Chinas Kartellwächter bestrafen BMW, Audi und Mercedes

Deutsche Autohersteller nutzen ihre marktbeherrschende Stellung in China aus, um die Preise für Fahrzeugteile und Autos in die Höhe zu treiben. So lautet der Vorwurf der chinesischen Kartellbehörden. Nach Audi und Mercedes will jetzt auch BMW die Preise senken, um Geldstrafen zu entgehen.

Nach Audi und Mercedes will nun auch BMW unter dem Druck der Kartellwächter in China die Preise für Auto-Ersatzteile senken. Der Münchner Oberklasse-Hersteller wird nach eigenen Angaben bald weitere rund 2.000 Komponenten um 20 Prozent günstiger anbieten. Dies sei eine aktive Reaktion auf die Bedenken der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC). BMW hatte in China dieses Jahr bereits die Preise für 3.300 Ersatzteile um durchschnittlich 15 Prozent gesenkt. Die Behörde hatte ausländischen Fahrzeugbauern vorgeworfen, zu hohe Preise für Ersatzteile, Wartungsdienste und zum Teil auch für die Autos selbst zu verlangen.

Hersteller wie Audi, Mercedes oder Jaguar Land Rover beeilten sich in den vergangenen Wochen mit Preissenkungen, teils in mehreren Runden – in der Hoffnung, die Kartellbehörden milde zu stimmen. Ob das reicht, um Geldstrafen zu vermeiden, ist offen. Bei Daimler erschienen kürzlich die Kartellwächter zur Razzia in der Mercedes-Benz-Vertretung in Shanghai.

Vor wenigen Tagen weitete China die Strafaktion gegen ausländische Unternehmen aus und kündigte an, dass die VW-Tochter Audi und der US-Hersteller Chrysler für Verstöße gegen das Kartellrecht mit Geldstrafen büßen sollen. Bis zu zehn Prozent dessen, was die Konzerne im Jahr in China einnehmen, könnten laut Gesetz fällig werden. Im Visier hat die Kartellbehörde auch Daimler, ein Dutzend japanische Hersteller von Ersatzteilen und amerikanische IT-Konzerne. Importfahrzeuge sind in China deutlich teurer als etwa in den USA; die Autobauer argumentieren, das liege an Zöllen und anderen Abgaben.

Für die Pkw-Branche ist die Volksrepublik seit Jahren ein Absatzparadies: Die Verkaufszahlen im größten Pkw-Markt der Welt steigen trotz etwas langsameren Wachstums kräftig. Die zahlungskräftige chinesische Kundschaft legt Wert auf teure Marken und Modelle, gern mit großen Motoren und extravagantem Innenleben. Das lässt die Kassen der Autobauer klingeln. Hersteller wie Mercedes, BMW und Audi profitieren besonders, weil das Premiumsegment noch schneller wächst und die Marken aus Deutschland ein gutes Image genießen.

Rund 70 Prozent des Oberklassemarktes entfallen auf die deutschen Autobauer. Unangefochtener Platzhirsch ist Audi: Die Ingolstädter sind schon seit mehr als 20 Jahren in China aktiv, und durften in der Vergangenheit lange Behördenfahrzeuge liefern. Audi und auch BMW verkaufen in keinem anderen Land so viele Autos wie dort. Seit der europäischer Automarkt in der Krise ist, hat die Abhängigkeit von China stark zugenommen (mehr hier).

China geht auf Grundlage eines Gesetzes von 2008 nicht nur gegen Autoproduzenten, sondern auch gegen Unternehmen aus anderen Industriezweigen schärfer vor. Der Vorwurf lautet oft, eine marktbeherrschende Stellung werde missbraucht. Insgesamt 80 Branchen sollen in dem kommunistischen Land auf monopolistische Praktiken hin durchleuchtet werden. In den vergangenen Jahren erzwangen die chinesischen Behörden bereits Preissenkungen von Medikamenten, Milchpulver oder Schmuck. Kartelluntersuchungen in der Nahrungsmittelindustrie.
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