DIW: Rezessions-Gefahr ist „ernst zu nehmen“

Ökonomen erwarten nach dem deutlichen Dämpfer im zweiten Quartal einen weiteren Abschwung für die deutsche Konjunktur. Das DIW spricht von einer „ernsten“ Rezessionsgefahr. Der GfK-Konsumklima-Index sinkt so stark wie zuletzt vor drei Jahren.

Das DIW-Institut sorgt sich um stärkeren Gegenwind für die Konjunktur in Deutschland. „Die Gefahr einer Rezession ist durchaus ernst zu nehmen“, sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner am Mittwoch. Die Berliner Forscher sprechen in ihrem aktuellen Konjunkturbarometer von gedämpften Aussichten und rechnen mit einer Stagnation der Wirtschaft im laufenden Quartal. „Die deutlich eingetrübte Unternehmensstimmung wie auch die Auftragszahlen lassen bereits schwache Investitionen erwarten.“ Es gebe derzeit viele Belastungsfaktoren, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung mit. „Die Weltkonjunktur verliert an Fahrt, die Entwicklung ist in vielen Ländern fragil, darunter in Italien und Frankreich.“

Die Ukraine-Krise verunsichert zusehends die deutschen Verbraucher. Ihre Stimmung trübt sich derzeit so stark ein wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr, prognostizieren die Nürnberger GfK-Marktforscher in ihrem am Mittwoch vorgelegten Barometer. Der Index für das Konsumklima im September verschlechtert sich demnach um 0,3 auf 8,6 Zähler. Das ist der erste Rückgang seit Januar 2013 und zugleich der kräftigste seit Mai 2011. Die Bürger treibt vor allem die Furcht um, dass die Wirtschaft unter den internationalen Krisen leidet. „Die Verbraucher gehen davon aus, dass die Konjunktur mindestens einen Gang zurückschalten dürfte“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl.

Diese Sorge beeinträchtigt ihre Bereitschaft jedoch kaum, teure Güter wie Möbel oder Autos zu kaufen. „Die Krise um die Ukraine wirkt auf die Bürger noch eher als eine abstrakte Bedrohung“, erläutert der Konsumforscher. Es sei bezeichnend, dass der letzte große Dämpfer für die Verbraucherstimmung ebenfalls Folge einer Verunsicherung gewesen sei: Im Frühjahr 2011 hatten die Atomkatastrophe von Fukushima und die Revolutionen in Nordafrika das Konsumklima belastet.

Die Einzelhändler reagierten gelassen und verwiesen auf die noch sehr hohe Anschaffungsneigung. „Die gute Einkommenssituation und die hohe Beschäftigung tragen dazu bei, dass die Leute nach wie vor bereit sind, einzukaufen“, sagte ein Sprecher vom Handelsverband HDE. „Da ist erst einmal alles intakt und keine Eintrübung zu erkennen.“ Auch Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank betonte: „Das deutet darauf hin, dass die Verbraucherausgaben vorerst nicht schrumpfen dürften – jedenfalls solange die Krise in der Ukraine nicht den Arbeitsmarkt erreicht.“

Am Aktienmarkt sorgten die GfK-Daten zunächst für Ernüchterung, da Fachleute ein unverändertes Konsumklima erwartet hatten. Der deutsche Leitindex Dax lag am Vormittag mit 9570 Zählern leicht im Minus. Die Eskalation der Situation im Irak, in Israel, der Ukraine sowie die sich schneller drehende Sanktionsspirale mit Russland sorgt den Marktforschern zufolge für Verunsicherung: „Das hat die bislang überaus optimistischen Konjunkturaussichten der Bundesbürger negativ beeinflusst“, sagte Bürkl. Sie befürchten, dass die heimische Konjunktur wegen der verschärften geopolitischen Lage schlechter laufen könnte.

Nach dem starken Jahresauftakt war die deutsche Wirtschaft im Frühjahr um 0,2 Prozent geschrumpft und damit so stark wie seit gut einem Jahr nicht mehr. Auch für das laufende Quartal befürchten Volkswirte eine Stagnation. Das GfK-Barometer zu den Konjunkturerwartungen verlor im August 35,5 Punkte und sackte auf 10,4 Zähler. Einen solchen Einbruch gab es laut GfK seit Beginn der Umfrage 1980 noch nie. „Sollte sich die Situation in den Krisenherden weiter verschärfen in den nächsten Monaten, hat das sicherlich deutlichere Auswirkungen auf das Konsumklima, als wir sie bislang sehen“, sagte Bürkl zu Reuters TV.

Kommentare

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  1. Syssiphus sagt:

    Solange die Leute ihr Geld vor der Entwertung durch die schleichende Inflation in Ware umsetzen ist alles in Butter,aber irgendwann ist alles verfrühstückt und es langt nur noch von der Hand in den Mund.

  2. Zeitzeuge sagt:

    Am 1. September 1939 hat die Mehrzahl der Deutschen, vor allem die älteren, die den 1. Weltkrieg und die Zeit der englischen Seeblockade danach selber erlebt hatten, welche Tausenden von Deutschen das Leben gekostet hatte, auch nicht gejubelt…