Migranten gründen überdurchschnittlich oft ein Geschäft

Zwanzig Prozent aller Gründer in Deutschland sind Migranten. Sie stammen aus der Türkei, Polen und Russland. Ein Drittel der Gründer aus dem Ausland schafft von Anfang an Arbeitsplätze. Migranten aus der EU haben eine verbesserte Chance, in Deutschland Arbeit zu finden. Das senkt ihren Anreiz, ein Geschäft zu gründen.

Etwa jeder fünfte Gründer in Deutschland ist ein Migrant. Gründer machen eine Volkswirtschaft zukunftsfähig. Sie halten den Erneuerungs- und Effizienzdruck auf bereits bestehende Unternehmen hoch. Migranten tragen einen „höheren Beitrag zum Gründungsgeschehen bei, als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht“, berichtet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Sie nehmen dabei meistens eine Vollerwerbsgründung in Angriff. Unter ihnen gibt es aber auch einen großen Anteil an verhinderten Gründern – also Personen, die ihren Gründungsplan nach reiflicher Überlegung wieder verworfen haben. Als Begründung führen sie die Sorge an, einen attraktiven Job zu verpassen. Der Anteil der verhinderten Gründer hat sich von 2011 (22%) auf 2012 mehr als verdoppelt (48%).

Viele junge Migranten befinden sich unter den Gründern. „Der Anteil der bis zu 30 Jahre alten Gründer lag 2013 bei den Migranten mit 48 Prozent deutlich höher als bei den Gründern insgesamt mit 37 Prozent“, so die KfW. Viele schaffen durch eine Gründung direkt den Sprung aus der Erwerbsinaktivität (33% im Jahr 2012). Das bedeutet, dass sie vor der Gründung noch zur Schule gingen, studierten oder Vollzeit den Haushalt führten.

In den letzten Jahren regelmäßig zu beobachten sei dagegen ein unter Migranten höherer Anteil von Gründern, die aus der Arbeitslosigkeit gestartet sind (2013: 20%, 2012 14%). Eine Not zur Existenzgründung bestehe aber nicht. Migranten machen sich geringfügig häufiger aufgrund von mangelnden Erwerbsalternativen selbstständig als der durchschnittliche Gründer.

„Knapp 60 Prozent der Migranten gründeten 2013 aufgrund einer konkreten Geschäftsidee. Damit bringen sie häufiger Neuheiten auf den Markt“, so die KfW. Insofern beschäftigten 42 Prozent Migranten auch häufig von Anfang an Mitarbeiter. Insgesamt schaffen 29 Prozent der Gründer Arbeitsplätze.

Der Anteil von selbstständigen Migranten ohne Schulabschluss (44%) ist bedeutend höher als der des durchschnittlichen Gründers (23%). Im Ausland erworbene Schulabschlüsse werden in Deutschland oft nicht anerkannt. Mit dem Anerkennungsgesetz sollen sich die Chancen auf Anrechnung einer im Ausland vollbrachten Berufsausbildung jedoch verbessert werden.

Etwa 49 Prozent der Migranten unter 30 Jahren haben keinen Berufsabschluss. Der Anteil der Frauen unter den Gründern aus dem Ausland lag 2013 bei nur 34 Prozent, ein Rückgang um neun Prozentpunkte zum Vorjahr. Dafür sind Frauen bei den Nebenerwerbsgründern häufiger anzutreffen (49%).

Die meisten Gründer aus dem Ausland sind Türken (21%) sowie Migranten russischer (10%) oder polnischer (7%) Abstammung. Italienischer Abstammung sind noch fünf Prozent der Gründer mit Migrationshintergrund.

Die Gründungsneigung ausländischer EU-Bürger in Deutschland schwankte in den vergangenen Jahren relativ stark:

„Der Anteil von Personen aus den EU-28-Ländern an den Gründern unter den Migranten hat sich von 2008 bis 2011 halbiert (45% auf 22%), ist in den vergangenen beiden Jahren aber wieder bis über sein Ausgangsniveau gestiegen: 2013 kam knapp die Hälfte (48 %) der Gründer unter den Migranten aus Ländern der EU-28.“

Statistisch gesehen haben Migranten aus der EU eine etwas bessere Ausbildung und auch bessere Aussichten auf darauf, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Das senkt jedoch ihren Anreiz, sich selbstständig zu machen.

Migranten sind im Handel überrepräsentiert (26%), zählt man Branchen zusammen sind es nur 16 Prozent. Ansonsten sind sie in den gleichen Branchen tätig, wie der durchschnittliche Existenzgründer.

Kommentare

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  1. darilari sagt:

    Ich denke schon dass Ausländer besonders häufig erfolgreich unternehmerisch tätig sind, besonders auch weil die Deutschen oft zu feige sind ein Unternehmen zu gründen. Die junge Generation in Deutschland will sich am liebsten verbeamten lassen. Als Fremder in Deutschland der natürlich in gewisser Weise benachteiligt ist, ergreift man eher die Flucht nach vorne.
    Ausländer wissen auch besser den Staat auszutricksen. So die türkische Metzgerei die einen als Aushilfe meldet und in Wirklichkeit den ganzen Tag arbeiten lässt, den Rest kriegt der Aushilfs-Migrant der auch keine feste Stelle finden würde, aufgrund von Sprach-Schwierigkeiten etc., schwarz auf die Hand. So geht das in vielen Branchen, und oft werden auch deshalb denke ich Deutsche eher verdrängt, wenn mal eine Krise kommt.
    Trotzdem würde ich sagen dass die selbstständige Tätigkeit der Ausländer für Deutschland ein Pluspunkt ist, und umgekehrt auch, dass viele Deutsche einfach auf dem falschen Dampfer sind, mit ihrem Unwillen zur Selbstständigkeit. Das erinnert mit an das Denken eines Kommunisten der von Geburt bis zum Tod alles abgesichert hat, und daher niemals unabhängig wird.

  2. Loewe sagt:

    Die Aussage ist DER Hammer. Wenn man hinter diese Zahlen schaut fällt auf, daß es immer die selbe Masche ist: Unternehmen gründen, ca ein Jahr nix erwirtschaften, dann in Konkurs gehen und der Zugang zum Sozialsystem ist geschafft. Eine beliebte Nummer bei Rotationseuropäern.
    Besser wäre es gewesen, diese Meldung zu erweitern und zu beleuchten, wie der wirtschaftliche Erfolg dieser Unternehmen nach 3 Jahren ist.
    Ein Dönerladen, ein Telefonshop oder ein An-und Verkauf von Handys , ein Abbruchunternehmen wird idR nicht den Gewinn abwerfen, um die im Allgemeinen kinderreichen Ausländerfamilien zu ernähren.
    Sicher fehlt bei den Deutschen die Risikobereitschaft, aber ob das immer vom Nachteil ist? In Österreich muß innerhalb von 3 Jahren mit dem Unternehmen ein Gewinn erwirtschaftet werden. Ansonsten geht das Finanzamt von einem Hobby aus und macht den Laden wieder dicht. In Deutschland werden dann einfach Sozialhilfe, Zuschüsse und Förderungen beantragt und weiter rumgepfriemelt. Hauptsache selbstständig….der Steuerzahler wirds schon stützen……

    • Max sagt:

      So ist es, wie Sie schreiben. Angestellt werden Verwandte und Familienangehörige. Diese Scheinjobs sind dann die Voraussetzung für die Beantragung von Sozialleistungen. Derartige Berichte sind schnell als Märchen entlarvt. Wenn man mit offenen Augen durch unsere Städte geht, dann sieht man die Wirklichkeit, wie sie tatsächlich ist. Wie lange lassen wir Deutschen uns noch belügen und abzocken?

  3. PeppermintPatty sagt:

    Und wenn wir durch die Städte laufen, sehen wir, was für Geschäfte das sind….. Gemüsehandel, Friseur. Und die Arbeitsplätze werden wohl auch nur für Verwandte und Freunde geschaffen