Schweizer Käse-Exporteure profitieren von Russland-Sanktionen

Käseproduzenten aus der Schweiz werden Ländern wie Deutschland, Frankreich und Italien das Käsegeschäft an Russland wegschnappen. Die Unternehmen arbeiten bereits mit Hochdruck daran, die gesteigerte Nachfrage auch bedienen zu können. Der Export von Fleisch nach Russland nimmt ebenfalls zu.

Mindestens 14 Schweizer Käsehersteller wurden von russischen Handelspartnern kontaktiert, seit Wladimir Putin Gegensanktionen gegen die EU erhoben hat. Russland importiert seit vergangenem Donnerstag keine Agrarprodukte aus den Ländern der EU mehr. Die Schweiz hat bislang also ihre außenpolitische Neutralität in diesem wichtigsten Exportsektor bewahren können.

„Russische Importeure suchen nach Käsesorten, die sie aus Europa nicht mehr bekommen, sagt Daniel Daetwyler, Manager bei Intercheese. Die Firma in Beromuenster hat im vergangenen Jahr bereits 20 Tonnen Käse nach Russland geliefert und wird diese Menge im laufenden Jahr aufgrund der gesteigerten Nachfrage überschreiten, berichtet Bloomberg.

Besonders gefragt sind Greyerzer und Emmentaler Käse. Angesichts der über 63.000 metrischen Tonnen, die weltweit aus der Schweiz verschifft werden, ist der russische Anteil der Käseexporte noch relativ klein. Aber „wenn das Embargo aufrecht erhalten wird, ist es möglich, dass wir noch mehr Käse nach Russland importieren können“, sagt Jacques Bourgeois vom Schweizer Bauernverband.

Fraglich sei nur, ob die Schweiz eine plötzlich explodierende Nachfrage nach Käseprodukten auch bedienen könne. Emmentaler braucht nur 120 Tage um zu reifen, Greyerzer hingegen sechs bis neun Monate. Dennoch würden Schweizer Unternehmen von dem Embargo profitieren, sgagt David Escher, Director der Swiss Cheese Marketing AG. „ Wenn es neinen neuen Markt gibt und eine neue Nachfrage, könnte es für die Schweiz interessant werden.“ Die Frage sei nur, in welchem Ausmaß Unternehmen von ihrem Vorteil, weiterhin exportieren zu können, profitieren würden.

Von der Liste der Produkte, die jetzt für Russland auf dem Index stehen, gingen vergangenes Jahr Waren im Wert von 25 Milliarden Dollar nach Russland. Aus der EU kamen mehr als 292.000 Tonnen. Unzählige Lkw-Ladungen aus Litauen und Estland mit den verderblichen Lebensmitteln wurden vergangene Woche bereits an der russischen Grenze angehalten und zurückgeschickt. Die daraus resultierende Überproduktion in der Euro-Zone könnte dort bald zu Preissenkungen führen.

Der aktuelle Wettbewerbsvorsprung der Schweiz kann sich jedoch auch als Risiko erweisen. „Es gibt eine Gefahr“, sagt Daetwyler von Intercheese, „wir können große Mengen Mozarella produzieren, aber wenn die Sanktionen plötzlich aufgehoben werden, müssen wir ihn lagern und sehen uns mit den gleichen Problemen konfrontiert wie unsere europäischen Nachbarn.“

„Der Export nach Russland könnte sich um ein Vielfaches erhöhen“, glaubt Danilenko. Die Schweiz könne die Länder ersetzen, die bislang exklusiv Käse nach Russland geliefert haben. So zum Beispiel die Staaten des Baltikums und Polen. Mit diesen Staaten habe die Schweiz bislang aufgrund von höheren Logistikkosten nicht konkurrieren können.

Derzeit bekommt die Schweiz nur noch aus Serbien Konkurrenz. Aufgrund der Lage der Schweiz in der Nähe von Deutschland, Frankreich und Italien ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Schweizer Exporteure den Konkurrenten aus diesen Ländern das Geschäft wegschnappen werden.

Auch Schweizer Exporteure von Schweinefleisch, Schinken und Würstchenfleisch wurden bereits vor der Verkündung der Sanktionen aus Russland verstärkt kontaktiert. „Vermutlich haben sie die Sanktionen antizipiert“, sagt Daniel Signer, Marketing-Chef vo Micarna. „Wenn es wirtschaftlich Sinn macht und der Exportprozess abgesichert ist, werden wir versuchen, die Nachfrage zu bedienen.“

 

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Kommentare

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  1. Jürgen Gerrhard sagt:

    >>Käseproduzenten aus der Schweiz werden Ländern wie Deutschland, Frankreich und Italien das Käsegeschäft an Russland wegschnappen. Die Unternehmen arbeiten bereits mit Hochdruck daran, die gesteigerte Nachfrage auch bedienen zu können. Der Export von Fleisch nach Russland nimmt ebenfalls zu.<<

    Ob die Frau Merkel mit ihrem DDR-Doktor in Marxismus-Leninismus diese Zusammenhänge zwischen politisch-motivierten Sanktionen und deutschen Arbeitsplätzen noch kapiert?
    Ihr Vizekanzler hat vermutlich genau so wenig Ahnung: "Gleich und gleich gesellt sich gern", heißt das Motto der GroKo.

    Die GroKo hat niemand gewählt …Reiner Politquatsch.

  2. Realist sagt:

    Die deutschen und andere europäische Exporteure sind auch nicht dumm – ich bin schon im Moment in dem die Sanktionen verkündet wurden davon ausgegangen, dass jetzt eben erst von den EU-Ländern in Nicht-EU-Länder exportiert wird. Und von dort dann nach Russland… Von daher sehe ich die Sanktionen ganz gelassen. Reiner Politquatsch.

    • colatrinker sagt:

      @Realist
      Ja genau, so wirds gemacht lol.
      Russland bestellt bei Produzenten bzw. Erzeugern und nicht bei Mittelsmännern die irgendwo rumstehen. Die in der EU hergestellten Sachen kommen definitiv nicht mehr nach Russland und das ist auch gut so.