Putin reagiert: Russland verbietet Agrarimporte aus westlichen Ländern

Russland hat im Handelskrieg mit der EU und den USA nun eine Antwort auf die Wirtschaftssanktionen des Westens: Präsident Wladimir Putin verbietet Agrarimporte aus westlichen Ländern für ein Jahr.

Als Reaktion auf die Sanktionen westlicher Staaten hat Russlands Präsident Wladimir Putin per Dekret festgelegt, dass die Einfuhr von Agrarprodukten aus diesen Ländern verboten oder beschränkt wird. Das teilte die Pressestelle des Präsidialamts am Mittwoch mit. Die Importverbote sollen zunächst ein Jahr gelten. Die Regierung sei beauftragt worden, Listen mit den betroffenen Gütern zu veröffentlichen.

Im Ukraine-Konflikt hat die ukrainische Armee indes Luftangriffe auf die Millionenstadt Donezk verübt. Bewohner der Stadt haben am Mittwoch berichtet, dass die ukrainische Luftwaffe bei ihren Angriffen Raketen abgefeuert habe. Die Regierungstruppen rückten hier im Osten der Ukraine nach eigenen Angaben weiter gegen Stellungen von Rebellen vor. Dabei seien bis Mittwochmorgen 18 ukrainische Soldaten getötet worden (mehr hier).

Hermes-Versicherungen sollen Ausfälle kompensieren

Das wohl bekannteste Mittel, mit dem die deutsche Regierung ihren Exporteuren unter die Arme greift, sind Exportkreditgarantien – die sogenannten Hermesdeckungen. Seit mehr als 60 Jahren bietet die Regierung deutschen Händlern damit Schutz gegen Zahlungsausfälle. „Politische Ursachen können neben der Devisenknappheit des Bestellerlandes zum Beispiel auch kriegerische Ereignisse, Unruhen oder Zahlungsverbote sein“, heißt es in den Grundzügen für diese Absicherung. „Hermesdeckungen begleiten Exporteure und Banken sicher.“ Sollte also Russland als Reaktion auf die westlichen Sanktionen Rechnungen aus Handelsgeschäften mit deutschen Firmen nicht mehr bezahlen, könnten diese darauf zurückgreifen.

Ob ein Exporteur die Garantie in Anspruch nehmen will oder das Risiko eines Geschäfts lieber alleine trägt, entscheidet er selbst. Denn billig ist die Versicherung nicht: Der Exporteur muss risikoadäquate Prämien zahlen, im Schadensfall werden ihm Selbstbehalte von bis zu 15 Prozent abverlangt. Auch eine Bearbeitungsgebühr wird fällig, die sich nach dem Auftragswert beziehungsweise dem Darlehensbetrag richtet.

Grundsätzlich steht diese Absicherungsmöglichkeit für Russland-Geschäfte auch in der aktuellen Krise zur Verfügung – sofern man nicht Waren exportiert, die auf der EU-Sanktionsliste stehen. Die Konditionen haben sich nach Angaben des Wirtschaftsministeriums in letzter Zeit nicht verändert. „Der Schutz ist auch nicht teurer geworden“, sagte ein Sprecher. Russland sei in Risiko-Kategorie 3 eingestuft. Die Skala reicht bis !Stufe 7 – schlechtestes Risiko“.

Schon vor der Ukraine-Krise waren die Russland-Exporteure gute Kunden für Hermesdeckungen. Im vergangenen Jahr nahm der Bund insgesamt knapp 28 Milliarden Euro an Exportrisiken weltweit neu in Deckung – zu mehr als 70 Prozent für kleine und mittlere Firmen, etwa aus dem Anlagen- und Maschinenbau.

Auf Russland entfiel davon 2013 eine Summe von 2,38 Milliarden Euro. Damit lag Russland nach der Türkei auf Rang zwei der Zielländer von deutschen Händlern, die ihre Ausfuhren gegen Ausfallrisiken versicherten. Ein Jahr zuvor war Russland mit über 3,2 Milliarden Euro Risikoabdeckungen sogar Tabellenführer. Garantiert wurden unter anderem die Lieferung von zwei Rettungsschiffen im Werte von knapp 150 Millionen Euro oder etwa die eines Walzwerkes für 116 Millionen Euro. Gegenwärtig hat der Bund eine Summe von knapp 88 Milliarden Euro in der Deckung. Für Russland liegt das Entschädigungsrisiko bei gut acht Milliarden Euro.

Das Geschäft mit den Exportversicherungen lohnt sich für den Bund. Im vergangenen Jahr konnte er ein Rekordergebnis von fast 581 Millionen Euro ausweisen, rund 200 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Die Einnahmen aus Entgelten und Gebühren sowie Rückflüssen aus früheren Schadensfällen warfen weit mehr ab als die anfallenden Entschädigungen von 232,5 Millionen Euro kosteten.

Das Geschäft der deutschen Exporteure mit Russland stottert seit geraumer Zeit. Schon im vergangenen Jahr sackten die deutschen Ausfuhren dorthin um fünf Prozent auf 36 Milliarden Euro ab. Unter dem Eindruck des Ukraine-Konflikts hat sich das Minus von Januar bis Mai auf inzwischen knapp 15 Prozent verdreifacht. Und das ist noch nicht das Ende: die EU-Wirtschaftssanktionen der vergangenen Woche dürften den Trend noch verstärken, und sie machen das Geschäft für die Russland-Händler aus Deutschland riskanter. In diesen Zeiten gewinnen Instrumente zur Risikominderung naturgemäß an Bedeutung.

 

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Kommentare

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  1. Peter G. sagt:

    Bisher besteht kein Zweifel an der Zahlungswilligkeit Russlands für erbrachte Leistungen. Wenn allerdings Lieferverträge einseitig gebrochen werden, muss auch von der anderen Seite mit Sanktionen gerechnet werden. Die Hermes-Bürgschaften greifen nur in diesen Fällen und auch nur, wenn es sich nicht um sanktionierte Güter handelt. Allerdings wird es bald nichts mehr geben, wofür der Staat bürgen könnte, denn Russland wird sich andere Lieferanten suchen, China und Indien und andere warten schon. Warum will niemand einsehen, dass ein Land ohne eigene Rohstoffe, das auf Exporte angewiesen ist, es sich nicht leisten kann, dass ein Handelspartner, der Rohstoffe liefert und Waren aller Art abnimmt, dauerhaft wegbricht. Hier stellt sich eindeutig die Frage nach dem Cui bono!

  2. ichweissnix sagt:

    hätte ich nicht gemacht. Fast der ganze Weizen kommt aus dem Westen.

  3. seher sagt:

    Es läuft alles nach Plan,die Internationalen wollen an die Rohstoffe Rußlands.Hoffentlich hat dieser Mann die Kraft,dieses Gesindel in die Schranken zu weisen.Auf Europa kann er sich dabei nicht verlassen,es scheint der Untergang des Abendlandes ist keine Utopie mehr .

  4. Steuerzahler sagt:

    …und wenn Putin das Gas abstellt……………

    Man kann es gar nicht fassen, wie arrogant und abgehoben diese EU-Politiker sind.
    Die glauben, sie hätten als einzige die Weisheit mit Löffeln gefressen, dabei sieht man doch an der Politik der letzten Jahre, dass gerade der Verstand bei diesen Politikern nicht vorhanden ist. Oder sollten die bösen „Verschwörungstheoretiker“ recht haben, dass alles von den USA initiiert ist?

    Bezahlen soll dann mal wieder der Steuerzahler!

    Wir brauchen mehr Selbstverantwortung und viel weniger Staat! Wir brauchen echtes, werthaltiges Geld! Was wir nicht brauchen ist eine selbstverliebte Machtclique, welche meint, einzig und allein über ganze Völker bestimmen zu können und dabei noch hervorragend auf Steuerzahlers Kosten lebt!

    • german boy sagt:

      Klingt irgendwie gleich vor 100 Jahren, Idioten am Steuer, Rechnung wird von der kleine bezahlt

    • Margrit Steer sagt:

      Das Schlimme dabei ist aber, dass diese kriminellen Typen da in Brüssel meinen, sie seien die EU. Sie alleine hätte zu bestimmen
      Das Volk wird gar nicht gefragt.
      Wir, das Volk dürfen aber die Suppe auslöffeln die uns diese Typen einbrocken