Firmen entgehen 3 Milliarden Euro in Russland

Auch im zweiten Quartal schrumpften die Exporte nach Russland um 15 Prozent. Der Abwärtstrend dürfte sich in der zweiten Jahreshälfte noch verschlimmern, wenn die Sanktionen sich in den Zahlen niederschlagen.

Die Sanktionen gegen Russland kosten die deutschen Exporteure immer mehr Geld: Im ersten Halbjahr nahmen sie dort fast drei Milliarden Euro weniger ein als im Vorjahreszeitraum. Die Ausfuhren schrumpften um 15,5 Prozent auf knapp 15,3 Milliarden Euro, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Damit hat sich der Abwärtstrend bestätigt: In den ersten drei Monaten waren die Exporte nach Russland um 16 Prozent gefallen (mehr hier).

Nach der Eingliederung der Krim und dem russischen Vorgehen in der Ostukraine hat die EU Sanktionen gegen Moskau verhängt. Besonders stark leiden die deutschen Auto- und Maschinenbauer unter dem schwachen Russland-Geschäft. Die Exporte von Fahrzeugen und Kraftwagenteilen brachen um 24,4 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro ein, die von Maschinen um 18,7 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Die Ausfuhr von Nahrungs- und Futtermitteln schrumpfte sogar um 31,9 Prozent auf 420 Millionen Euro.

Hier drohen noch stärkere Rückgänge, da Russland im August als Reaktion auf neue Sanktionen der EU und der USA ein Einfuhrverbot für westliche Agrar-Erzeugnisse verhängt hat (hier). Auch die Autoindustrie muss sich womöglich auf weitere Einbußen gefasst machen, da der Kreml für den Fall schärferer Sanktionen des Westens erwägt, im Gegenzug die Einfuhr von Fahrzeugen teilweise oder vollständig zu stoppen. Der russische Pkw-Markt ist fast so groß wie der deutsche und galt lange Zeit als Hoffnungsträger in Europa (hier).

Die Unternehmen befürchten nun den Verlust lukrativer Geschäfte an die Konkurrenz aus Asien (hier). Vom Russland-Geschäft hängen nach Angaben des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft gut 300.000 Stellen in der Bundesrepublik ab.

Im Gegensatz zu den Exporten nahmen die Einfuhren aus Russland in den ersten sechs Monaten zu – und zwar um 2,1 Prozent auf knapp 20,3 Milliarden Euro. Deutschland bezieht von dort vor allem Erdöl, Erdgas und Mineralölprodukte.

 

Kommentare

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  1. Peter Schaller sagt:

    Wie hoch sind die Einbussen der USA im Geschäft mit Russland ?
    Der Gewinner der Sanktionen sind die USA.
    Die Vasallen-Staaten der USA – die nicht souveräne BRD vorweg – tragen die Verluste.
    Wie immer !!!

  2. Cuibono sagt:

    Ist schon kurios.
    Da macht der Westen die Globalisierung, um alle Märkte aufzubrechen. Dann hat er sie und macht dann selbst anti Globalisierung mit Sanktionen und stärkt damit die russische Binnenwirtschaft. Und Putin kann sagen: der böse Westen ist schuld und dann ist es fürs Volk kein Problem, wenn etwas nicht mehr so da ist.
    Dann droht er mit Nichteinkauf von Autos und schwupps machen Westfirmen Joint ventures und schaffen in Russland Arbeitsplätze.
    Den russischen Bauern konnte eigentlich nichts besseres passieren.

  3. Rudolf Steinmetz sagt:

    Die US-Sanktionen sind ein Wirtschaftskrieg gegen die europäischen «Partner», insbesondere Deutschland:

  4. Peter G. sagt:

    Mit welchem Recht werden die Bauern für ihre Exportausfälle entschädigt und die Industrie nicht?

  5. Samson sagt:

    Flexible Firmen in Deutschland werden die Produktion nach Rußland verlagern.
    Das ist gut für die Firmen ABER wird den Wirtschaftsstandort Deutschland noch mehr beschädigen.

    Wer eine Produktion in Rußland hat, verlagert dann auch noch schnell sein Hauptquartier nach Hong Kong und die BRD Verwaltung wird dann keine Steuern mehr erhalten.

    Für mittelständische Firmen also nicht wirklich ein Problem.