Türkische Exporteure profitieren von Agrar-Sanktionen gegen die EU

In der Türkei ist die Nachfrage nach Lebensmitteln stark gestiegen. Türkische Exporte nach Russland gewinnen durch den Importstopp für Agrarprodukte aus der EU an Bedeutung. Im EU-Staat Finnland zeichnet sich ein ganz anderes Bild ab.

Die türkischen Exporteure profitieren vom russischen Einfuhrverbot für Lebensmittel aus der Europäischen Union und den USA. „Die Nachfrage aus Russland nach türkischen Produkten zog an, nachdem die Beschränkungen im Handel mit den USA und der EU verhängt wurden“, sagte der Chef des Außenhandelsverbands, Mehmet Buyukeksi, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Kommende Woche werde eine russische Delegation in der Türkei erwartet.

Sein Verband arbeite bereits eng mit dem Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerium zusammen, um Exporte nach Russland zu erleichtern, sagte Buyukeksi. Besonders die Nachfrage nach Geflügel und Meeresfrüchten dürfte deutlich steigen, doch könne die Türkei auch mehr Obst und Gemüse liefern.

Als Reaktion auf die Wirtschaftssanktionen der EU und der USA wegen der Ukraine-Krise hat Russland ein Importverbot für Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte aus dem Westen verhängt. Auch Norwegen, Kanada und Australien sind davon betroffen (mehr hier).

Ukraine-Krise versetzt finnischer Wirtschaft Dämpfer

Die finnische Wirtschaft verliert wegen der Ukraine-Krise hingegen zunehmend an Schwung. Regierungschef Alexander Stubb stellte am Dienstag eine Senkung der Wachstumsprognose für 2014 in Aussicht. „Der wirtschaftliche Ausblick ist leider unsicher„, sagte Stubb der Internetseite Verkkouutise, die seiner konservativen Partei nahesteht. „Wenn man die strukturellen Probleme Finnlands betrachtet, die internationale Lage und die EU, dann müssen wir unsere Schätzung vielleicht herunterschrauben“, wurde er zitiert.

Bereits im Juni hatte das Finanzministerium die Wachstumsprognose für 2014 auf 0,2 von 0,5 Prozent gekappt und dies unter anderem mit einer Verlangsamung auf dem Absatzmarkt Russland begründet. Russland ist der drittgrößte Exportmarkt für finnische Unternehmen. Rund zehn Prozent der gesamten Ausfuhren gehen dorthin. Russische Touristen geben zudem jährlich rund zwei Milliarden Euro in Finnland aus.

Finnlands Wirtschaft hat zwei Rezessionsjahre hinter sich, da Schlüsselindustrien wie die Papierbranche und das Geschäft mit Mobiltelefonen schwächelten und auch die Konsumenten weniger ausgaben (mehr hier). Die EU-Kommission hatte im Frühjahr Finnland für 2014 ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 0,2 Prozent vorhergesagt.

Kommentare

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  1. ironalex sagt:

    Nun erweist es sich für die Türkei als Segen, dass die EU mit ihr fremdelt. Druck könnte jetzt höchstens noch von der USA-dominierten NATO kommen. Erdogan sollte dieser unheiligen Allianz schleunigst kündigen und die Standorte schließen – wir Deutschen dürfen das leider nicht.

  2. Anna sagt:

    Schade, dass Europa nicht dieser Dritte ist.
    Die an der Pyramidenspitze streiten miteinander und zahlen dafür wird die untere Ebene der Pyramide, sprich der Mittelstand. Ich hoffe Sie werden sich bald einigen, sonst wird es nicht mehr lustig. Russland hat andere Verkäufer gefunden, Europa aber keine anderen Käufer. Und alle behaupten, dass Russland unter den Sanktionen der EU leidet. Sehr lustig.

    Gruß
    Anna
    http://almatest.com/

  3. PeppermintPatty sagt:

    Wenn Zwei sich streiten, freut sich in der Regel der Dritte. War schon immer so, wird auch so bleiben