Bauern rechnen mit Verlusten durch fallende Obst- und Gemüsepreise

Die russischen Sanktionen auf europäische Agrarprodukte führen in Deutschland zu fallenden Preisen bei Kartoffeln und Äpfeln. Obst aus Polen, das nicht mehr nach Russland exportiert werden darf, landet letztlich auf dem deutschen Markt. Deutsche Landwirte müssen mit Verlusten rechnen.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes erwartet nach guten Ernteergebnissen sinkende Kartoffelpreise für Endverbraucher. Bei Lebensmitteln, die kaum weiterverarbeitet würden wie Kartoffeln, würden Preissenkungen voll durchschlagen, sagte Joachim Rukwied am Dienstag bei der Vorstellung der Erntebilanz. Während im vergangenen Jahr für ein Kilogramm Kartoffeln rund ein Euro gezahlt worden sei, liege die Preisspanne derzeit bei 45 bis 60 Cent.

Durch die EU-Sanktionen gegen Russland infolge der Ukraine-Krise erwarte er einen Preisdruck bei Gemüse und Obst, sagte Rukwied. Dabei gehe es weniger um den verloren gegangenen Absatz deutscher Agrarprodukte in Russland. Dieser sei ohnehin rückläufig. Ein größerer Druck werde von Obst und Gemüse aus europäischen Ländern ausgehen, das nicht mehr in Russland verkauft werden könne und daher auf den deutschen Markt komme.

Als Beispiel nannte er Äpfel aus Polen, die nicht mehr in Russland abgesetzt werden könnten. Dieses Angebot komme zusätzlich zu den deutschen Äpfeln, von denen mit über einer Million Tonnen fast ein Drittel mehr geerntet worden seien als im Vorjahr, auf den Markt. Polen will die EU deshalb dazu bringen, bei der WTO Klage einzureichen (hier).

Auch mit mehr Gemüseimporten aus den Niederlanden werde gerechnet (mehr hier). Für eine Bewertung der Preisentwicklung der Lebensmittel insgesamt aufgrund von Ernte und politischen Entwicklungen sei es aber noch zu früh, sagte Rukwied.

Die Getreideernte übertreffe mit 50 Millionen Tonnen und einem Plus von fünf Prozent gegenüber 2013 die Erwartungen, sagte Rukwied. Da aber der Getreidepreis nur einen geringen Teil der Produktionskosten ausmache, werde dies kaum Auswirkungen auf den Brotpreis haben. Eine überdurchschnittliche Ernte erwartet der Bauernverband auch bei Ölfrüchten. Sie werde mit einer Raps-Ernte von 5,8 Millionen Tonnen gerechnet.

Eine Entwicklung hin zu höheren Preisen gehe vom gesetzlichen Mindestlohn aus (mehr hier), sagte der Verbandspräsident. Besonders betroffen seien arbeitsintensive Obst- und Gemüsesorten sowie Hopfen, Tabak und Wein. Zu rechnen sei 2015 bei einzelnen Fruchtarten mit Kostensteigerungen zwischen zehn und 30 Prozent. Der Bauernverband befürchtet, dass preiswertere ausländische Produkte die Erzeugnisse deutscher Bauern verdrängen könnten.

Neue Absatzchancen sieht der Bauernverband in Asien. Die Exporte dorthin würden seit 2007 steigen. Zuletzt habe beispielsweise die Ausfuhr von Milchprodukten nach China deutlich zulegen können. Zahlen nannte er nicht.

Kommentare

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  1. boes_adipoes sagt:

    Ja, die armen, armen Bauern. Wir zahlen den Preis im Laden und die Subventionen über abgepresste, illegale Steuern (AO 1977) seitens der BRiD.

    http://www.euractiv.de/sections/landwirtschaft-und-ernaehrung/agrarsubventionen-liste-deutscher-empfaenger-2012-299140

  2. hugin sagt:

    APFELSCHWÄMME
    Durch die Sanktionen der doofen Politiker ist der russische Markt weg.
    In Österreich sieht man in allen Zeitungen apfelessende Politiker. Mit diesem primitiven Werbe-Gag wird das Problem nicht gelöst. Der oft diffamierte ungarische Präsident Orban war klüger, hat sich den Sanktionen nicht angeschlossen und kann nach Russland weiter exportieren.

  3. SoWieSo sagt:

    Bei REWE kostet 1 kg Äpfel heute 2,99 Euro. Das sind umgerechnet 6,- DM. Mit anderen Worten…viel zu teuer.