Deutsche Firmen steigern Produktion kaum noch

Im Juni hat sich die Produktion nach dem Einbruch aus dem Vormonat kaum erholt. Das Wachstum beträgt 0,3 Prozent. Die deutsche Wirtschaft dürfte im zweiten Quartal insgesamt schrumpfen. Neben geopolitischen Risiken ist die schwache Nachfrage aus der Euro-Zone der Hauptgrund für die schwache Konjunktur.

Die deutschen Firmen haben ihre Produktion im Juni kaum gesteigert. Industrie, Baubranche und Energie-Erzeuger fuhren ihre Auslieferungen insgesamt um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat nach oben, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag in Berlin mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Plus von 1,3 Prozent gerechnet, nach einem Minus von 1,7 Prozent im Mai. Das zweite Quartal sei wie erwartet schwächer gelaufen als das erste Quartal, das vor allem am Bau vom milden Winter profitiert habe, erklärte das Ministerium. „Dämpfend dürften sich darüber hinaus die geopolitischen Ereignisse ausgewirkt haben.“

Im Juni waren die Industrieaufträge überraschend um 3,2 Prozent gesunken und damit so stark wie seit September 2011 nicht mehr. Als Gründe nannte das Ministerium neben geopolitischen Risiken eine geringe Anzahl von Großaufträgen und eine sinkende Nachfrage aus der Euro-Zone. Die Industrie meldete am Mittwoch den stärksten Auftragsrückgang seit vier Jahren (mehr hier).

Thilo Heidrich von der Volksbank schätzt die Situation so ein:

„Im Mai hatten wir einen deutlichen Rückgang und nun nur ein leichtes Plus. Es hätte allerdings auch schlimmer kommen können. Enttäuschend fand ich, dass die Investitionsgüterfertigung zum vierten Mal in Folge zurückging. Insgesamt folgt die Entwicklung der Produktion den Stimmungsindikatoren wie dem Ifo-Index. Zudem war das erste Quartal wegen des milden Winters außergewöhnlich stark. Es erhärtet sich der Verdacht, dass das zweite Quartal recht schwach war – nach dem starken Jahresauftakt. Die Wirtschaft dürfte stagniert haben, ein leichtes Schrumpfen ist nicht auszuschließen.“

Christian Schulz von der Behrenberg Bank, ergänzt:

„Das ist weniger als erwartet, wir hatten eigentlich mit einer Erholung gerechnet. Es ist auch zu wenig, um das 2. Quartal bei der Produktion zu einem Wachstumsquartal zu machen. Der Putin-Faktor spielt wegen der Ukraine-Krise eine Rolle. Einige Exportfirmen sind vorsichtiger geworden und haben weniger bestellt, so dass weniger produziert wurde. […] Nach den heutigen Daten ist das Risiko groß, dass das Bruttoinlandsprodukt leicht gesunken ist. Dann müssten wir uns auch noch einmal unsere Prognose für das Gesamtjahr 2014 anschauen.

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Kommentare

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  1. Handwerker sagt:

    Es ist schon fraglich, warum wir immer noch 40 Stunden in der Woche arbeiten -trotz des technischen Fortschritts in den letzten Jahrzehnten. Und für viele Familien sind 2 Verdiener ein muss.
    Warum haben wir trotz der ganzen Produktionssteigerung immer weniger Freizeit?
    Irgendwas stimmt da wohl nicht …

  2. PeppermintPatty sagt:

    Hört auf rumzujaulen ! Irgendwann zeigen die Sanktionen gegen Rußland nun mal Wirkung

  3. SoWieSo sagt:

    Das ewige gejammere, „wir brauchen Facharbeiter“, hat sich damit wohl erledigt. Ohnehin werden durch den technologischen Fortschritt immer weniger Menschen in der Arbeitswelt gebraucht.