Machtkampf bei OMV könnte zu Konzernumbau führen

Nach Produktionsausfällen fördert OMV wieder 8.000 Fässer Öl pro Tag in Libyen. Doch an der Konzernspitze kriselt es. Die Gas- und Ölsparte „Gas und Power“ könnte aufgespalten werden. Im Zuge der Neuorganisation gerät Vorstand Hans-Peter Floren unter Druck.

Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV schöpft trotz anhaltender Unruhen im krisengebeutelten Libyen neue Hoffnung für die Ölförderung in dem nordafrikanischen Land. Nach einem monatelangen Totalausfall der Produktion fördere man dort wieder rund 8.000 Barrel pro Tag, sagte OMV-Chef Gerhard Roiss am Dienstag. Grund seien die wieder eröffneten Häfen und Ölfelder. „Die erste Lieferung befindet sich bereits auf dem Weg nach Triest und ist für die Raffinerie in Burghausen bestimmt“, sagte Roiss. Ein zweites Schiff werde derzeit beladen.

Die österreichische Tageszeitung Die Presse berichtet gar von einem angekündigten „Großumbau“ des Mineralölkonzerns, der von Roiss selbst durch einen Brief an den Aufsichtsratschef Rudolf Kemler vorgeschlagen wurde. „Im sonst so verschwiegenen Unternehmen kracht es gewaltig“, schreibt Die Presse. Die Sparte Gas und Power müsse aufgespaltet und der zuständige Vorstand, Hans-Peter Floren, seiner Aufgaben entledigt werden, heißt es in dem Brief weiter.

Obwohl die Ölquellen in Libyen wieder zu sprudeln begonnen haben, bleibt der Konzern bei seinen Zielen für das Gesamtjahr vorsichtig. Das Produktionsniveau sei dort derzeit nur ein Bruchteil der 30.000 Fass, die in Friedenszeiten produziert würden. Für 2014 werde daher unverändert ein Produktionsniveau von rund 310.000 Fass pro Tag erwartet, wenn in Libyen kein weiteres Öl mehr produziert werden sollte. Weitere Aussagen wollte der Konzernchef nicht machen. Die Situation sei nach wie vor unsicher und daher stehe die Ölförderung auf wackeligen Beinen. Die Ölförderanlagen in Libyen standen seit März komplett still. Die OMV musste daher bereits im Mai ihr Produktionsziel kürzen. Sollte sich die Produktion in Libyen wieder auf einem normalen Niveau einpendeln, stellte der Konzern im Frühjahr eine Zielgröße von rund 330.000 Barrel pro Tag in Aussicht.

Der Produktionsausfall in Libyen sowie eine einmonatige Unterbrechung der Ölförderung in Jemen trafen die OMV zuletzt hart. Der um Lagereffekte bereinigte Betriebsgewinn brach im zweiten Quartal um fast die Hälfte auf 369 Millionen Euro ein. OMV liegt damit unter den Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit einem bereinigten Gewinn (EBIT) von 407 Millionen Euro gerechnet hatten. „Der Unterschied zwischen null Beitrag von Libyen und 100 Prozent Beitrag von Libyen gemessen an einem Ölpreis von 105 Dollar ist fast 950 Millionen Euro beim EBIT,“ sagte OMV-Finanzvorstand David Davies.

Ausfälle hofft die OMV künftig durch neue Quellen, etwa in Norwegen, kompensieren zu können. „Unser Ziel ist es, dass wir 80 Prozent unserer Produktion in stabilen Ländern halten“, sagte Roiss. Allerdings seien die Produktionskosten auf den in der Nordsee liegenden Bohrinseln weit höher als jene am Land. Die Förderung in Libyen ist zwar riskanter, aber eben auch weit rentabler als etwa in der Nordsee, wo die Österreicher im vergangenen Jahr für über zwei Milliarden Euro Öl- und Gasfelder kauften und damit ihren bisher größten Zukauf tätigten.

„Unsere operativen Kosten in Norwegen sind derzeit deutlich über dem Durchschnitt des restlichen Portfolios, bei rund 25 Dollar je Barrel“, sagte Bereichsvorstand Jaap Huijskes. Gegen Jahresende sollten die Kosten jedoch auf das durchschnittliche Niveau von rund 17 Dollar je Barrel fallen. Die norwegischen Felder Gudrun und Gullfaks sollen die Produktion bis Jahresende auf rund 40.000 Barrel pro Tag steigern. „Ich blicke optimistisch in die zweite Jahreshälfte, in der wichtige E&P-Projekte wie etwa Gudrun oder Maari Growth die Produktion steigern werden, um unsere Ziele zu erfüllen“, sagte Roiss. Das Ölfeld Maari liegt in Neuseeland.

Neben Libyen setzen OMV auch die schwachen Raffineriemargen zu. Bei der Weiterverarbeitung von Öl zu Treibstoffen drücken die geringe Nachfrage und ein ruinöser Wettbewerb die Renditen. Die Schließung einer weiteren Raffinerie schloss die aber Firma aus.

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