Ukraine-Krise wirkt sich hemmend auf die Entwicklung der Löhne aus

Die sinkenden Konjunkturerwartungen infolge der Ukraine-Krise werden sich auch auf die nächsten Tarifverhandlungen auswirken. Arbeitgeberpräsident Kramer erweist der Einmischung durch EZB und Bundesbank eine Absage und wirft der Bundesregierung vor, nicht genug für die Wirtschaft zu tun.

Die deutschen Arbeitgeber sehen Anzeichen für eine konjunkturelle Eintrübung. Diese dürften die anstehenden Tarifverhandlungen in einigen Branchen erschweren. „Ich glaube, dass das Wachstum in diesem Jahr noch bei um die zwei Prozent bleiben wird“, sagte Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer am Dienstag in Berlin. Es gebe aber „graue Wolken am Horizont“ – vor allem in Form rückläufiger Auftragseingänge. Das könnte das Wachstum 2015 und 2016 dämpfen. „Wir stehen nicht in der Gefahr einer Rezession“, schränkte er jedoch ein. Auch eine Deflation sehe er nicht.

Die Tarifabschlüsse des ersten Halbjahres lagen nach Angaben des Verbands zwischen 1,2 und 3,1 Prozent. Das bedeute wegen der Mini-Inflation real Einkommenszuwächse für die Beschäftigten. Allerdings würden die im zweiten Halbjahr anstehenden Tarifverhandlungen, wie etwa in der Papierindustrie und der Textilbranche, schwierig. „Die Abschwächung und Unsicherheit wird sich auch in der Tarifpolitik der kommenden Jahre niederschlagen.“ Kramer sprach sich für produktivitätsorientierte und flexible Lösungen je nach Umfeld der Branchen aus.

Dass sich zuletzt auch die Bundesbank und die Europäische Zentralbank (EZB) zur Lohnpolitik geäußert haben, nannte der Arbeitgeber-Präsident „überflüssig und nicht hilfreich“. Kramer wies Interpretationen von Äußerungen aus der EZB zurück, nach denen die deutschen Löhne stärker steigen sollten. Das würde die Wettbewerbsfähigkeit hierzulande verschlechtern, was auch der EU-Wirtschaft insgesamt schadete.

Der Bundesregierung warf Kramer vor, im ersten Halbjahr mehr für das Verteilen von sozialen Wohltaten getan zu haben, als zur Stärkung der deutschen Wirtschaft. Das sollte sie nun ändern, forderte er. Ansatzpunkte dafür wären Investitionen im Bereich Infrastruktur, Bildung und Wissenschaft.

Ukraine-Krise senkt Konjunkturerwartungen

Das Barometer für die ZEW-Konjunkturerwartungen sank überraschend deutlich um 18,5 auf 8,6 Punkte und damit so kräftig wie seit rund zwei Jahren nicht mehr. Das gab das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage unter Investoren und Analysten bekannt. Das ist der tiefste Stand seit Dezember 2012. Börsenprofis bewerten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft im August den achten Monat in Folge skeptischer. Das ZEW begründete die Entwicklung damit, dass „die anhaltenden geopolitischen Spannungen mittlerweile spürbare Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft zeigen“.

Da auch die Konjunktur im Euro-Raum nicht richtig in Fahrt komme, sei zu befürchten, dass das „Wirtschaftswachstum in Deutschland 2014 weniger stark ausfallen wird als bislang erwartet“. Die Konjunktur dürfte nach Ansicht des Bundeswirtschaftsministeriums im abgelaufenen Quartal an Schwung verloren haben. „Insbesondere der Russland/Ukraine-Konflikt, aber auch die Entwicklungen im Nahen Osten führten zu einer zunehmenden Verunsicherung der Marktteilnehmer und damit auch zur Zurückhaltung bei unternehmerischen Entscheidungen.“

Ökonomen gehen davon aus, dass die Wirtschaftskraft zwischen April und Juni nur stagniert haben dürfte. Eine erste Schätzung veröffentlicht das Statistische Bundesamt am Donnerstag. Zu Jahresbeginn war Europas größte Volkswirtschaft noch um 0,8 Prozent gewachsen, wozu auch der milde Winter beitrug.

„Die konjunkturelle Aufbruchstimmung ist dahin. Stattdessen macht sich Konjunkturskepsis breit – vor allem wegen der geopolitischen Lage. Die überzogenen Wachstumserwartungen werden nun angepasst“, sagte Alexander Krüger vom Bankenhaus Lampe. „Aber alles, was vorher gut war, ist nun nicht auf einmal schlecht. Einen Konjunktureinbruch müssen wir nicht fürchten, aber Abstriche beim Wachstum hinnehmen.“

 

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Kommentare

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  1. G.N. sagt:

    Dies Meldung kommt ja wieder passend für unser Wirtschaftsmanager! Können sie doch beruhigt weiter daran arbeiten das moderne „Sklaventum“ weiter in Deutschland zu betreiben.

  2. PeppermintPatty sagt:

    „Die Abschwächung und Unsicherheit wird sich auch in der Tarifpolitik der kommenden Jahre niederschlagen.”
    Da brauchen wir uns in den nächsten Jahren keine Hoffnung auf Besserung machen und können noch etwas mehr arbeiten. Als Nebeneffekt werden immer mehr Menschen in die Armut abrutschen. Da Diese dann mit dem täglichen Überlebenskampf beschäftigt sind, kriegen sie nicht mit was die “ Elite “ sonst noch so veranstaltet. Wie praktisch

  3. popper sagt:

    Was die Konjunktur eintrübt ist die auch von Herrn Kramer besungene Austerität und nicht der Ukrainekonflikt. Und außerdem bringen höhere Löhne mehr Kaufkraft auf dem Binnenmarkt. Die Argumentation von Herrn Kramer ist abwegig.

  4. Herbert sagt:

    So, jetzt ist es gleich soweit. In erster Lesung hat das ukrainische Parlament neue Sanktionen gegen Russland beschlossen. Die endgültige Entscheidung soll um 16:00 kiever Zeit getroffen werden.
    Was geht uns das an ? Sehr viel, denn die Sanktionen betreffen auch den Transport russischen Erdgases durch die Ukraine nach Westeuropa. Northstream und die Erdgasleitung über Weissrussland haben nicht genug Kapazität und Norwegen kann seine Kapazitäten auf die Schnelle nicht genügend erweitern.

    http://www.ukrinform.ua/eng/news/sanctions_against_russia_adopted_at_first_reading_325217

    http://rt.com/op-edge/179388-ukraine-gas-transit-south-stream/

  5. GSG9 sagt:

    Das wir so einen Arbeitgeberpräsidenten haben ist schon Schande genug. Sein Vorgänger war ähnlich. Das sind alles Typen, welche in ihren Firmen auf Leiharbeiter und Werksverträge bauen. Sie schaden der gesamten fleißig arbeitenden Bevölkerung. Durch sie entstehen niedrige Renten und Altersarmut. Aber immer eine grosse Fresse und so tun als wenn alles nicht wahr wäre.

  6. SoWieSo sagt:

    Damit Herr Kramer einen wirklichen Grund zum jammern hat, sollte man die Rente mit 58 ohne Abschläge fordern und die Auszahlungssumme auf 80% vom letzten Nettolohn festsetzen…