Mulmige Gefühle in Brüssel: Sanktionen könnten neue Rezession auslösen

Die EU macht sich Sorge, dass die Sanktionen gegen Russland Europa erneut in eine Rezession stürzen könnten. Nachdem die Sanktionen als Reaktion auf den Abschuss von MH17 verhängt wurden, ist der EU bewusst geworden, dass Europa von den russischen Gegenmaßnahmen wesentlich stärker betroffen ist als die Amerikaner. Die Tatsache, dass die Russen ebenfalls mit massivem Schaden rechnen müssen, verschafft kaum noch jemandem in Brüssel echte Genugtuung.

Der Handelskrieg mit Russland könnte Ökonomen zufolge rund 0,2 Prozentpunkte des Wachstums in der Eurozone kosten. Die ING-Bank hat ausgerechnet, das die Sanktionen die EU 6,7 Milliarden Euro kosten könnten, sowie 6 Prozent der Produktion und 0,04 Prozent des BIP. Carsten Brezki von der ING-Bank sagte dem EU-Observer , es sei „sehr schwer zu berücksichtigen, ob es irgendwelche negativen Überlauf-Effekte oder positive Faktoren wie mehr Nachfrage aus anderen Ländern oder die Rückführung von Auslandsinvestitionen geben könnte“.

Vor der Finanzkrise wäre ein Verlust von 0,2 Prozent demnach dem wirtschaftlichen Gegenwert eines Wespenstichs gleichgekommen – schmerzhaft, aber nicht von Dauer.

In der momentanen Situation jedoch, in der die Wirtschaft der Eurozone flach am Boden liegt, könnten diese 0,2 Prozentpunkte den Unterschied zwischen einem zumindest mageren Wachstum und dem schlimmsten Fall einer so genannten Triple-Dip-Rezession ausmachen. Die Aussicht, dass das Wachstum nach ein, zwei Quartalen schwacher Erholung ein drittes Mal zurück in eine Rezession rutscht, macht einen Aufschwung immer unwahrscheinlicher. Insofern sind diese 0,2 Prozentpunkte von hoher politischer und psychologischer Bedeutung für den Euro-Block.

Die ING schätzt zudem, dass das Verbot auch rund 130.000 Arbeitsplätze gefährden könnte. Auch dieser Schlag käme zu einer denkbar ungünstigen Zeit, zumal die EU seit Jahren kein Rezept gegen die zu hohe Arbeitslosigkeit findet (mehr hier und hier).

Die USA, Kanada und Nowegen sind von den russischen Sanktionen weitaus weniger betroffen: Ihr Handel betrug nur einen Bruchteil der 270 Milliarden Euro an Waren und Dienstleistungen, die allein 2012 zwischen Russland und der EU ausgetauscht wurde. Die EU fällt daher durch den Handelskrieg mit Russland noch weiter hinter die USA und China zurück.

Noch deutlicher als die EU dürfte es nur Russland selbst treffen: Ausländische Investoren haben seit Jahresbeginn bereits 60 Miliarden Euro aus Russland abgezogen, dias Wirtschaftswachstum ist von 1,3 auf 0,5 Prozent geschrumpft.

Bisher sieht es dennoch danach aus, als wollten beide Parteien es darauf ankommen lassen, wer den längeren Atem hat. Spätestens nach ein paar Monaten dürften jedoch beiden Beteiligen die Puste ausgehen (mehr hier).

Kommentare

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  1. Miesmacher sagt:

    Der „Westen“ ist ein Spielball der USA, die ihren „Weltkrieg“ planen, um aus der Krise zu gelangen. Blut statt Leistung war immer das Rezept der USA, um aus Schulden und Arbeitslosigkeit einen Sieg zu machen! Der Westen laviert zwischen Krieg und Rezession!

  2. hugin sagt:

    DEN SANKTIONEN FOLGT EINE WIRTSCHAFTSKRISE
    Die kommende Krise ist gewünscht ! „Machen wir eine große Krise und die Leute sind mit allem einverstanden“. Dann kommt die Freihandelszone und die „Neue Weltordnung“ !

  3. Jupp Hirsenkoetter sagt:

    Die Agitative Provokation auf Kiew von OSt und WESt muss beendet werden !
    Historisch ist die jetztige Ukraine eentstanden aus einem zerrissenen multi-ethnischen Gebiet, vorwiegend geteilt in West-und Ost Ukraine.
    weite Teile wurden 2x besetzt durch Deutsche im 1. und 2, Weltkrieg!
    Nach dem Untergang der KuK und waehrend der Russ. Revolution gab es schon zwei unabgaengige aber kurzlebige Ukrainische Staatsgebilde:
    die Ukrainische Nation – im Westen
    die Ukrainische Volksrepublik im Osten..

    mit der Gruendung der Sovjetunion 1922 wurde dieses Gebiet zur Ukrainischen SSR zusammengeschlossen.
    Eine Ukrainische Nationalitaet gibt’s erst seit den fruehen 30 er Jahren, als die Sovjets
    das Gebiet als Kornkammer misbrauchten.
    Der Sieg der Roten Armee ueber Hitlerdeutschland festigte erst die Urkrainische Sovjet Republik, Im Westen, mit Vertreibung der Polen. Nicht zuletzt wegen Nikita Chruschtschow hat die Ukraine ihre Nationalitaet innerhalb des Sovjets festigen
    koennen, durch finanzielle Hilfen aus Moskau.

    Der Westen muss sichschnellsten mit Putin an einen Tisch setzen und zu einer Loesung kommen, die die Ukraine, insbesondere die Ost-Ukraine als Gateway zum Osten und Zentral-Asien macht.
    Dabei muss den Russen im Osten eine Eigenstaendigkeit zugestanden werden, aehnlich den Deutsch-sprachigen in Ostbelgien, die zwar deutschstaemmig und deutschsprachig sind, aber eben auch selbstbewusste Separatisten in Belgier bleiben!

    –> dann ist schluss mit den Zerstoerungen, Menschenofern und den Sanktionen!
    Alle sind auf der Gewinnerseite!
    .
    Vaeterschen Frost kann dann niemanden in der Ukraine oder im Westen besiegen, wenn Gas und Oel aus Russland ueber die Ukraine weiterhin in den Westen gelangt.
    Durch die Sonder-Stellung der Ukraine kann diese dann am ehesten wirtschaftlich Fuss fassen : denn sie ist im WESTEN und im OSTEN enthnisch angebunden.
    Besser geht’s garnicht, fuer alle Beteiligten !
    Monsanti kann dann mit Zustimmung der EU seine Position im Westen der Ukraine beruhigt ausbauen mit genmanipulierten Getreidesorten… so rings um Tschernobyl….!

  4. Max sagt:

    Blinder Gehorsam unserer Polit-Vasallen auf die Befehle der Finanzmächtigen der Wall Street führen uns in das Desaster. Das ist m.E. so gewollt, denn wenn die grosse Krise in der EU erst da ist, dann fallen die Assets der Völker als einfache Beute in den Rachen dieser Finanzhaie. EU und Russland werden gegeneinander ausgespielt und Big Brother wartet ab und greift sich die Beute, wenn beide am Boden liegen. Die Beherrschung der Welt durch ein paar Finanzoligarchen der schlimmsten Art wird die Folge sein. Die US-Miltitärmacht dient zu deren Machterhalt und zur Unterdrückung der Massen.