Russlands Sanktionen wirken: EU muss Landwirten helfen

Die EU ist sichtlich bemüht, die Landwirte in der EU zu beruhigen und verspricht schnelle Hilfe. Russlands Importstopp für Agrarprodukte aus dem Westen trifft Obst-, Fleisch-, Gemüse- und Milchproduzenten hart. Nutznießer des Handelskriegs sind Südamerika, Asien und die Schweiz.

Die EU hat europäischen Bauern weitere Hilfe in Aussicht gestellt, um die Folgen des russischen Einfuhrverbotes abzufedern. Er werde Anfang kommende Woche neue Maßnahmen bekanntgeben, erklärte Agrar-Kommissar Dacian Ciolos am Donnerstag nach einer Dringlichkeitssitzung mit Experten. Auch EU-weite Programme kämen infrage. Die EU-Kommission hatte am Montag bereits Hilfen für Pfirsich- und Nektarinenbauern angekündigt.

Cioloş erklärte weiter:

„Ich bin bereit, bei Bedarf weitere EU-Maßnahmen vorzuschlagen. Erzeuger aus der gesamten EU können beruhigt sein. Wir verfolgen jeden Sektor und jeden Markt. Sobald wesentliche Risiken entstehen, werde ich handeln. Durch die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik haben wir die finanziellen und rechtlichen Instrumente für europäische Maßnahmen, Hand in Hand mit den Mitgliedstaaten; das übergeordnete Ziel ist Vertrauen in die Märkte durch europäische Solidarität.“

Russland hat als Reaktion auf die wegen der Ukraine-Krise verhängten Wirtschaftssanktionen der EU und der USA ein Importverbot für Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte aus dem Westen ausgesprochen. Die Agrar-Ausfuhren der EU nach Russland haben pro Jahr ein Volumen von etwa elf Milliarden Euro, was einem Zehntel aller Exporte in diesem Bereich entspricht.

Sanktionen setzen Europas Landwirten zu

Bis dato gingen rund zehn Prozent aller Agrarexporte der EU nach Russland. Deshalb bekommen viele europäische Landwirte jetzt direkt oder indirekt die Folgen zu spüren.

Auch Deutschland ist betroffen. Die hiesigen Bauern exportierten vergangenes Jahr Obst und Gemüse im Wert von rund 60 Millionen Euro nach Russland. Das ist zwar verhältnismäßig wenig. Sie fürchten nun aber einen starken Preisverfall. Aufgrund des milden Winters und des warm-feuchten Sommers fällt die Apfelernte in Deutschland beispielsweise 29 Prozent besser aus als vor Jahresfrist. Hohe Produktion und weniger Abnehmer führen zu Preisverfall.

Andere Länder wie Polen haben in der Vergangenheit besonders viele Äpfel nach Russland exportiert. Da sie diese dort nun aber nicht mehr absetzten dürfen, könnten die Äpfel letztlich auf dem europäischen Markt landen. „Aber keiner kann sagen, um wie viel der Preis fällt, jedoch sind sich alle Experten einig, dass er fallen wird“, klagt Hans-Dieter Stallknecht vom Deutschen Bauernverband.

Auch den Griechen fehlt auf einmal ein großer Abnehmer für Pfirsiche (mehr hier). Als Russland das Einfuhrverbot in Kraft setzte, waren gerade mit rund 8.000 Tonnen beladene Lkw auf dem Weg nach Russland. Im Norden Griechenlands mussten die Laster stoppen, da sie ihre Ware nicht hätten ausliefern können. Die Pfirsiche wurden eingefroren.

Auch andere Zweige der Agrarwirtschaft sind von dem Einfuhrverbot direkt betroffen. Beispielsweise stellte Europas größte Molkerei Arla Foods mit Sitz in Dänemark umgehend die gesamte Produktion für den russischen Markt ein. Das Russlandgeschäft macht immerhin 1,3 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Auch auf russischer Seite sind Konsequenzen deutlich zu spüren. Zwar haben Restaurants und Lebensmittelhändler noch einen Vorrat an europäischen Produkten, aber diese werden bald zuneige gehen. Deshalb hat die Suche nach Alternativen bereits begonnen. Profiteure sind vor allem die südamerikanischen und asiatischen Landwirte, aber auch die Schweiz erfreut sich einer enormen Nachfrage nach ihren Käse-Spezialitäten (hier).

„Die Nachfrage aus Russland nach türkischen Produkten zog an, nachdem die Beschränkungen im Handel mit den USA und der EU verhängt wurden“, sagt der Chef des Außenhandelsverbands, Mehmet Buyukeksi, der Nachrichtenagentur Reuters. Besonders die Nachfrage nach Geflügel und Meeresfrüchten dürfte deutlich steigen, doch könne die Türkei auch mehr Obst und Gemüse liefern (mehr hier).

Aber nicht für alles gibt es Alternativen. Französischer Käse, italienischer Parma-Schinken oder australische Ribeye Steaks – viele regionale Spezialitäten werden wohl bald von den Speisekarten in russischen Restaurants verschwinden. „Wir werden unser Bestes geben, um zu überleben“, sagt Alexej Paperni, Besitzer des Moskauer Cafés Kinder des Olymp. „Aber ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Restaurant oder Café unter diesen Umständen existieren kann.“

EU bewilligt Moldawien 100 Millionen-Kredit

Die EU-Kommission hat am Dienstag ein Maßnahmen-Paket für Moldawien verkündet. Das Land soll Finanz-Hilfen in Höhe von 101 Millionen Euro erhalten. 64 Millionen Euro sollen in die Reform der Landwirtschaft fließen. Die restlichen 37 Millionen Euro sollen im Rahmen der Reform der öffentlichen Finanzen verwendet werden, meldet der EUObserver. Zwischen 2014 und 2020 soll Moldawien insgesamt 120 Millionen Euro für die landwirtschaftliche Entwicklung erhalten.

 

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Kommentare

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  1. ronron sagt:

    Die Überschrift suggeriert, dass da aus irgendeinem Topf geholfen wird, der irgendwie von irgendwem gefüllt wird.
    Nein, korrekt wäre, die Steuerzahler retten die Landwirte, die Steuerzahler finanzieren am Ende die Ukrainekredite, mit denen die ukr. Regierung den Bürgerkrieg im Donbass finanziert, der Steuerzahler finanziert diese dummdreisten Politikkkomödianten (besser inzwischen Politiktragödianten).
    Am besten diesen ganzen Knallchargen die Steuermittel entziehen.
    Wenn alle ma n halbes Jahr Hartz4 ziehen, und keine Steuern zahlen, ist der Spuk ganz schnell vorbei.

  2. Delta120 sagt:

    Der kalte Krieg ist wieder da. Am 20.08.2014 entscheidet Russland ob EU Wein sanktioniert werden soll als Antwort auf die Krim Sanktionen der EU. Auf die Rede von Putin antwortete Merkel es bleibt alles so wie gehabt – da steht die Runde 2 der Sanktionsspirale vor der Tür. Es ist vermutlich nur noch eine Frage der Zeit bis russische Freiwilige in Massen in der Ukraine zum Kampf erscheinen, wenn es der Armee in Kiew nicht gelingt das Problem in diesem Monat zu lösen.

    Wie dem auch sei, die Ukraine hat sich zu einer teuren Fehlkalkulation für uns entwickelt.

  3. Jürgen Gerrhard sagt:

    «15.08.2014 Die EU hat europäischen Bauern weitere Hilfe in Aussicht gestellt, um die Folgen des russischen Einfuhrverbotes abzufedern. Er werde Anfang kommende Woche neue Maßnahmen bekanntgeben, erklärte Agrar-Kommissar Dacian Ciolos am Donnerstag nach einer Dringlichkeitssitzung mit Experten. Auch EU-weite Programme kämen infrage. Die EU-Kommission hatte am Montag bereits Hilfen für Pfirsich- und Nektarinenbauern angekündigt.»

    Wir Deutschen sind in der EU immer die Dummen. Von dem was die EU-Kommission großzügig verteilt, zahlen wir mindestens 29 Prozent.

    Im vorliegenden Fall kommt es mal wieder nur anderen zugute.
    Ist unser CSU-Mann Christian Schmidt vom BMEL in Berlin schon für uns Bayern aktiv?

  4. Jürgen Gerrhard sagt:

    Russlands Sanktionen wirken: EU muss Landwirten helfen
    Russlands Sanktionen wirken: EU will Landwirten helfen

    Die Frau Merkel versprach doch, dass die Sanktionen die bösen Russen bestrafen sollen. Hat sie mal wieder nicht die Wahrheit gesagt?.

    Zur Erinnerung
    Mi. 23.07.2014 14.55 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel
    dringt darauf, dass möglichst schnell substanzielle
    EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt werden. Da Russland kein Interesse an einer Aufklärung des Flugzeugabsturzes gezeigt habe, halte die Kanzlerin rasche Beschlüsse für nötig, sagt der stellvertretenden Regierungssprecher Georg Streiter am Mittwoch in Berlin. Auch eine Sprecherin des Außenministeriums kritisierte, Russland tue nicht genug. „Jetzt reicht es“, sagt sie.

    Russlands Sanktionen wirken: EU muss Landwirten helfen???
    Wieso die EU? Wo hat die das Geld her? Von den Amis?

  5. Rudolf Steinmetz sagt:

    Ist unsere Regierung wirklich so abgrundtief doof? Die US-Sanktionen sind ein Wirtschaftskrieg gegen die europäischen «Partner»

    • V.Kurze sagt:

      Nein die sind nicht doof, die sind entweder gekauft oder werden
      erpresst – am besten Beides.
      Ohne spezielle Hilfe, wäre auch eine Frau Dr.Merkel nicht gegen die
      Herrenriege auf dem Posten angekommen, auf welchem sie
      sitzt.
      Und wenn die Hilfe aus 3 Buchstaben besteht und die Akte von Frau Dr. Merkel….sowas wirkt!

    • Jürgen Gerrhard sagt:

      ‘Unsere’ Regierung ist nicht doof, sondern willfährig und masochistisch.

      Die US-Sanktionen sind ein Wirtschaftskrieg gegen den deutschen «Partner». Wir werden vom Exportverbot für Waffen allein betroffen, und vom Importverbot (Gegensanktionen) Russlands leidet unsere Landwirtschaft und alle Deutsche müssen die Verluste der EU-«Partner» mitbezahlen.

      Deutschland ist von «Partnern» umzingelt.

  6. Jürgen S. sagt:

    Na, dass Russland sich revanchiert, war ja zu erwarten. Die Sanktionspolitik
    von Frau Merkel war saudumm bis zum Gehtnichtmehr. Hätte man nicht eine
    andere Politik verfolgen können ? Eine Politik der Ausgleichs etwa ? Mußte man
    mit Sanktionen immer weiter provozieren und sich dabei selbst ins Knie schießen ?
    Erreicht haben wir damit nichts !! Nur einen Wirtschaftskrieg angezettelt und Vertrauen
    für lange Zeit zerstört. Aber das kann sich ja Deutschland spielend leisten, der Ami hats
    ja schließlich befohlen. Demnächst lassen die ersten Arbeitslosen grüßen. Und für was ?
    Für einen heuchlerischen Westen, der das ganze Ukraine Desaster von Anfang an angezettelt hat. Unfassbar das Ganze !

    • Hase sagt:

      Ja, unfassbar das Ganze. Aber warum tut niemand etwas dagegen? könnt ihr nichts tun? vielleicht einmal eine Demonstration? oder vielleicht könnt ihr schon mal vorsorglich auf EURE Bundeswehr-Soldaten einwirken, ich meine, Ihnen klarmachen, dass Krieg auch nichts bringt und noch nie nie was gebracht hat. Gruss aus der Schweiz, und ja, ich sehe auch hier dass man eigentlich schwer was dagegen tun kann, ausser schlussendlich einfach nicht in den Krig ziehen