Britische Firma produziert Treibstoff aus Wasser und Luft

Aus Wasser und CO2 stellt eine britische Firma Benzin her. 2015 soll bereits das erste Kraftwerk in Betrieb gehen, das den Treibstoff in großen Mengen produziert. Langfristig wollen die Forscher den Kraftstoff an jede Tankstelle bringen.

Das Verfahren ist dabei denkbar einfach, zumindest das Prinzip. Die Umsetzung ist schon aufwändiger. Grundsätzlich wird CO2 aus der Luft genommen und Wasserstoff vom Wasser gespaltet. In der neuen Verbindung aus Kohlenstoffdioxid und Wasserstoff entsteht Methan, das hierbei als Bio-Treibstoff produziert wird.

Hinter diesem Herstellungsprozess stecken die Wissenschaftler der Firma Air Fuel Synthesis (AFS). Sie geben zu: „Für manche Leute klingt das zu schön um wahr zu sein.“ Dennoch arbeiten dort erfahrene Forscher, Ingenieure und Geschäftsleute daran, dass die Idee eine kommerzielle Anwendung findet und weit verbreitet wird.

Das ganze Projekt begann vor rund zwei Jahren. Damals waren die Chemiker gerade einmal in der Lage innerhalb von etwa acht Wochen knapp fünf Liter Benzin herzustellen. Aber es ging anfangs auch nur darum die Theorie in die Praxis umzusetzen. Der Versuch ist geglückt und das Projekt konnte weiterentwickelt werden. Vor allem gab es dank den Anfangserfolgen auch zahlreiche Geldgeber, die den nächsten Schritt ermöglichten.

Dieser besteht darin ein Kraftwerk zu bauen, das in der Lage sein soll, jährlich 1,2 Millionen Liter Bio-Treibstoff herzustellen. Die Leistung soll danach weiter gesteigert werden. An der englischen Nordostküste im ländlichen Peterlee wird dieser Plan jetzt umgesetzt. Selbst beim Bau dieses Öko-Kraftwerks achtet AFS darauf, dass die Konstruktion „kohlenstoffneutral“ geschieht. Dazu wird als Energiequelle ausschließlich auf erneuerbare Energien gesetzt.

Insgesamt kostet das Projekt knapp 12 Millionen Pfund, also rund 15 Millionen Euro. Dabei wurden für den Bau 3,4 Millionen Euro veranschlagt und der Rest für die nächsten drei Jahre Laufzeit. Die Herstellung des Bio-Treibstoffs ist also in erster Linie gut für die Umwelt. Auf die ersten drei Jahre gerechnet kostet ein Liter des Benzins nämlich über vier Euro.

Sehr wahrscheinlich werden die Produktionskosten mit der Zeit senken. Professor Klaus Lackner von der Columbia Universität ist von dem Modell überzeugt: „Ich habe meine erste CD in den 1980er Jahren gekauft und sie kostete $20. Heute kann ich selber eine machen für weniger als 10 Cent. Die Kosten für eine Glühbirne sind um das 7.000-fache gefallen im letzten Jahrhundert.“

Das ist auch bei den fossilen Brennstoffen der Fall gewesen. So können heute ähnlich wie bei den Edelmetallen nur noch Rohstoffe abgebaut werden, wenn der Preis für das Endprodukt hoch genug ist. Die Stellen an denen günstig Erdöl gefördert werden kann, sind bereits erschlossen. Deshalb lohnen sich bestimmt kostenintensive Abbaumethoden nur abhängig vom Verkaufspreis. Diese Sorge wird AFS wohl kaum treffen. CO2 und Wasser sind reichlich vorhanden.

2015 soll das erste Kraftwerk voll funktionsfähig sein und seine Kunden bedienen können. Derzeit wird noch an dem Vertriebskanal gearbeitet, damit es auch ausreichend Abnehmer gibt für die Produkte von AFS. Vermutlich sollen weitere Produktionsstätten in England folgen.

Ziel ist es, das Konzept auch für die Autobranche nutzbar zu machen und gleichzeitig CO2 abzubauen. Die Auswirkungen können enorm sein. Allein bei dem Gedanken, wenn irgendwann die meisten Auto CO2 verbrauchen würden anstatt zu produzieren.

Im Jahr 2010 fuhren insgesamt erstmals eine Milliarde Automobile auf der Erde. Die Anzahl nimmt stetig zu. Einer Studie zufolge sollen2050 weltweit etwa 2,7 Milliarden Autos fahren. Der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß beträgt dabei mehrere Milliarden Tonnen. Genügend Treibstoff für dieses neue Konzept schwebt also auf jeden Fall in der Luft. Selbst wenn die Autos irgendwann umgerüstet werden und damit zu fahrbaren Recyclingmaschinen werden, wird die Industrie weiterhin für Kohlenstoffdioxid sorgen.

Bis diese Pläne umgesetzt werden, braucht es natürlich noch eine gewisse Zeit. Es gibt allerdings auch schon eine Studie von Air Fuel Systhesis mit einem Kraftwerk, das in der Lage ist 1.000 Tonnen Bio-Treibstoff pro Tag herzustellen. Die benötigte Energieleistung dafür soll 3.000 MW betragen und natürlich aus erneuerbaren Energien stammen.

Kommentare

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  1. haubichl sagt:

    Hier wird der geneigte Leser komplett auf den Arm genommen, denn dieses Verfahren ist Asbach uralt und wurde schon zur Mitte des letzten Jahrhunderts in Deutschland entwickelt und nennt sich Wassergasprozeß. Hier die chemischen Energiegleichungen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kohlevergasung
    All diese Syntheseverfahren wurden in den 1930-er & 1940-er Jahren im damaligen Deutschen Reich entwickelt, sowie die Fischer-Tropsch Synthese oder das Haber-Boschverfahren zur NH3 Gewinnung. Der Entwicklungsstand des damaligen Deutschland war um Lichtjahre weiter, als der Entwicklungsstand des heutigen vereinigten Wirtschaftsgebietes.

  2. Dirk sagt:

    Klingt wie Gold aus Blei oder Stroh, Alchemie oder Märchen?

  3. Albert Zweistein sagt:

    1. Die Rechnung wird ohne Räuber Staat gemacht.

    2. CO2 ist lebensnotwendig v.a. für Pflanzen. Aufhören mit CO2-Propaganda.

    • Robert sagt:

      Die CO2 Debatte ist ein Wahnsinn, man kennt scheinbar nicht den Unterschied zwischen CO2 und CO, dass ist unser Problem. Absolut richtig CO2 ist für die Photosyntese undablässlich.

  4. Christian Stroetmann sagt:

    Wie gesagt ist das Verfahren schon älter.
    Wir haben es zum Beispiel mit dem Projekt APE ESP von Style of Speed auf vier Räder gestellt.

    Mit schönen Grüßen
    Christian Stroetmann

  5. Singdrossel sagt:

    Wie bitte?

    Jetzt soll aus Atemluft und Trinkwasser Benzin hergestellt werden?

    Ich bin entsetzt.

  6. J4Y sagt:

    Funktionsweiße schleierhaft. Gibt auch die möglichkeit aus Plastik Müll Diesel zu gewinnen, allerdings hat es sich nie durchgesetzt. Müll wäre mehr als genug da.

  7. Christian Stroetmann sagt:

    Und die CO2 verbrauchende Fahrzeugtechnik findet man unter dem Abschnitt Antrieb (Propulsion) der Innovations-Pipeline von Ontonics (z. B. regenerativer Katalysator) sowie im Internetz.

    Einen ähnlicher Ansatz wie der im Bericht beschriebene ist übrigens das an unsere Gas Turbo engine (GTron) von Style of Speed angelehnte Projekt E-Gas von Volkswagen->Audi, das übrigens auch Methan aus Wasser und CO2 herstellt. Warum man zumindestens letzteres nicht erwähnt hat, bleibt uns schleierhaft.

    Mit schönen Grüßen
    Christian Stroetmann

  8. Hans von Atzigen sagt:

    Könnte ein Ansatz zur Lösung des Speicherproblemes im Bereich der sog. Regenerativen Energiegewinnung sein.
    Bliebe noch die Frage der Wirtschaftlichkeit,
    sowie damit verknüpft der Enderntefaktor.
    Wer da von einer grundsätzlichen Lösung der Energieproblematik träumt, der hat
    denn doch einige Grundsätzliche Energie-Physikalische Gesetzmässigkeiten nicht
    begriffen.
    Freundliche Grüsse

  9. giovanni gruen sagt:

    …das diese Synthese technisch moeglich ist ist unbestritten – nur die Energiebilanz wird erschreckend sein…