Die USA gewinnen den globalen Investitionswettlauf in Afrika

Über 33 Milliarden Dollar wollen US-amerikanische Firmen zusammen mit der Regierung in Afrika investieren. Damit soll die Wirtschaft und der Handel mit Afrika gefördert werden. Auch für deutsche Unternehmen gehört Afrika zu den wichtigsten Wachstumsmärkten der Zukunft. Die EU beschränkt sich bei den Investitionen auf erfolglose Infrastrukturprojekte.

Auf einem Wirtschaftsgipfel in Washington sind gigantische Investitionen in afrikanischen Ländern versprochen worden. US-Präsident Barack Obama kündigte bei dem Gipfel an, dass US-Unternehmen und -Regierung sich mit insgesamt rund 33 Milliarden Dollar in Afrika engagieren wollen, berichtet swissinfo.ch. 14 Milliarden Dollar kommen von US-Unternehmen. Die Regierung schießt noch einmal sieben Milliarden Dollar hinzu, um den Export nach Afrika zu fördern. Weitere 12 Milliarden fließen in ein Programm zu Förderung der Stromversorgung.

Unternehmen aus den USA und Afrika sowie die Weltbank planen etwa Bau-, Energie- und IT-Projekte. Für mehrere der Vorhaben werden Gemeinschaftsunternehmen gegründet. US-Präsident Barack Obama sagte am Dienstag auf dem U.S.-Africa Business Forum, sein Land wolle ein guter, gleichberechtigter und langfristig orientierter Partner sein. Er forderte zugleich von den afrikanischen Staaten Rechtsstaatlichkeit und Reformen in den Verwaltungsapparaten, während sich afrikanische Staats- und Regierungschefs für eine Vertiefung der Handelsbeziehungen aussprachen.

Das Handelsvolumen zwischen den USA und dem Kontinent beträgt Schätzungen zufolge 85 Milliarden Dollar. Sechs der zehn am stärksten wachsenden Volkswirtschaften der Welt befinden sich in Afrika. An der dreitägigen Konferenz beteiligten sich auch mehr als 90 US-Unternehmen wie Chevron, Citigroup, Ford Motor, Lockheed Martin, Marriott International oder Morgan Stanley.

Die Voraussetzungen für deutsche Unternehmen, Geschäftsbeziehungen nach Afrika auszuweiten, sind so gut wie nie zuvor. Eine wachsende Mittelschicht und eine positive Arbeitsmarktentwicklung machen Afrika als Absatzmarkt attraktiv (mehr dazu – hier). Der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagebauer, Reinhold Festge, sieht Afrika als wichtigen Wachstumsmarkt an. Der Absatz von deutschen Maschinen stieg dort im letzten Jahr um elf Prozent (hier).

EU-Infrastrukturgelder versickern

Im Vergleich mit den USA sind die Investitionen aus der EU auf dem afrikanischen Kontinent verschwindend gering und zielt weniger auf die Entwicklung der Wirtschaft, als vielmehr auf die Entwicklung der Infrastruktur ab. Seit 1995 laufen EU-Investitionen in die afrikanische Infrastruktur. Dabei wurden bislang einem Bericht von Euractiv zufolge rund 7,4 Milliarden Euro für den Straßenbau ausgegeben. Leider ohne die gewünschten positiven Effekte. Anstatt die Gesellschaftsentwicklung zu fördern und die Wirtschaft aufzubauen, werden die Straßen dem Verfall überlassen (mehr dazu – hier).

Die Kommission startet am Mittwoch ein neues Programm zur Förderung der Integration innerhalb des afrikanischen Kontinents. Ausgestattet mit 415 Millionen Euro von 2014 bis 2017 ist es das erste Programm der EU zur Entwicklungszusammenarbeit, das sich auf den gesamten afrikanischen Kontinent erstreckt. Der ehemalige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso betonte, dass die Herausforderungen nicht länger innerhalb von Staatsgrenzen bewältigt werden können. Dies gelte sowohl in Europa als auch in Afrika oder anderswo.

Von 2014 bis 2020 stehen insgesamt 845 Millionen Euro zur Verfügung. Konkrete Projekte werden zum Beispiel die Wahlbeobachtungsmissionen unterstützen, die die Afrikanische Union in ihren Mitgliedstaaten durchführt, oder die Steuerung der Migration und Mobilität innerhalb Afrikas und zwischen Afrika und der EU verbessern. Einige Initiativen werden den Bürgern unmittelbar zugutekommen, wie beispielsweise ein akademisches Austauschprogramm für Studierende oder die Harmonisierung der akademischen Lehrpläne in einer Reihe von afrikanischen Hochschulen, wodurch die Mobilität afrikanischer Studierender und Akademiker erleichtert wird.

Der Kontinent bietet allerdings nicht nur Chancen, sondern auch Risiken, wie zum Beispiel Korruption, Bürokratie und eine mangelnde Infrastruktur (mehr hier).

Kommentare

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  1. M.Krispin sagt:

    “ … Der Kontinent bietet allerdings nicht nur Chancen, sondern auch Risiken, wie zum Beispiel Korruption, Bürokratie und eine mangelnde Infrastruktur (mehr hier).“
    Ha Ha Ha, selten so gelacht. Da hat die EU doch wohl unangefochten Erfahrung von Weltrang!

  2. Uri sagt:

    Das kann man auch anders sehen.
    Nimmt man China statt der EU, dann haben die USA den Investitionswettlauf um Afrika längst verloren.
    Und nimmt man die Migration als Maßstab, dann ‚gewinnt‘ die EU locker gegen die USA, was die Anzahl des ‚Fachkräfte-Zustroms‘ aus Afrika anbelangt.

    Beim zweiten Vergleich kann ich eine gewisse Ironie jedoch nicht verhehlen. Inwieweit die Boatpeople aus Afrika, die Europa derzeit überschwemmen ein Mittel gegen den nicht vorhandenen Fachkräftemangel sind, kann jeder für sich selbst beantworten.
    Ich denke eher, sie sind gegenüber den USA eine Belastung für die Kommunen, die längst über einen Mangel an Wohnraum für diese Leute klagen.