Starker Wohnungsbau kann Immobilienpreise nicht bremsen

Der Bauboom in Deutschland hält an. Pro Jahr wächst die Zahl der Baugenehmigungen für Mietwohnungen um knapp 10 Prozent. Doch das steigende Angebot wirkt sich nicht mildernd auf die Preise aus. Vor allem in deutschen Metropolen entwickeln sich die Preise ungebremst aufwärts.

Der starke Wohnungsbau in Deutschland setzt sich ungebremst fort und stützt sich zunehmend auf den Mietwohnungsmarkt. Zwischen Januar und Juni gaben die Behörden grünes Licht zum Bau von 136.800 Wohnungen, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Damit stieg die Zahl der Baugenehmigungen binnen Jahresfrist um 9,6 Prozent. Das Wachstumstempo war damit exakt dasselbe wie im ersten Halbjahr 2013. Mittelfristig dürfte der Schwung aber nachlassen, schätzen Fachleute. „Wir sind auf einem hohen Niveau, und es wird wohl nicht mehr weiter nach oben gehen“, sagte Andreas Geyer, der Chefvolkswirt des mittelständischen Bauverbands ZDB.

Für Impulse sorgt derzeit vor allem der Bau von Mietwohnungen. „Kommunale Wohnungsträger in Großstädten planen Bauprojekte, um der wachsenden Nachfrage nach Mietwohnungen nachzukommen“, sagte Geyer. „Der Mietwohnungsbau dürfte deshalb weiter anziehen.“ Dies zeigt sich bereits an den Baugenehmigungen für Mehrfamilienhäuser, die um knapp 13 Prozent zulegten. Dagegen gab es einen Rückgang bei Ein- (minus 1,0 Prozent) und Zweifamilienhäusern (minus 0,4 Prozent). Hier sei seit längerem eine Stagnation zu beobachten, fügte Geyer hinzu. „Wer selbst bauen will, hat in den letzten Jahren sicher schon die finanziell günstigen Konditionen mitgenommen.“

Die Lobby der Immobilienbranche hat wiederholt die geplante Mietpreisbremse der großen Koalition kritisiert. Denn die Preis-Deckelung könnte Bauinvestoren abschrecken, lautet die Sorge der Wirtschaft (mehr hier).

Preise für Wohnungen und Eigenheime steigen

Die gesamten Immobilienpreise stiegen im Frühjahr so stark wie seit einem dreiviertel Jahr nicht mehr. Wohn- und Gewerbeobjekte kosteten zwischen April und Juni jeweils 4,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Preise für Eigentumswohnungen stiegen zwischen April und Juni deutlich geringer, wie aus dem vierteljährlichen Barometer des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken (vdp) hervorging.

Selbst genutzte Wohnungen verteuerten sich um 2,2 Prozent binnen Jahresfrist. Erstmals seit langem kletterten die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser mit 2,6 Prozent stärker. „Die Investoren sind offensichtlich nicht mehr bereit, jeden Preis zu zahlen“, sagte vdp-Expertin Helga Bender. „Das ist eine gesunde Entwicklung.“ Denn die Preise in einigen Ballungsgebieten seien beachtlich.

Vor allem auf dem Wohnungsmarkt in „wirtschaftsstarken Groß- und Mittelstädten“ übersteige die Nachfrage das Angebot immer noch spürbar, auch wenn zunehmend mehr neue Wohnungen gebaut würden, so die vdp-Fachleute. Für Schwung sorgten auch die niedrigen Zinsen. „Entsprechend ist das Interesse auch institutioneller Anleger an wohnwirtschaftlichen Immobilien ungebrochen hoch.“

„Die Preisentwicklung wird von allen Segmenten getragen, verläuft aber sehr unterschiedlich“, sagt Dr. Bernd Leutner, Geschäftsführer der F+B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt. „Der Anstieg der Preise für Eigentumswohnungen in Bestand und Neubau spiegelt die nach wie vor hohe Attraktivität von Sachwertinvestitionen wider. Gleichzeitig sind Preissteigerungen ein überwiegend großstädtisches Phänomen: In den Metropolen Berlin, Hamburg und München stiegen die Preise für Eigentumswohnungen erheblich an.“

Auch auf mittelgroße Städte weite sich die deutsche Immobilienblase derzeit aus, berichtete jüngst die Bundesbank (mehr hier).

Während sich die Preise von Eigentumswohnungen in den Millionenstädten seit 2004 im Durchschnitt um knapp 48 Prozent erhöht haben, lag der Anstieg in den kleineren Städten durchschnittlich zwischen 11 und 22 Prozent. Die Durchschnittspreise in den vier Metropolen haben sich von knapp 2.000 €/m² im Jahre 2004 auf 2.875 €/m² erhöht, in den übrigen Städtegrößenklassen rangieren sie zur Jahresmitte 2014 im Durchschnitt zwischen gut 1.600 und 2.050 €/m² und haben sich seit 2004 deutlich weniger verändert.

Veränderung der Eigentumswohnungspreise in den letzten fünf Jahren für ausgewählte Großstädte in Deutschland. (Foto: F+B Wohn-Index 2014)

Veränderung der Eigentumswohnungspreise in den letzten fünf Jahren für ausgewählte Großstädte in Deutschland. (Foto: F+B Wohn-Index 2014)

Mehr zum Thema

Immobilienblase weitet sich auf mittelgroße Städte aus

Städte: Mieten und Immobilien-Preise steigen weiter

Vermieter dürfen Maklerkosten nicht auf Mieter abwälzen

Mietpreisbremse verknappt Angebot an Wohnungen

Kommentare

Dieser Artikel hat 3 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Alfons sagt:

    Der Wohnungsbau nützt den Normalbürgern nichts, da die Mietpreise nur noch für den Staat erschwinglich sind, der dort die einströmenden Neu-Facharbeiter unterbringt.

  2. vor Ort Beobachter sagt:

    also hier in München, werden an den ein oder anderen abgelegenen Stellen die seit Jahrzehnten leer standen Wohnobjekte gebaut, von den Genossenschaften.

    Bei mir allerdings (Nympenburger str. Gegend) werden Bestandshäuser abgerissen um Prunkbauten hinzustellen. Deren Mieten sind mind. doppelt so teuer.

    Aktuelles Beispiel. Nymphenburger str. -> Neubau New York living Gebäude, 48qm 1.300,– € kalt. Neubau Lebensart Linprun in der Linprunstraße (paralel zur Nympenburger). 140qm Wohnung wird für 1,5mio vor Steuern verkauft. die kleinste Einheit glaube 45qm waren das , wird für 400-500t verkauf. Die Mieter dir vorher drinnen waren, sind natürlich alle rausgeflogen. Hier wird also nicht Wohnraum geschaffen sondern Wohnraum gezielt verteuert. Genauso in der Erzgießereistr. Ecke Nymphenburger, vorher Wohnaus, alle Mieter rausgeflogen, jetzt Prunkhaus, das wohl dieses Jahr fertiggestellt wird. (Nebenbei werden die Häuser die nicht abgerissen werden, energiesaniert, wahrscheinlich mit 20% Mieterhöhung im Anschluss)

    tja und zurück zu den Genossenschaftswohnungen, hier muss man Mietglied sein und sich auch LAAAAANGE Wartelisten eintragen. Kann schon mal 20-30 Jahre dauern bis man einziehen darf.

    Bin gespannt beobachten zu dürfen was hier wieder abgeht, wenn die nächste Wirtschaftskrise kommt. Da gibts dann wohl ein paar Zwangsversteigerungen von den Prunkwohnungen.

  3. ratlos sagt:

    Die klassischen Mainstreammedien sind im Sterben begriffen. Die Menschen wollen nicht mehr die systemgetreue Kost vorgesetzt bekommen. Ein lesenswerter Artikel von Heiko Schrang zu diesem Thema