jüngsten westlichen Sanktionen gegen sein Land vorzubereiten. „Natürlich sollte das sorgfältig geschehen, um einheimische Hersteller zu unterstützen und die Verbraucher nicht zu belasten“, zitierten russische Nachrichtenagenturen am Dienstag Aussagen Putins. Die Zeitung Wedomosti hatte zuvor berichtet, Russland werde als Reaktion auf die EU-Sanktionen möglicherweise die Überflugrechte für europäische Fluggesellschaften über Sibirien beschneiden oder streichen. Dies könnte die Kosten für Flüge nach Asien in die Höhe treiben.

Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew drohte mit Vergeltung für den schweren Schlag, den die EU-Sanktionen der Aeroflot-Tochter Dobriolot zufügten. Die Billigfluggesellschaft der staatlichen Fluglinie musste sämtliche Flüge aussetzen, weil die Strafmaßnahmen ihre Leasing-Vereinbarungen mit europäischen Partnern zunichtemachten. Dobriolot bot bisher Verbindungen auf die Halbinsel Krim an, die Russland im März seinem Territorium angegliedert hatte. Die Region ist ein beliebtes Urlaubsziel vieler Russen. „Wir sollten über Möglichkeiten für Vergeltungsmaßnamen beraten“, sagte Medwedew bei einem Treffen mit dem russischen Verkehrsminister und einem Aeroflot-Vorstandsmitglied.

Ein Flugverbot über Sibirien könnte die europäischen Fluglinien einschließlich Lufthansa, British Airways und Air France laut Wedomosti etwa eine Million Euro in drei Monaten kosten. Schon in der Vergangenheit während des Kalten Krieges durften westliche Fluggesellschaften nicht durch den russischen Luftraum nach Asien fliegen. Sie mussten stattdessen eine Route über den Persischen Golf oder den US-Flughafen Anchorage in Alaska auf dem Weg über den Polarkreis wählen.

Die Lufthansa fliegt nach eigenen Angaben 180 Mal pro Woche durch den sibirischen Luftraum, wollte sich aber nicht weiter zu dem Thema äußern. Die EU hatte ihre Sanktionen gegen Russland nach dem Abschuss eines malaysischen Verkehrsflugzeuges über dem Rebellengebiet in der Ostukraine ausgeweitet. Bei dem Absturz starben fast 300 Menschen. Wegen des Vorfalls kommt am 14. August in Montreal erstmals eine Sicherheitsarbeitsgruppe der zivilen Luftfahrtorganisation der Vereinten Nationen (ICAO) zu Beratungen zusammen.

Wegen der Kämpfe in der Ostukraine sind nach UN-Angaben knapp eine dreiviertel Million Menschen aus ihrer Heimat nach Russland geflüchtet. Etwa 730.000 Ukrainer hätten sich dieses Jahr vor den Unruhen nach Russland gerettet, erklärte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) in Genf. Weitere 117.000 Ukrainer seien innerhalb ihres Heimatlandes auf die Flucht. Die Zahl dieser Binnenflüchtlinge wachse jeden Tag um 1.200 Menschen. Bisher waren Experten von 168.000 Flüchtlingen ausgegangen. So viele Anträge hat die russische Einwanderungsbehörde nach eigenen Angaben von Ukrainern erhalten.

Bei Kämpfen mit prorussischen Separatisten in der Ostukraine sind nach Angaben der ukrainischen Armee 18 Soldaten ums Leben gekommen. Zudem seien bis Mittwochmorgen 54 Soldaten bei über zwei Dutzend Gefechten verletzt worden, sagte ein Militärsprecher in Kiew. Die Regierungstruppen rückten nach seinen Angaben weiter gegen die Stellungen der Rebellen vor.

Derzeit bereitet die Ukraine einen Angriff auf die Millionenstadt Donezk vor, heißt es mehreren Medienberichten zufolge. Die UN warnt vor einer Eskalation der humanitären Situation. Trotz der Bombeneinschläge habe es noch keine zivilen Opfer gegeben. In großen Teilen der Stadt ist der Strom ausgefallen.

Die Ukraine hat etwa 46 Millionen Einwohner. Seit Monaten liefern sich prorussische Separatisten und die ukrainische Armee schwere Gefechte im Osten des Landes. Ganze Städte wie das mittlerweile von der Armee zurückeroberte Slawjansk waren zum Zeitpunkt der Kämpfe weitgehend entvölkert. Viele russischstämmige Ukrainer fürchten zudem Repressalien der Regierung in Kiew.

Kommentare

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  1. biersauer sagt:

    Russland ist nicht so bescheuert wie Malaisien und lässt sich zuerst 2 Liners abschießen um dann noch immer an der Leine zu laufen, sondern bereitet sich auf einen solchen aufgezwungenen Krieg in aller Ruhe vor.
    Was man da von den Russen zu sehen kriegt, sind alles nur taktische Geschwader, die Strategie bleibt im Verborgenen!
    Sogar die Donbas-Partisanen, halten den Poroschenko-Jatzenjuck, mittels alter Waffen aus dem Museum auf Abstand und kassieren deren 3 Armeen mittels Desertion.
    Bisher bereits hunderte schwere Waffen der Agressoren vernichtet.
    Würde Putin diese Partisanen tatsächlich unterstützen, stünde diese Schoko-Armee, vor der Kapitulation.

  2. La Paloma sagt:

    Pentagon „verdoppelt“ russische Truppen an ukrainischer Grenze über Nacht
    Das russische Verteidigungsministerium hat die jüngsten Mitteilungen des Pentagon und der Nato, laut denen das russische Truppenaufgebot an der ukrainischen Grenze von heute auf morgen auf das Doppelte gewachsen sein soll, als Fantasien zurückgewiesen. Ein solches Manöver ist nach Angaben des Ministeriums technisch nicht möglich.
    http://de.ria.ru/politics/20140806/269216650.html

    Lawrow weist Überflugverbotsmeldungen als Gerüchte zurück
    Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat Medienberichte über einen möglichen Entzug der Überflugsrechte über Sibirien für westliche Fluglinien als Gerüchte zurückgewiesen
    http://de.ria.ru/politics/20140806/269217875.html

  3. Syssiphus sagt:

    Wenn ich mich nicht irre,waren es Gestern nur 10 000 Mann und sind simsalabim verdoppelt worden.Zaubern können auch die Russen noch nicht.

  4. Alfons sagt:

    Polen ist massiv mit eigenen Soldaten -ohne Hoheitsabzeichen- in der Ukraine involviert.

    Ebenfalls kämpfen in der Ukraine auf Seiten des faschistischen Putsch-Regimes:

    – CIA- und FBI-Banden
    – Academi-Söldner

    und Killer-Trupps aus einigen Ländern der Nato.

    Dass das Regime massiv mit Waffen und Logistik aus allen Nato-Ländern unterstützt wird ist ebenfalls kein Geheimnis.

  5. Freiberufler sagt:

    Okay, und jetzt? Schlieffen-Plan? Operation Barbarossa? Oder einfach mal nur die Klappe halten?

  6. Lesefuchs sagt:

    Was erwarten die Amis und die EU? Das Russland Blümchen an der Grenze pflanzt und die Wege harkt. Wenn im Nachbarland Kriegt herrscht und schweres Gerät eingesetzt wird, ist es wohl das souveräne Recht jedes Staates seine Grenze zu schützen und sich auf eventuelle Angriffe vorzubereiten. Würde das Ganze unter umgekehrten Vorzeichen in Mexiko stattfinden, wäre amerikanisches Militär nicht mehr nur an der Grenze zu finden!!!

  7. Ponerologe sagt:

    Kein Mensch, der seine Sinne beisammen hat lässt sich in eine Uniform stecken und liefert sich unter Androhung der Todesstrafe (auf Desertation steht im Kriegsfall der Tod) irgendeinem Befehl aus, fern von Heim und Familie. Woraus besteht also eine Armee? Aus mit mehr oder weniger Druck zwangseingezogenen Zivilisten, die meistens auch Familie haben und vielleicht noch ein paar Indoktrinierten. Viele von denen kommen nie mehr nach Hause. In der Ukraine wurde vor kurzem die Generalmobilmachung angeordnet, also praktisch alle wehrfähigen Männer eingezogen. Was ist wie immer das Ergebnis? Die Zivilisten der einen Seite morden die Zivilsten der anderen Seite und umgekehrt. Und unsere wahren Feinde sitzen schon warm und trocken im Sessel, und dabei ist der eigene Machthaber genauso unser Feind wie der des „Gegners“. Gegen diese Typen müssen wir kämpfen!

  8. Ende sagt:

    Die Nato plant Grossmanöver, Rasmussen ist in Ukraine und niemand weiss warum aber die Russen sind die Bösen, weil sie ihre Truppen an der Grenze aufstellt haben, auf ihrem eigenen Land wohlbemerkt. Die Dummen haben wieder die Macht;kein Wunder, dass die Weltkriege in Europa stattfinden.
    Die Amerikaner lachen sich kaputt, natürlich werden sie ihre Chance wahrnehmen und von dem Krieg profitieren.

  9. Rudolf Steinmetz sagt:

    Dummes Zeug! Was soll Putin denn anderes machen um sich gegen die aggressive NATO/USA zu wehren? Die im übrigen einen Atom-Krieg in Europa geplant hat, siehe auch: Gesetzesvorschlag “Zur Prävention weiterer russischer Aggression” macht die Strategie des Weißen Hauses deutlich – Deutschland spielt dabei eine wichtige Rolle: http://www.heise.de/tp/artikel/42/42451/1.html