Studie: Preisunterschiede reduzieren West-Ost-Gefälle

Wenn man das unterschiedliche Preiseniveau betrachtet, dann sei die Differenz bei der Einkommensarmut zwischen den alten und neuen Bundesländern wesentlich geringer, so das IW Köln. Die Armutsschwelle liege bei 870 Euro. Davon könne man in Stendal besser leben als in München. Zudem sei das Armutsrisiko in Städten deutlich höher als auf dem Land.

Das wirtschaftliche Gefälle zwischen West- und Ostdeutschland ist einer Studie zufolge geringer als allgemein angenommen. „Im Osten sind die Einkommen zwar niedriger, doch man kann sich dort für sein Geld mehr leisten als im Westen“, erklärte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) am Montag. Deshalb verringere sich die Differenz bei der Einkommensarmut deutlich, wenn das unterschiedliche Preisniveau mit einbezogen werde.

Zudem sei das Land-Stadt-Gefälle größer als vermutet. Denn auf dem Lande sind nach dieser Rechnung nur knapp 14 Prozent der Menschen arm, in den Städten hingegen 22 Prozent. Die rote Laterne hält hier Köln mit 26 Prozent vor Dortmund.

Als arm gilt, wer über höchstens 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt – der bundesweite Schwellenwert liegt derzeit bei 870 Euro, unabhängig vom Wohnort. Die Forscher argumentieren nun, dass jemand etwa aus dem strukturschwachen Stendal in Sachsen-Anhalt sich mit dieser Summe mehr leisten könne als ein Münchner. Um die „relative Einkommensarmut“ zu untersuchen, hat das arbeitgebernahe IW eine „Kaufkraftarmut“ berechnet. Diese zeige, „dass Ost und West unter Berücksichtigung der Preisunterschiede gar nicht so weit auseinander liegen“.

Zudem sei die Kaufkraft in den Städten deutlich geringer. Der Grund: „In den Großstädten sind die Preise um mehr als sechs Prozent höher als in ländlichen Gebieten und im Osten sieben Prozent niedriger als im Westen.“

Die Gruppen mit höherem Armutsrisiko machten in den Städten fast zwei Drittel der Bevölkerung aus, auf dem Land aber weniger als die Hälfte: Arbeitslose, Alleinerziehende, Alleinstehende und Personen mit ausländischen Wurzeln. Um Menschen aus der Armutsfalle zu holen, müsse die Politik vor allem die Arbeitslosigkeit verringern, fordert das IW-Institut. Wichtig seien auch gute Kinderbetreuung sowie Nachschulungen und gezielte Sprachförderung für Migranten. Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro ab 2015 gehe in die falsche Richtung und werde im Osten viele Arbeitsplätze kosten (mehr hier).

Kommentare

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  1. Ich sagt:

    Hat man das wirklich erst jetzt bemerkt?

    Oder wurde das unwirklich höhere Gefälle absichtlich jahrelang genutzt, um einem Teil der Bevölkerung mit solchen „Sprüchen“ Geld aus den Rippen zu leiern?

  2. darilari sagt:

    Ich war eine Zeit lang in Köln zum Studieren, in einer nicht gerade günstigen Gegend (Innenstadt). Trotzdem ist die Gegend ein Brennpunkt gewesen, und ich habe auf den Straßen viel Armut und besonders- viel Gewalt erfahren. Ich denke mittlerweile, dass der Drang in die Stadt hauptsächlich mit der veränderten Arbeitswelt zu tun hat: Die Firmen bieten die guten Jobs eben in der Großstadt an.
    Ich bin froh dass ich aus dem Moloch raus bin. Lärm, schlechte Luft, Hundedreck überall, UNfreundliche und gehetzte Menschen, Kriminalität, Anonymität mit pseudo-Kontaktfreudigkeit und wenig Platz. Das leben am Rande einer mittelgroßen Stadt in der nähe von „Metropolen“ ist mir viel lieber, günstiger, ruhiger und freundlicher, und ich bin dankbar dass mir die Möglichkeit gegeben wurde hier zu leben.
    Allerdings eine solche Häufung von Problemen scheint mir auch ein Problem multikultureller Gesellschaften. In Teheran oder Phnong Penh fühlte ich mich zumindestens sicherer im Alltag, was ja zunächst einmal absurd scheint.