Niedrigzins-Politik der EZB: Deutscher Staat spart 120 Milliarden Euro

Der deutsche Staat hat aufgrund des Zinsverfalls seit dem Jahr 2007 insgesamt 120 Milliarden Euro eingespart. Doch die Leidtragenden der Niedrig-Zinspolitik der Europäischen Zentralbank sind die deutschen Sparer. Sparvermögen der Bürger und damit auch deren Altersvorsorge schrumpft.

Der deutsche Staat hat durch den Zinsverfall seit Beginn der Finanzkrise einem Zeitungsbericht zufolge rund 120 Milliarden Euro eingespart. Allein im Jahr 2013 hätten die öffentlichen Haushalte durch den Zinsrückgang seit 2007 fast 37 Milliarden Euro weniger ausgeben müssen, berichtete die „Welt am Sonntag“. unter Berufung auf Berechnungen der Bundesbank. 2007 und damit vor der Finanzkrise lag die durchschnittliche Verzinsung deutscher Staatsanleihen danach bei 4,3 Prozent. 2013 seien es nach Bundesbank-Angaben noch 2,6 Prozent gewesen.

Die Zinsentwicklung ist neben der Rekordbeschäftigung und den hohen Steuereinnahmen ein wesentlicher Grund für die Rückführung der Haushaltsdefizite in Deutschland. Im kommenden Jahr will der Bund erstmals seit 1969 keine neuen Schulden mehr aufnehmen. „Bund, Länder und Kommunen konsolidieren ihre Haushalte derzeit vor allem aufgrund der niedrigen Zinsausgaben und der günstigen Einnahmeentwicklung“, sagte der Wirtschaftsweise Lars Feld der Zeitung.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank verteidigt, die Notenbank aber auch aufgefordert, die Zinsen nur so lange extrem niedrig zu lassen, wie dies nötig sei. Zum einen schrumpfen durch die niedrigen Zinsen die Sparvermögen der Bürger und damit auch deren Altersvorsorge. Zum anderen haben Schäuble und andere Finanzpolitiker vor Verwerfungen in der Weltwirtschaft infolge zu hoher Liquidität aufgrund der niedrigen Zinsen gewarnt.

Kommentare

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  1. CIVIS sagt:

    „Der deutsche Staat hat durch den Zinsverfall seit Beginn der Finanzkrise rund 120 Milliarden Euro eingespart.“

    Ein Armutszeugnis, aber keine lobenswerte Leistung des Finanzministers und der Europolitiker. Schuldenabbau zu Lasten Dritter, der bis heute keiner ist! Für wie dumm will man denn die Sparer und Steuerzahler noch verkaufen?!

    Ja, wer für sich vorsorgt, für das Alter oder die Ausbildung der Kinder, wird früher oder später enteignet. Die Partei von Herrn Schäuble hat im Wahlkampf damit geworben, dass der Euro mit seinen Kriterien Schulden im Übermaß verhindert.
    Gebrochen hat man die Kriterien selbst. Griechenland durfte sich mit dem Euro verschulden bis zum rechtswidrigen Schuldenschnitt. Enteignet hat man entgegen der Versicherung der Bundeskanzlerin ungefragt die völlig unbeteiligten Kleinanleger. Reiche Griechen zahlen bis heute keine angemessenen Steuern. Milliarden aus unversteuerten und fragwürdigen Quellen wurden und werden weiter auch hierzulande gewaschen.

    Was dann den Euro-Staatshaushalten fehlt dürften Sparer und Steuerzahler wieder ausgleichen. Das Euroland verliert zunehmend seine Rechtsstaatlichkeit.

    Was wurde mit dem Euro versprochen, was gebrochen?! Wo bleibt die Staatshaftung, wo die überfällige Korrektur. Weiter so geht nicht!

    … und es gab schon weit geringere Anlässe für einen Rücktritt.

  2. Dagmar sagt:

    Da frage ich mich doch, warum Schäuble stolz wie Oskar auf seine vermeintlich „schwarze Null“ in nächsten Jahr ist. Wo sind die 120 Milliarden geblieben? Warum wurden damit keine Schulden getilgt? Oder zumindest mal etwas in unsere Straßen gesteckt? Nein, das Geld ist wieder im Orkus verschwunden… vielleicht findet man da ja auch die Hundertausend DM.