E.ON und RWE machen Energiewende zu schaffen

RWE muss weitere Kraftwerke stilllegen. Dabei geht es um 1.000 Megawatt, die vom Netz genommen werden. E.ON bereitet den Verkauf des Spanien-Geschäftes vor. Die stark fallenden Großhandelspreise für Strom machen den Energiekonzernen zu schaffen. E.ON ist zusätzlich hoch verschuldet.

Der Energiekonzern RWE will wegen der stark gefallenen Strom-Großhandelspreise weitere Kraftwerke vom Netz nehmen. Es gehe dabei um Anlagen mit einer Leistung von rund 1.000 Megawatt, sagte ein Sprecher des Konzerns am Dienstag. Entscheidend seien rein kommerzielle Gründe. Das Braunkohlekraftwerk Goldenberg in Hürth mit 110 Megawatt Leistung solle 2015 vom Netz genommen werden und der Block C des Steinkohlekraftwerks Hamm in Westfalen mit 285 Megawatt Anfang 2016. Sollte sich die Marktlage nicht ändern, werde Anfang 2017 das Steinkohlekraftwerk Gersteinwerk in Werne mit 610 Megawatt folgen. RWE hat bereits insgesamt Anlagen mit einer Leistung von über 12.000 Megawatt stillgelegt oder eingemottet.

„Wir nehmen weiterhin jeden einzelnen Block kritisch unter die Lupe“, sagt der Chef der RWE-Kraftwerkstochter, Matthias Hartung. RWE könne nicht dauerhaft Kraftwerke weiter betreiben, die rote Zahlen schrieben. Zusätzliche Belastungen seien nicht verkraftbar. „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.“

Den Essenern machen wie dem Konkurrenten E.ON und zahlreichen Stadtwerken die gefallenen Strom-Großhandelspreise zu schaffen. Diese purzeln wegen der Überkapazitäten in Europa und der zunehmenden Konkurrenz durch den staatlich geförderten Ökostrom. RWE hatte im vergangenen Geschäftsjahr Milliardenabschreibungen auf seine Kraftwerke vorgenommen.

Stilllegungen müssen die Konzerne bei der Bundesnetzagentur anmelden. Die Behörde prüft dann, ob die Anlagen für die Energieversorgung unverzichtbar sind. Sie hatte in einem solchen Fall bereits im Januar dem Versorger EnBW das Abschalten unrentabler Gas- und Kohlekraftwerke untersagt.

E.ON bereitet Abschied aus Spanien vor

Der Energiekonzern E.ON treibt Insidern zufolge den Verkauf seines Spanien-Geschäfts voran. Bis Montag müssten die Interessenten ihre nicht bindenden Offerten für die kompletten Aktivitäten oder Teile davon einreichen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Das gesamte Portfolio von E.ON könnte mit rund zwei Milliarden Euro bewertet werden. Der größte deutsche Versorger hatte vor einigen Jahren für eine deutlich höhere Summe seine Geschäfte in Südeuropa ausgebaut, mit diesen jedoch nicht zuletzt wegen der Wirtschaftskrise nur wenig Freude gehabt.

Zu den Bietern gehörten wohl der Finanzinvestor CVC, ein Konsortium aus dem portugiesischen Versorger EDP und Borealis Infrastructure aus Kanada sowie eine Gruppe aus dem Finanzinvestor Riverstone und dem Schweizer Energieunternehmen Alpiq, erklärten die Insider. Auch der Finanzinvestor KKR, die australische Macquarie -Bank und die spanische Grupo Villar Mir könnten Offerten vorlegen. Von EDP war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten, die anderen Unternehmen wollten sich nicht äußern.

Im Spanien beschäftigt E.ON rund 1.200 Mitarbeiter. Der Konzern betreibt Kraftwerke mit einer Leistung von 3,2 Gigawatt und Ökostromanlagen mit 1,1 Gigawatt. Der Marktanteil im Stromvertrieb ist mit 688.000 Kunden allerdings überschaubar. Marktführer ist Endesa. Weitere große Player sind Iberdrola und Gas Natural Fenosa.

E.ON macht die Energiewende zu schaffen. Zudem drücken den Konzern rund 31 Milliarden Euro Schulden. Der Energieriese war unter dem früheren Vorstandschef Wulf Bernotat auf Einkaufstour in Südeuropa gegangen, nachdem dieser 2007 den Übernahmekampf um den spanischen Versorger Endesa verloren hatte. E.ON kaufte für über zehn Milliarden Euro Geschäfte unter anderem in Spanien, Italien und Frankreich. Die Wirtschafts- und Schuldenkrise hinterließ jedoch auch in den Energiemärkten Südeuropas tiefe Spuren. E.ON musste auf die Geschäfte milliardenschwere Abschreibungen vornehmen.

Bernotats Nachfolger Johannes Teyssen hat inzwischen Brasilien und die Türkei als neue Wachstumsmärkte ausgemacht. In das Geschäft mit Russland hat E.ON ebenfalls Milliardensummen gesteckt.

Kommentare

Dieser Artikel hat 6 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar zu TC Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. TC sagt:

    „…E.ON und RWE machen Energiewende zu schaffen…“

    Wirklich?

    Ist es nicht eher so, dass die „Energiewende“ E.ON und RWE zu schaffen macht?

  2. steffi sagt:

    ja ja, wer soll denn diese ewig wiederkehrende weinerliche mär noch glauben?

  3. Erich Görgens sagt:

    Ja liebe E.ON,
    wie nachfolgend zu RWE bemerkt, habt auch Ihr zu der Zeit ganz oben auf dem Pferd gesessen. Habt alles gekonnt, alles gehabt und besser gewusst. Und jetzt…? Jetzt sucht Ihr Schuldige. Dabei könntet Ihr Euren MitarbeiterInnen doch längst neue Perspektiven und Arbeitsplätze besorgt haben. Könnt Ihr etwa doch nicht….? Warum sagt Ihr das nicht, vielleicht käme ja unerwartet Hilfe. Oder wollt Ihr das auch wieder nicht..?

    Jetzt bleibt mir noch der Hinweis auf Gemeinsamkeiten mit RWE.
    Ja liebes RWE, ihr hattet ja die Chance als Herr Grossmann ausgetauscht wurde, konntet ihr die weltweit beste Technologie übernehmen. Aber darum ging es euch ja wohl nicht, da habt Ihr ja noch an Euch geglaubt. Und jetzt jammern…? Das hilft nicht. Da habt Ihr Euch wohl doch überschätzt…?

    Was wollt Ihr denn jetzt, soll man Euch etwa was von unserem Wenigen abgeben…? Oder wollt Ihr jetzt lieber im Windschatten der Kommunen die Kohleschleudern fit machen um noch ein paar neue Stellen für unterversorgte Politiker zu ergattern….?

  4. Kulleraugen sagt:

    Schlechte Führung sonnst nichts

  5. PeppermintPatty sagt:

    Wenn die Großhandelspreise fallen, wäre es doch glatt mal ne Idee, die fallenden Preise an den Verbraucher weiter zu geben. … ( man wird ja noch mal träumen dürfen )

    • Anke sagt:

      Wenn der Großhandelspreis fällt, dann steigt im Gegenzug die EEG-Umlage, denn die Ökostromproduzenten bekommen bekanntlich eine Festvergütung, die um ein Vielfaches höher als der Großhandelspreis ist. Wenn der Börsenpreis um 2 Cent sinkt, dann erhält der Ökostromproduzent die fehlenden 2 Cent als Zuschuss aus der EEG-Umlage. Folglich kann man auch keine Entlastung an den Verbraucher weitergeben.

      Wenn der Börsenpreis für Strom fällt, so ist das außerdem ein Zeichen dafür, dass gerade besonders viel (überflüssiger) Ökostrom eingespeist wird und folglich also auch besonders viel EEG-Umlage anfällt. Der Strom wird dann also für Deutsche sogar noch teurer und nicht billiger. Das Ausland bekommt ihn dafür geschenkt (an 97 Stunden letztes Jahr, Schaden für deutsche Verbraucher: 90 Millionen lt. Agora).

      Diese geniale Erfindung nennt sich Energiewende.