Jedes dritte Schweizer Unternehmen kann offene Stellen nicht besetzen

Der Schweizer Bundesrat will noch im August über eine Förderung der höheren Berufsausbildung diskutieren. Die Beschäftigung in der Schweiz steigt zwar um 1,8 Prozent. Ein Drittel der Schweizer Unternehmen hat jedoch ein Problem damit, offene Stellen mit geeignetem Personal zu besetzen.

Über ein Drittel (36%) der befragten Unternehmen weltweit haben Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. Es handelt sich um den höchsten Anteil seit sieben Jahren. Hauptgrund dafür ist ein Mangel an Fachkompetenzen oder „Hard Skills“ bei den Kandidaten. In der Schweiz sind 33 Prozent der 752 befragten Unternehmen von Talentknappheit betroffen. Das Ergebnis der Umfrage zur Talentknappheit des Zeitarbeitskonzerns Manpower geht im Vergleich zu 2013 um vier Prozentpunkte zurück, allerdings gehen 65 Prozent der betroffenen Arbeitgeber davon aus, das sich die Talentknappheit auf ihre Kapazitäten im Kundendienst auswirken wird, verglichen mit 59 Prozent im Vorjahr. Dennoch verfügen 41 Prozent der Betroffenen über keine spezifische Strategie, um das Phänomen einzudämmen.

Facharbeiter führen die Rangliste der zehn meistgesuchten Berufe in der Schweiz an. Als Facharbeiter gelten Arbeitnehmer, die über eine Ausbildung mit einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis abgeschlossen haben und etwa in handwerklichen Berufen tätig sind.

Personal der Kategorie Management und Geschäftsführung ist ebenfalls begehrt (2. Platz). Techniker, welche seit 2012 nicht mehr in der Top-10-Liste waren, kommen auf den dritten. Rang. Wie im Vorjahr stehen Mitarbeitende in Buchhaltung und Finanzwesen an vierter Stelle. Projektleiter, welche seit 2010 nicht mehr auf der Liste auftauchten, schliessen auf Platz zehn die Liste der meistgesuchten Berufe in der Schweiz für 2014.

Die drei Hauptgründe für die Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung sind laut den betroffenen Schweizer Arbeitgebern ein Mangel an Fachkompetenzen (36%), fehlende branchenspezifische Qualifikationen oder Zeugnisse (30%) und ein Fehlen an verfügbaren Kandidaten (27%).

Dies führt zu verschiedenen Problemen: 65 Prozent der betroffenen Unternehmen in der Schweiz erklären, dass Talentknappheit ihre Kapazitäten im Kundendienst beeinträchtigt (international liegt der Durchschnittsanteil bei 54%); 56 Prozent gehen davon aus, dass sich Talentknappheit auf ihre Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität auswirkt; ausserdem gehen in diesem Jahr 48% der betroffenen Arbeitgeber von negativen Auswirkungen auf Motivation und Engagement bei den Mitarbeitenden aus, verglichen mit nur 30% im Vorjahr.

Während 41 Prozent der von Talentknappheit betroffenen Unternehmen angeben, über keine eigene Strategie zur Überwindung der Talentknappheit zu verfügen, setzen 35 Prozent auf eine Neugestaltung ihrer Arbeitsmodelle: Arbeitsverfahren werden umstrukturiert und Einsätze auf mehrere Mitarbeitende aufgeteilt. 17 Prozent setzen hingegen auf eine Anpassung ihrer Personalstrategie, insbesondere auf Umschulungen und Weiterbildungen für bestehendes Personal.

Der Anteil betroffener Unternehmen, welche Kandidaten einstellen, welche nicht alle gesuchten Fähigkeiten, dafür aber ein grosses Entwicklungspotenzial mitbringen, liegt bei 7 Prozent (2013: 3%).

Noch im August will der Bundesrat über Maßnahmen zur Stärkung der höheren Berufsbildung undzur Nachwuchsförderung an Hochschulen diskutieren. Bis zum Ablauf der Legislaturperiode stehen dafür 24 Milliarden Franken zur Verfügung, so Bundesrat Johann Schneider-Ammann einem Bericht der Luzerner Zeitung zufolge.

Auf dem Schweizer Arbeitsmarkt spiegelt sich der Fachkräftemangel nicht wieder. Die Schweiz zählte im zweiten Quartal 2014 insgesamt 4,903 Millionen Erwerbstätige, das sind 1,8 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Die Zahl der erwerbstätigen Männer stieg dabei um 1,4 Prozent, jene der Frauen um 2,3 Prozent, berichtet das Bundesamt für Statistik (BFS).

Weltweit führen Facharbeiter zum dritten Jahr in Folge die Rangliste der zehn meistgesuchten Berufe an, gefolgt von den Ingenieuren, Technikern und Handelsvertretern. Diese vier Berufskategorien belegen seit acht Jahren in Folge die Spitze der Top-10-Liste. Zum ersten Mal seit Einführung der Studie tauchen Verkaufsleiter unter den 10 meistgesuchten Berufen auf, sie steigen auf Platz 7 in die Rangliste ein.

Zum fünften Mal in Folge ist der Anteil der von Talentknappheit betroffenen Arbeitgeber in Japan am höchsten (81%). In Irland (2%) und Spanien (3%) ist hingegen ein unerheblicher Anteil betroffen. Im Jahresvergleich verstärkt sich das Phänomen in Italien (34%) um 17 Prozentpunkte, während Frankreich (21%) einen Rückgang um 12 Prozentpunkte aufweist. Die Umfrage wurde im ersten Quartal 2014 unter 37.436 Unternehmen in 42 Ländern durchgeführt

Kommentare

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  1. Jule sagt:

    Wat is denn dat hier für ne Volksverdummung?? „Talentknappheit“ LOL!!!

    1. Japan — in Japan wachsen seit knapp 20 Jahren v.a. schlecht bezahlte Teilzeitjobs, prekäre Jobs etc —- na klar, sind die jungen Japaner alle nur mies ausgebildet — wie blöd ist das denn? Die Alten besetzen da den Arbeitsmarkt, es gibt zu wenig gute Jobs.

    BEWEISE:

    http://asienspiegel.ch/2014/05/was-die-jungen-japaner-wollen/

    http://asienspiegel.ch/2014/05/die-demographische-krise/

    ich les was von „schlecht bezahlter Teilzeit“ — wohl weil natürlich alle heute schlechter ausgebildet sind als noch vor 50 Jahren????

    2. Mangel an Fachkompetenzen (36%)

    Also früher war es ja mal so, dass man auch Quereinsteiger akzeptiert hat, training on the job gemacht hat etc…. heute erwartet man fertig ausgebildete Wollmilchsäue frei haus — und das nur noch — 100% passgenau — bloß keine Abweichung.

    Gäbe es einen MANGEL, dann wäre das nicht so!!!

    Volksverdummung mal wieder! „Skills shortage“ – fress meine Shorts!

  2. Beobachter sagt:

    Erst wenn die Einkommen der „Facharbeiter“ spürbar zu steigen beginnen, könnte man daraus folgern, daß „Facharbeiter“ schwer zu finden sind. Dies ist aber nicht der Fall.

  3. PeppermintPatty sagt:

    Jetzt mal ganz ketzerisch :
    Warum werden die offenen Stellen denn nicht mit den Fachkräften aus Ost-Europa besetzt ?
    :-)

  4. Alois Jäger sagt:

    Welch grosse Erkenntnisse!

    Handwerker mit ETH Ausbildung und 10 jähriger Erfahrung welche zu Praktikanten Löhnen selbst Firmenautos instandhalten und neue Kunden für die Firma einbringen bleiben weiterhin Mangelware.

  5. SoWieSo sagt:

    Das ewige Gejammere der Unternehmen wird zu einer Art Berufsport…

    • Hans von Atzigen sagt:

      Volle Zustimmung.
      Gewiss die Schweiz auch Deutschland sowie noch andere Staaten haben teilweise sehr gute Berufsbildungssysteme.
      Das Elende es gibt bald mehr in sich geschlossene Berufsbilder überfrachtet mit teilweise sinnlosem Müll. Die nicht selten nach Abschluss der Ausbildung nicht mehr gefragt sind.
      Da gibt es nur eine sinnvolle Lösung.
      Die Grundausbildung auf Kernberufsbilder zusammenstreichen.
      In einem 2.Schritt eine jeweils entsprechend Bedarfsgerechte Freiwillige und Betriebliche Weiterbildung.
      Beispiel Mechanik.
      Mechanik hat in allen Bereichen eine im Wesentlichen Identische Grundstruktur= Gesetzmässigkeit.
      Hat ein Auszubildender diese Kernkompetenz ist eine Auffächerung in spezifische Berufsbilder und Tätigkeiten gegeben.
      Das Erfordert Flexible Arbeitnehmer aber auch ein entsprechendes mitziehen der Arbeitgeber.

      • Jule sagt:

        die Überspezialisierung ist v.a. in der BRD ein Problem, weil man es hier schwer hat umzuschulen und ähnliches. DE – so sah ich heute wieder mal ene Grafik – hat immer noch mit die meisten Langzeitarbeitslosen der EU, auch wenn das demograhisch sinkt ein wenig.

        Wichtig wäre ein flexibles System lebenslangen lernens mit Umschulung, weiterbildung und eine wesentlich breitere! nicht verengte Grundausbildung, am besten Quereinsteigerfreundlich.

        In Norwegen ist das z.B. so — dort spezialisieren sich die Berufsschüler erst ab dem 2. oder 3. Jahr, Wechsel sind noch möglich und die Grundlagen decken mehrere Berufe zeitgleich ab. Wichtig auch, um das Arbeitslosigkeitsrisiko zu senken.

        Als schon ewig Stellensuchender kenn ich das Drama in DE – ich sing dir ein lied über überspezialisierte Ausbildung:

        ich lernte nen Beruf, über Bedarf
        der führte viele direkt in A-Losigkeit, viele Mädchen wurden Minijobberinnen damit – und Hausfrau fürwahr – nicht gebraucht das humankapital – wie wunderbar
        und die Ausbildung ermöglicht kaum Wechsel in andere Branchen, obwohl es anderswo ähnliche Berufe gibt
        Weiterbildung gab es auch für viele nicht, da in dem Bereich selten, kein Kammerberuf, sondern spezieller

        und nun den A-Markt betrachtet:

        1. viele über Bedarf ausgebildet Arbeitslose, diese ohne Weiterbildungen
        2. ausgeschriebene Stellen: gesucht in 98% der Fälle in dem Bereich: nur noch Personen mit Weiterbildung oder Studium

        Qualfikation der Arbeitslosen passt nicht mehr zu den Stellenausschreibungen meistens.