Ölfeldausrüster SBO kritisiert Bürokratie durch Sanktionen

Ölfeldausrüster SBO kritisiert Bürokratie durch Sanktionen Schoeller-Bleckmann warnt vor der ausufernden Bürokratie, die die Sanktionen gegen Russland nach sich ziehen. Jede Lieferung muss genehmigt werden. Kunden von Hochpräzisionsteilen sind zurückhaltend bei Neubestellungen.

Der österreichische Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann (SBO) bangt trotz der Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten nicht um seine Geschäfte. „Was im nächsten Halbjahr passiert, kann ich nicht vorhersagen, aber wenn das Umfeld gleichbleibt, dann rechne ich mit einer stabilen Entwicklung“, sagte Firmenchef Gerald Grohmann. Die Sanktionen gegen Russland oder Unsicherheiten durch Währungsabwertungen beunruhigten ihn derzeit kaum. Eine Prognose wagte das Unternehmen erneut nicht.

Kritischer sieht Grohmann die erforderlichen Genehmigungen für Russland-Exporte. „Das, was uns Sorge bereitet, ist der administrative Aufwand“. Jede Lieferung – auch wenn sie in konventionelle Lagerstätten geht – müsse genehmigt werden. „Ich hoffe, dass die Regierung und das Wirtschaftsministerium unterstützen und nicht allzu bürokratisch sind“. Der SBO-Chef erwartet, dass der Prozess nicht zu lange dauert, damit der Kunde nicht abspringt und bei einem anderen Lieferanten bestellt.

Im ersten Halbjahr haben sich die Auftragsbücher gegenüber dem Vorjahr wieder stärker gefüllt, doch Umsatz und operativer Gewinn (Ebitda) hinkten dem hinterher. Das Ebitda schrumpfte um 3,9 Prozent auf 65,9 Millionen Euro. Der Nettogewinn stieg aber um acht Prozent auf 30,3 Millionen Euro. Kunden von so genannten Hochpräzisionsteilen seien zurückhaltend bei Neubestellungen und würden mehr Reparaturaufträge vergeben, hieß es.

Zu schaffen machte dem Konzern der starke Euro, da dies die Einnahmen in den Schlüsselmärkten nach der Umrechnung schmälert. SBO macht fast 80 Prozent seines Geschäftes in Dollar. „Beim Umsatz hat uns der schwache Dollar im ersten Halbjahr etwa acht Millionen Euro gekostet, beim Vorsteuerergebnis vier Millionen Euro“, sagte Grohmann.

Die Wachstumsaussichten sieht der SBO-Chef, dessen Vertrag kürzlich bis Ende 2018 verlängert wurde, intakt: Der weltweite Energiebedarf steige und die Suche nach Öl- und Gas erfordere eine immer aufwendigere Technologie. In dieser Nische sind die Österreicher tätig. Sie produzieren Bohrköpfe und Bohrgestänge für die Suche nach Öl und Gas. Zu den wichtigsten Kunden zählen die US-Ölriesen Baker Hughes, Halliburton, Schlumberger oder Weatherford.

Inwiefern SBO direkt oder indirekt von den Sanktionen gegen Russland betroffen sein könnte, werde derzeit geprüft. Da noch viele Details unklar seien, kann das Unternehmen die tatsächlichen Auswirkungen vermutlich frühestens Ende 2014 einschätzen. „Russland liefert sehr zufriedenstellende Zahlen, aber man muss dazu sagen, dass die Sanktionen erst zwei Wochen alt sind“, sagte Grohmann. Hohe Einbußen fürchtet er künftig nicht. „Von den Sanktionen ist nur ein Teil des Öl- und Gasgeschäftes betroffen und zwar jener, wo es um unkonventionelle Lagerstätten geht.“

Betroffen sind laut einem SBO-Sprecher Bohrungen in der Arktis, spezielle Arten von Tiefseebohrungen sowie Schiefergasbohrungen. 90 Prozent der Energieproduktion in Russland würden aber aus konventionellen Lagerstätten – wie etwa herkömmlichen Ölfeldern – stammen. Obwohl Russland zu den bedeutendsten Förderländern zählt, liegt der Umsatzanteil des Landes für SBO nur im einstelligen Prozentbereich. Ein weit wichtigerer Absatzmarkt ist für die Österreicher Nordamerika.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.