Börsenkandidaten rennen Investoren die Türe ein

Fünf, vielleicht sogar zehn Unternehmen aus Deutschland erwarten die Banker im Herbst als Neuzugänge an der Frankfurter Börse. Nur eines davon dürfte keine Probleme haben, die volle Aufmerksamkeit der Investoren auf sich zu ziehen: Der Online-Modeversender Zalando könnte schon Anfang September als der aufsehenerregendste Kandidat seine Pläne öffentlich machen.

Ferien im August sind in diesem Jahr nicht drin für die meisten Investmentbanker, die sich mit Börsengängen beschäftigen. Denn das Gerangel um die Pole Position nach der Sommerpause hat längst begonnen. Fünf, vielleicht sogar zehn Unternehmen aus Deutschland erwarten die Banker im Herbst als Neuzugänge an der Frankfurter Börse. Nur eines davon dürfte keine Probleme haben, die volle Aufmerksamkeit der Investoren auf sich zu ziehen: Der Online-Modeversender Zalando könnte schon Anfang September als der aufsehenerregendste Kandidat seine Pläne öffentlich machen, wie mehrere Insider sagen.

Aber auch der Zalando-Vorstand muss um die Gunst – und die Zeit – der großen Investmentfonds kämpfen: „Bei den Roadshows geht es hektischer zu als früher – auch weil mehr Kandidaten um das Interesse der Fondsmanager buhlen“, sagt Jens Voss, der für die Commerzbank das Geschäft mit Börsengängen und Kapitalerhöhungen leitet. Größe hilft dabei – bei einem Volumen von weniger als 200 Millionen Euro schauten viele Investoren in London und New York erst gar nicht hin, berichtet Voss. Zu groß ist dann der Aufwand für eine Investition von vielleicht zehn bis 15 Millionen Euro. „Die Masse der IPOs hat bei vielen Investoren zu einer gewissen Übermüdung geführt“, räumt Foruhar Madjlessi ein, der bei der Deutschen Bank als Co-Head ECM Germany für Börsengänge zuständig ist.

Allein 130 Unternehmen sind in Europa im Frühjahr an die Börse gegangen. Mit 41,2 Milliarden Dollar sammelten sie zum ersten Mal seit Jahren mehr ein als Börsenneulinge in den USA – und so viel wie nie seit der Finanzkrise. Und im Herbst dürfte es ähnlich rasant weitergehen – trotz der Talfahrt, die der Dax in den vergangenen Wochen hinter sich hat. „Ich bin optimistisch, dass der Markt auch im Herbst aufnahmefähig ist. Liquidität und der Anlagedruck sind noch immer sehr hoch“, sagt Madjlessi. „Auch unterhalb von 10.000 Punkten im Dax ist das Bewertungsniveau für viele Emittenten attraktiv und die Aufnahmebereitschaft am Markt hoch.“

Mit der Masse an Börsenkandidaten in Großbritannien kann Deutschland freilich nicht mithalten. Gerade einmal drei wagten hierzulande im Frühjahr ein Initial Public Offering (IPO). Es fehlen die Familien-Unternehmen und die Vielzahl von Firmen im Eigentum von Finanzinvestoren, sagen Experten. Investmentbanker verweisen auch darauf, dass in Deutschland schon im vergangenen Jahr Firmen wie Kion und Deutsche Annington den Sprung schafften, als anderswo in Europa noch nicht daran zu denken war. Nun rolle die zweite – freilich kleine – Welle: „Jetzt kommen auch Unternehmen, die vor einem halben Jahr möglicherweise noch gar nicht an einen Börsengang gedacht haben“, sagt Madjlessi. „Auch Finanzinvestoren sind schneller bereit, Portfolio-Unternehmen an die Börse zu bringen.“

Dass etwa Hellman & Friedman weniger als ein Dreivierteljahr nach dem Einstieg bei Scout24 schon an einen Börsengang der Internet-Anzeigenplattform denkt, ist ein Zeichen dieser Entwicklung. Was den deutschen Emittenten Mut macht, ist die wachsende Lust von Fonds wie Union Investment, DWS und Deka, in Börsengänge zu investieren. Die seit einem Jahr ungebrochenen Zuflüsse in europäische Aktienfonds helfen dabei. „Deutsche Investmentfonds sind wieder dabei, wenn es um die größten Orders geht“, berichtet Madjlessi. 15 bis 20 Prozent der Nachfrage bei deutschen IPOs kämen heute aus dem heimischen Markt – nach der Finanzkrise waren es weniger als zehn Prozent. 40 Prozent der Nachfrage kommen typischerweise aus Großbritannien, bis zu ein Viertel der Aktien kaufen Anleger aus den USA.

Doch von allein kommt kaum einer von ihnen. Deshalb gehen die Vorstände der Börsenkandidaten während der Zeichnungsfrist erst einmal ein bis zwei Wochen auf eine Tingeltour. Frankfurt – London – New York – Boston lautet die typische Reiseroute, und wenn dann noch Zeit bleibt, Paris, Amsterdam oder Madrid. „Auf der Roadshow sind sechs Einzelgespräche mit Investoren am Tag keine Seltenheit“, berichtet ein Banker. „Dazu kommen Gruppen-Meetings und Telefonkonferenzen. Danach ist der Vorstand dann rechtschaffen müde.“

Marcus Bray organisiert mit seiner Firma Imagination die Investoren-Präsentationen von Vorständen – ein ähnliches Geschäft wie sein früherer Job als Produzent am Theater, wie er meint. „Das können 20-Stunden-Tage werden. Schlaf bekommen sie nur im Flugzeug“, sagt Bray. Aber gerade wenn ein Unternehmen und sein Geschäftsmodell erklärungsbedürftig seien, gehe nichts über eine überzeugende Vorstellung des Managements.

Dass der eng getaktete Zeitplan eingehalten wird und man sich nicht mit anderen Börsenkandidaten ins Gehege komme, dafür sorgen Leute wie Fallon Painter. Media Tree, die Firma, für die sie arbeitet, plant solche Roadshows und verhindert, dass ein Investmentbanker dem anderen einfach den Termin abspenstig zu machen versucht. „Das ist oft wie ein Wettlauf“, sagt sie. Beim Börsengang der Mehrländer-Börse Euronext wäre es beinahe schief gegangen, sagt Painter. Ein Taxi-Streik hielt die Vorstände in London auf. Sie habe schon überlegt, Fahrräder zu mieten. „Aber wir wussten nicht, ob sie das gemacht hätten. Am Ende haben wir sie in die U-Bahn gesetzt.“

Kommentare

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  1. Jakob sagt:

    scout24 steigert seinen Gewinn kaum, zB Autoscout die Ruhen sich auf ihre Stamm User aus, die monatlich für Ihre Anzeigen zahlen. Da geht es vielleicht mal 10% hoch oder 10% ab, aber große Steigerungen sind nicht in diesem Sektor zu erwarten. Bei einer weiteren Preiserhöhung lassen die Händler Autoscout fallen und geben sich mit dem Marktführer Mobile.de zufrieden. Such die 2 Millionen Autos sind mehr Schein als sein. Erstens sind das alle Autos aus ganz Europa in einem Topf geworfen. Viele Seiten wie Polen und Russland sind bloße Kopien der Hauptseite ohne Möglichkeit eine Anzeige dort aufgeben zu können. In Deutschland hat Autoscout bei 900.000 Anzeigen ca, 750.000 Händler Anzeigen und 150.000 kostenlos Anzeigen von Privat Anbieter. Von den Händlern sind zig Anzeigen von Autos die selbst noch gar nicht produziert wurden sind. Also der Autosektor bei Scout24, kann nur mit Preiserhöhungen für Händler Anzeigen mehr Gewinn machen. Und das ist tödlich den Mobile.de ist eh schon jetzt billiger für die Händler.

  2. Jakob sagt:

    Schön, habe das Forecast von Zalando Buchhaltung zugemailt bekommen. Sieht nicht vielversprechend aus. Wer da investiert muß wirklich zuviel Geld zur Verfügung haben. Die haben soviele Retouren, da bleibt unterm Strich kaum noch was übrig. Herr Jonas Heller von Zalando sendet es uns des öfteren. Man fragt sich, wie die es so überhaupt auf’s Parkett schaffen. Sehr fragwürdig. Wann kommt der Crash?