Schwellenländer bescheren Nestlé mehr Absatz

Nestlé kann seine Produkte schneller absetzen als die Konkurrenten Unilever oder Danone. In den Schwellenländern läuft es gut. Auch in Russland und der Ukraine konnte Nestlé zulegen. Doch aufgrund von Wechselkursverlusten ging der Umsatz um knapp fünf Prozent zurück. Dennoch will der Nahrungsmittelhersteller Aktien im Wert von acht Milliarden Franken zurückkaufen.

Nestle hat die Konkurrenz im ersten Halbjahr hinter sich gelassen. Getrieben von guten Geschäften in den Schwellenländern steigerte der Schweizer Nahrungsmittelkonzern seinen Absatz und trotzte politischen Krisen und Preisdruck in vielen Ländern. Das starke Wachstum in kleineren Schwellenländern wie den Philippinen, Pakistan, Afrika werde aufgewogen durch die Schwierigkeiten in China, sagte Finanzchefin Wan Ling Martello am Donnerstag. Damit liegt das von Analysten bis vor kurzem noch als ehrgeizig eingestufte Wachstumsziel wieder in Reichweite. Zudem erfreute der Konzern mit weltbekannte Marken wie Nespresso-Kaffee, Kitkat-Schokoriegel und Maggi-Suppen die Anleger mit einem milliardenschweren Aktienrückkaufprogramm.

Die Schweizer sind einer der wenigen Konsumgüterkonzerne, die im ersten Halbjahr nicht enttäuscht und eine Gewinnwarnung für das Gesamtjahr abgegeben hätten. Entsprechend griffen die Anleger bei den Aktien zu. Die Titel verteuerten sich um drei Prozent auf 69,10 Franken. Auch das geplante Aktienrückkaufprogramm lockte Investoren an. Bis Ende 2015 will Nestle eigene Titel im Wert von acht Milliarden Franken erwerben. Finanziert werden soll dies unter anderem mit Erlösen aus dem Verkauf einer Beteiligung am französischen Kosmetikkonzern L`Oreal im Februar.

Nestle steigerte in den ersten sechs Monaten das organische Umsatzwachstum um 4,7 Prozent. In der Vorjahresperiode hatten die um Währungseinflüsse und Zukäufe bereinigten Umsätze lediglich um 4,1 Prozent zugelegt. Auch im Vergleich zu den Konkurrenten schnitt der Weltmarktführer aus Vevey am Genfersee besser ab. Die britisch-niederländische Unilever kam auf ein organisches Wachstum von 3,7 Prozent, die französische Danone auf 2,2 Prozent und Mondelez aus den USA auf zwei Prozent.

Den Umsatzrückgang um 4,8 Prozent auf 43 Milliarden Franken führte Nestle vor allem auf den Kursverfall von Schwellenländer-Währungen und dem Dollar zurück. Die Wechselkurse drückten zusammen mit den gestiegenen Einkaufskosten für wichtige Rohstoffe wie Kakao, Kaffee oder Milch auch auf den Gewinn. Unter dem Strich stand ein Überschuss von 4,6 Milliarden Franken, fast zehn Prozent weniger als vor Jahresfrist.

Doch operativ trotzte Nestle vielen Widrigkeiten. Im krisengeplagten Europa sind die Konsumenten nicht mehr bereit, gleich viel für Waren auf den Tisch zu legen, sodass die Preise fallen. Hinzu kommt der Ukraine-Konflikt. Doch sowohl in der Ukraine selbst als auch in dem von Wirtschaftssanktionen betroffenen Russland konnte Nestle zulegen. So schaffte der Konzern in den Industrieländern noch ein Plus von 0,6 Prozent. In den Schwellenländern, die inzwischen 44 Prozent des Konzernumsatzes ausmachen, wuchs der organische Umsatz um 9,7 Prozent. Über das ganze Jahr peilt Nestle konzernweit damit ein organisches Wachstum von „um fünf Prozent“ an.

Im Vorjahr verpassten die Schweizer erstmals seit 2009 das Wachstumsziel von fünf Prozent. Auf die Wachstumsdelle reagierte Konzernchef Paul Bulcke mit einer Schlankheitskur. Seitdem hat Nestle den größten Teil der Diätsparte Jenny Craig verkauft und sich von der Sportnahrungsmarke Power Bar und den Juicy Juice-Fruchtsäften getrennt.

Im Gegenzug baut Bulcke das Geschäft mit Gesundheitsprodukten aus. Vom kanadischen Pharmaunternehmen Valeant kauften die Schweizer kürzlich die Nordamerika-Vermarktungsrechte für medizinische Hautpflegeprodukte. Im Februar hatte Nestle zudem die bis dahin gemeinsam mi L’Oreal betriebene Hautpflegefirma Galderma übernommen.

Kommentare

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  1. bommels_k2 sagt:

    Btw.: Das es sich bei dem Titelbild um das „Schwellenland“ Japan handelt, ist klar, ja?