Ukraine leitet russisches Gas weiter nach Europa durch

Trotz möglicher Sanktionen gegen Russland leitet die ukrainische Regierung weiterhin Gas des russischen Anbieters Gazprom in den Westen. Gazprom deckt 30 Prozent des ukrainischen Bedarfs an Erdgas. Gegen 65 russische Firmen könnten hingegen boykottiert werden. Indes geht der Kampf um Donezk in die entscheidende Phase.

Der ukrainische Netzbetreiber Naftogaz will ungeachtet möglicher Sanktionen seiner Regierung gegen Russland weiter Gas nach Europa durchleiten. „Naftogaz bekräftigt seine Bereitschaft, den reibungslosen Transport von Erdgas zu den europäischen Verbrauchern fortzuführen“, sagte Firmenchef Andrej Kobolew am Montag. Einziges Unternehmen, das russisches Gas durch die Ukraine nach Europa liefert, ist Gazprom, das etwa 30 Prozent des dortigen Bedarfs deckt.

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk hatte vergangene Woche angekündigt, dass das Parlament über Sanktionen gegen Russland beraten werde. Auch gegen 65 russische Firmen könnten Maßnahmen ergriffen werden. Dazu könnte ein teilweises oder vollständiges Transitverbot für Güter aus Russland gehören. Auf die Frage, ob das auch die Durchleitung von russischem Erdgas betreffe, hatte der Ministerpräsident gesagt, das gelte für alle Transitgüter. Nach diesen Äußerungen waren die Preise am Londoner Erdgasmarkt deutlich angestiegen.

Gazprom hatte der Ukraine im Juni den Gashahn zugedreht und die Begleichung offener Rechnungen gefordert. Wegen der Kämpfe zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten im Osten des Landes sind die Beziehungen zwischen den Regierungen in Kiew und Moskau sehr angespannt.

Ukrainische Armee will Donezk erobern

In ihrer Offensive gegen die prorussischen Separatisten steht die ukrainische Armee nach eigener Darstellung vor einem wichtigen Erfolg. Die Regierungstruppen bereiteten sich auf die letzte Phase zur Einnahme der Rebellenhochburg Donezk vor, sagte Militärsprecher Andrii Lysenko am Montag in Kiew. Die Industrie-Metropole in der Ostukraine mit einst 900.000 Einwohnern sei von der zweiten Rebellenhochburg Luhansk an der Grenze zu Russland abgeschnitten. In Donezk wurden Lebensmittel und Wasser immer knapper. Wer sich von den Einwohnern nicht aufs Land geflüchtet hat, geht kaum auf die Straße. Banken blieben geschlossen. Renten und Sozialhilfe werden zurzeit nicht ausgezahlt.

Die von ukrainischen Regierungstruppen in der Industriemetropole Donezk eingeschlossenen prorussischen Separatisten haben eine Gegenoffensive in den kommenden zwei bis drei Tagen angekündigt. Nähere Details nannte der Anführer der sogenannten Volksrepublik Donezk, Alexander Sachartschenko, am Montag vor Journalisten nicht. Der gebürtige Ostukrainer hatte in der vergangenen Woche den Russen Alexander Borodai an der Spitze der Rebellenbewegung abgelöst.

Die Bundesregierung äußerte sich besorgt über die sich verschlechternde Lage für die Menschen in den beiden umkämpften Städten. Russland hat angeboten, Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete zu schicken. Die ukrainische Führung hatte daraufhin mehrfach die Befürchtung geäußert, Russland könnte unter dem Deckmantel eines Hilfskonvois seine Soldaten in die Ostukraine einmarschieren lassen. Am Montag sagte Russland zu, es werde humanitäre Hilfe nur mit Zustimmung aller beteiligten Parteien schicken. Dennoch erklärte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, er stufe die Wahrscheinlichkeit einer russischen Invasion als hoch ein.

 

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Delta120 sagt:

    Den Russen den Gashahn nach Europa über die Ukraine zuzudrehen hätte auch eine leichte Trachtprügel der EU nach sich gezogen. Schlimmer als das ist eigentlich, dass es keinen Versuch einer Einigung mit Russland zu geben scheint, womit dieser wohl als Kunde für Europa praktisch ausfällt.