Swiss Re klagt über Preisdruck im Versicherungsgeschäft

Die traditionellen Rückversicherer bekommen zunehmend Konkurrenz durch branchenfremde Anbieter von Versicherungen. Swiss Re beklagt den Preisdruck und stoppt neue Vertragsabschlüsse in den USA. Aus Sicht der Münchener Rück sind es jedoch die Teilnehmer der eigenen Industrie, die ihre „aggressiven“ Ziele mit „Kampfkonditionen“ durchsetzen wollen.

Der harte Preiskampf bei Versicherungen gegen Naturkatastrophen setzt den führenden Rückversicherern zu. Swiss Re und Hannover Rück halten sich deswegen mit neuen Vertragsabschlüssen in Amerika zurück. „Zurzeit beobachten wir einen generellen Preisdruck im Versicherungsmarkt“, sagte Swiss-Re-Chef Michael Lies am Mittwoch bei der Veröffentlichung der Quartalsbilanz des weltweit zweitgrößten Rückversicherers. Das drückt auf die Gewinnmargen und der Konzern aus Zürich übernahm bei den Vertragserneuerungen im Juli weniger Risiken für Katastrophenschäden.

Auch der Rivale aus Hannover, die Nummer drei der Branche, fuhr dieses Geschäft um 13 Prozent zurück. Die Anleger reagierten verschnupft, die Aktien von Swiss Re und Hannover Re verloren jeweils mehr als drei Prozent.

Die etablierten Rückversicherer sehen sich wachsender Konkurrenz durch branchenfremde Anbieter ausgesetzt. Angesichts der niedrigen Zinsen haben Hedgefonds, Pensionskassen und andere Großanleger auf der Suche nach Rendite das Geschäft mit Katastrophenversicherungen für sich entdeckt. Über Fonds oder Katastrophen-Anleihen stellen sie Milliarden bereit, die zur Deckung von Schäden durch Wirbelstürme, Überschwemmungen oder Erdbeben verwendet werden können. Weil zu viel Kapital verfügbar ist, gehen die Preise für diese Policen stark zurück.

Aus Sicht von Münchener-Rück-Vorstand Torsten Jeworrek sind die branchenfremden Konkurrenten aber nicht der Hauptgrund für den Preiskampf in der Branche. „Sie sind im Markt, aber sie sind nicht diejenigen, die den Markt nach unten treiben durch bewusste Preisreduktionen“, sagte Jeworrek. „Unsere eigene Industrie, die traditionellen Rückversicherer, versuchen die Preise zu unterbieten, aus schierer Angst, Anteile zu verlieren.“

In Nordamerika seien die Preise zur Deckung von Naturkatastrophenschäden um 15 bis 20 Prozent gesunken, sagte Swiss Re-Finanzchef David Cole. Auch in anderen Bereichen gab es Preisrückgänge, allerdings weniger stark. Der Konzern aus Zürich stuft das Preisniveau aber noch immer als attraktiv ein. Anders beurteilt das etwa der Starinvestors Warren Buffett. Seine Rückversicherungsgesellschaft hat sich wegen der Billig-Konkurrenz im März aus dem Geschäft mit Naturkatastrophen-Deckung in den USA zurückgezogen. Buffetts Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway ist Eigentümer von General Re, einem der größten Rückversicherer der Welt.

Im zweiten Quartal profitierten sowohl Swiss Re als auch Hannover Rück davon, dass teure Großschäden ausblieben. Bei beiden Konzernen blieben die Schadenzahlungen unter den veranschlagten Werten. Der Nettogewinn der Schweizer stieg gegenüber dem Vorjahr trotzdem nur um zwei Prozent auf 802 Millionen Dollar. Der Gewinn der Hannover Rück stieg unter dem Strich um zehn Prozent auf 212 Millionen Euro. Analysten hatten allerdings bei beiden mehr erwartet. Beide Gesellschaften sehen sich auf Kurs zu ihren Finanzzielen.

Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück schlägt angesichts des harten Preiskampfes in seiner Branche Alarm. „Ich bin enttäuscht, verärgert, teilweise sogar entsetzt, wenn ich sehe, was an den Märkten passiert“, sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard am Donnerstag in München. Einige Konkurrenten hätten sich am stagnierenden Rückversicherungsmarkt aggressive Wachstumsziele gesetzt und wollten diese mit Hilfe von Kampfkonditionen erreichen. „Ich bin lange genug im Geschäft, um sagen zu können: Das ist eine ungute Entwicklung“, sagte der 58-Jährige, der seit 2004 an der Spitze der Münchener Rück steht.

Das Unternehmen hat um die Jahrtausendwende selbst eine tiefe Krise durchlaufen, weil es zu hohe Risiken eingegangen war. Laut von Bomhard hat der Konzern daraus seine Lehren gezogen und macht Geschäfte nicht mehr um jeden Preis. Bei der jüngsten Erneuerung von Rückversicherungsverträgen zum 1. Juli ging das Prämienvolumen bei den Münchnern um gut sieben Prozent zurück, darin enthalten ist ein Preisrückgang von 3,6 Prozentpunkten. „Wir verzichten auf Umsatz in den von scharfem Wettbewerb bei Preisen und Bedingungen über Gebühr betroffenen Sparten und Regionen“, sagte der Vorstandschef.

Dank merklich geringerer Schadenzahlungen hat der Versicherer Zurich Insurance Group im zweiten Quartal mehr verdient. Unter dem Strich stand mit 837 Millionen Dollar sechs Prozent mehr Gewinn als vor einem Jahr, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Analysten hatten allerdings mehr deutlich erwartet – im Schnitt 953 Millionen Dollar.

Mit einer Eigenkapitalverzinsung von 10,8 Prozent gemessen am Betriebsgewinn verfehlte Zurich auch die angepeilten Spanne von zwölf bis 14 Prozent. Im ersten Halbjahr betrug sie 12,5 Prozent.

Zurich sieht sich auf Kurs zu den angepeilten Zielen. „Wir befinden uns zwar noch in der Anfangsphase unseres Dreijahresplans, sind aber auf dem richtigen Weg in Bezug auf unsere Ziele für 2014 bis 2016″, erklärte Konzernchef Martin Senn. Die Straffung der Organisationsstruktur mit der Streichung von rund 670 Stellen weltweit sei größtenteils abgeschlossen.

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