Deutschland wird zum Altenheim: Knapp 20 Prozent weniger neue Schüler

Im vergangenen Schuljahr wurden in Deutschland um 18 Prozent weniger neue Schüler eingeschult als im Jahr 2000. Eine geringere Geburtenrate haben in Europa nur noch Griechenland und Italien. Die Alten vereinsamen, weil sie keine Familien mehr haben. Die Gesellschaft bricht auseinander. Eine der Ursachen liegt darin, dass viele Arbeitnehmer länger arbeiten müssen und schlechter bezahlt werden. Kinder sind zum Luxus-Gut geworden.

Nach den heutigen neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts ist die Zahl der Einschulungen 2013/14 gegenüber dem Schuljahr 1999/2000 um 18 Prozent zurückgegangen, im früheren Bundesgebiet allein sogar um 23 Prozent, also fast ein Viertel (Abb. 18449).

Die deutsche Geburtenrate ist eine der niedrigsten in West-Europa, nur noch vom krisengeschüttelten Griechenland unterboten und auf dem Niveau der ebenfalls von der Krise betroffenen Länder Griechenland und Italien (Abb. 18222).

Gegenüber Anfang der 60er Jahre hat sich die deutsche Geburtenrate halbiert (Abb. 18450). Die Geburtenziffer pro Frau im gebärfähigen Alter ist auf 1,38 gefallen (Abb. 14806), was einen weiteren Rückgang der Geburten mit sich bringen wird. Sie pendelt nun schon seit fast 40 (!) Jahren um diesen niedrigen Wert und zeigt keine Tendenz zu einer Wiederbelebung

Eine Gesellschaft mit derartigem, oft finanziell erzwungenem Kindermangel kann keine dauerhaft glückliche sein. Schon die Alterslasten werden verdammt schwer auf die jüngeren Generationen drücken. Nach UN-Projektion wird Deutschland nach Japan in 15 Jahren mit 37 Prozent den höchsten Anteil derer über 60 Jahren haben und das mit weiter steigender Tendenz; 1990 waren es noch 20 Prozent – in so wenigen Jahren ein dramatischer Umbau der Bevölkerung. Der Anteil der Bevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahre wird um 2060 nur noch wenig mehr als die Hälfte betragen, während es 1985 noch 70 Prozent waren (Abb. 18451).

Sehr viele dieser alten Menschen werden keine Kinder haben, die sich um sie kümmern können und ein großer Teil wird sich in Alten- und Pflegeheimen einsam fühlen. Gerade der Anteil der pflegebedürftigen Alten wird immer weiter ansteigen. Kamen 1990 auf je 100 Menschen im Alter von 65 Jahren und älter noch fast 200 Jüngere im Alter bis 24 Jahre, so werden es nach den Projektionen der UN für Deutschland in 25 Jahren nur noch 69 sein (Abb. 18452). Der Anteil der Jüngeren pro Ältere wird also geradezu zusammengebrochen sein. Die Meisten der heute Lebenden werden diese Situation selbst noch erfahren.

Dabei ist die Demographie ein schwerer Tanker, dessen Kurs sich nur über Jahrzehnte sehr langsam ändern lässt. Die Frauen, die über die Zahl der Kinder in der nächsten Generation entscheiden, sind von der Zahl her bereits abgerutscht und können schon deshalb nur noch sehr viel weniger Kinder in die Welt setzen als ihre Mütter. Jeder kann die Rechnung selbst machen: Bei einer Fruchtbarkeitsrate von 1,4 haben 100 Frauen im Durchschnitt 70 Töchter und nur noch 49 Enkelinnen, in zwei Generationen also eine Halbierung des Nachwuchses.

Die Gründe für den Kindermangel sind natürlich zahlreich. Einer dürfte in der zunehmenden Zahl an Nebenjobs und der damit verbundenen noch zusätzlichen Arbeitsbelastung liegen. Nach einer neuen Befragung für den “Deutschen Freizeit-Monitor 2014″ gab fast jeder Vierte an, mindestens einmal pro Monat in der Freizeit für zusätzliches Geld in der Tasche zu arbeiten. 2007 waren es noch 13 Prozent gewesen. Der Anteil steigt, so der Studienleiter Prof. Reinhardt, mit der Notwendigkeit, die Kosten des Alltags besser bewältigen zu können. Damit steige die Zahl der Menschen, die in ihrer Freizeit zusätzlich arbeiten müßten.

Die verstärkte Zeitnot in der Konkurrenz zwischen Geldverdienen und Familie ist zugleich einer der wichtigsten Gründe, warum nach einer anderen Umfrage der Stiftung für Zukunftsfragen viele Deutsche keine Familie mit Kindern gründen wollen oder können. Eine Mehrheit von 59 Prozent hält die Karriere für wichtiger als Familiengründung; für 54 Prozent ist die Karriere schlecht mit Familie vereinbar. Für noch mehr Menschen, nämlich 61 Prozent der Befragten, kosten Kinder zu viel Geld und 62 Prozent geben an, lieber frei und unabhängig sein zu wollen.

Tatsächlich verdrängt die deutsche Arbeitswelt immer mehr den Kinderwunsch. Nach Griechen und den Niederländern arbeiten die Deutschen am häufigstens in Westeuropa auch abends (Abb. 18369). Atypische Arbeitszeiten haben über das letzte Jahrzehnt stark zugenommen (Abb. 17433). Bezahlte und unbezahlte Überstunden machen fast 6 Prozent der regulären Arbeitsstunden aus. 2,7 Millionen Beschäftigte nehmen noch einen zweiten Nebenjob auf ihre Schultern, mehr als doppelt so viele wie noch vor 10 Jahren (Abb. 14986).

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Auch die immer stärkere soziale Aufspaltung der deutschen Gesellschaft bei Einkommen und Vermögen spielt eine unheilvolle Rolle. Je niedriger das Haushaltseinkommen desto höher der Anteil kinderloser Frauen, eine sehr unheilvolle Gleichung aus der erhärteten statistischen Erfahrung von 2012 (Abb. 17894) und einer der Gründe, warum die Kinderlosigkeit zunimmt (Abb. 17893). Das Geburtenverhalten der Frauen, die Kinder bekommen, hat sich über die letzten Jahrzehnte nicht wesentlich verändert. Was sich verändert hat und die Geburtenrate drückt, ist allein der Anteil total kinderloser Frauen.

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Joachim Jahnke, geboren 1939, promovierte in Rechts- und Staatswissenschaften mit Anschluss-Studium an französischer Verwaltungshochschule (ENA), Mitarbeit im Kabinett Vizepräsident EU-Kommission, Bundeswirtschaftsministerium zuletzt als Ministerialdirigent und Stellvertretender Leiter der Außenwirtschaftsabteilung. Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London, zuletzt bis Ende 2002 als Mitglied des Vorstands und Stellvertretender Präsident. Seit 2005 Herausgeber des „Infoportals“ mit kritischen Analysen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung (globalisierungskritisch). Autor von 10 Büchern zu diesem Thema, davon zuletzt „Euro – Die unmöglich Währung“, „Ich sage nur China ..“ und „Es war einmal eine Soziale Marktwirtschaft“. Seine gesellschaftskritischen Analysen beruhen auf fundierter und langjähriger Insider-Erfahrung.

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Sein Buch über das Ende der sozialen Marktwirtschaft (275 Seiten mit 176 grafischen Darstellungen) kann unter der ISBN 9783735715401 überall im Buch- und Versandhandel für 15,50 Euro bestellt werden, bei Amazon hier.

 

Kommentare

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  1. haubichl sagt:

    Aha, unsere Politdilettanten haben ein Problem ausgemacht, Guten Morgen kann man da nur sagen & selbst Schuld. Das Volk hat mit den Füßen abgestimmt und das gleich doppelt. Jedes Jahr verschwinden über 200000 deutsche Autochthone in die ganze Welt, weil hier der Wahnsinn regiert und keiner auf diese Knechtschaft mehr Bock hat. Und die zweite Gruppe setzt aus demselben Grund erst gar keine Kinder in diese Welt-sehr richtig bedacht lieber Normalmichel. Die Raffkes da oben sollen doch zusehen wie sie mit ihren multikulturellen Messerschnitztechnikern klar kommen- viel Spaß im Migrantenstadl. Mal sehen ob die kleinen Kopftuchmädchenproduzenten überhaupt in der Lage sind Geld für die Renten & Pensionen zu erwirtschaften- Ha, Ha…
    Jetzt gibts die Vollklatsche und das ist auch gut so!

  2. Demokratur sagt:

    @darilari

    Richtig erfasst!
    Ein Fachkräftemangel herrscht wirklich nicht!
    Video dazu: Das Märchen vom Fachkräftemangel
    http://www.youtube.com/watch?v=lFq2aAcf-8s

    Angesichts dieser dramatischen Überalterung überlege ich mir jedoch genau, ob ich irgendeinem Kind antun werde in diese zerfallende Gesellschaft hineingeboren zu werden, die droht in einer Gerontokratie zu münden, wenn sich diese Entwicklung so fortsetzt. Auswandern wäre evtl. eine gar nicht so schlechte Idee…..

    Überalterung: Video dazu: 2030 Aufstand der Jungen
    http://www.youtube.com/watch?v=JUS8RPdjnSU
    Kerngedanke hierzu (als Spielfilm natürlich dramaturgisch aufgeblasen, aber im Kern eine realistische Vision, vlt. aber auch erst für das Jahr 2050 angebracht)

    Gruß, BWL-Student, 20 Jahre alt

    Hier mein eigentliches Kommi:

    Ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass die Politiker vlt. gerade auch deswegen den Fachkräftemangel propagieren, weil sie ( neben der Absicht die eh schon reichen Großindustriellen durch das Drücken der Löhne über die Schaffung ausländischer Konkurrenz durch diese „Mangelberufe“, siehe alle Arten von Ingenieuren, noch reicher zu machen) merken, dass Deutschland vor dem gewaltigen Problem der Überalterung steht.
    Die CDU dürfte damit noch das geringste Problem haben, sind ihre bedeutensten Wählerschichten eh bereits die eher älteren Menschen (siehe Wahlgeschenk „Rente mit 63“; volks- und betriebswirtschaftlich gesehen absoluter Schwachsinn, wie mir auch nochmals durch mehrere meiner Professoren bestätigt wurde)
    Dennoch haben sie erkannt, dass sie bei Fortsetzung dieser dramatischen Bevölkerungsentwicklung irgendwann in der kommenden Generation vor einem gewaltigen Scherbenhaufen stehen werden.
    Anscheinend sieht unsere (damals) schwarze (bzw. inzwischen schwarz-rote) Regierung die Entwicklung hin zu einer womöglichen Gerontokratie doch noch kritisch genug angesichts der damit einhergehenden Lähmung der Wirtschaft, die einen Wegzug der Unternehmen mit sich bringen wird, woraufhin auch die gut ausgebildeten und mobilen Arbeitnehmer wegziehen werden und das sind gerade die jüngeren!

    Gerade aufgrund dieser fatalen Aussichten ist mir jedoch schleierhaft, wieso die Regierung nicht in Erwägung zieht mehr Kitas zu bauen, die Ganztagsbetreuung voranzutreiben und der zunehmenden Versklavung der Bevölkerung durch die großen Unternehmen Einhalt zu gebieten durch Begrenzung der wöchentlichen Arbeitszeit bzw. familienfreundliche Arbeitsregelungen.

    Vmtl. spielt die zunehmende wirtschaftliche Konkurrenz durch die korrupte autoritäre VR China und die ebenso korrupte „Demokratur“ Indien eine bedeutende Rolle, weil diese zudem mit einer Bevölkerungsexplosion „gesegnet“ (dank Unterdrückung der niederen Bevölkerungsschichten) sind, welche der Wirtschaft ein gigantisches modernes Skalvenheer für die Billigproduktion bereitet.
    Da deren Produkte jedoch immer qualitativer werden, müssen wir irgendwie mithalten. Wenn wir den höheren Preis jedoch nicht mehr mit einer deutlich höheren Qualität rechtfertigen können, müssen wir billiger anbieten, also den höchsten Kostenfaktor, die Lohnkosten deutlich abbauen. Genau das passiert schon seit der Jahrtausendwende und insbesondere seit der Finanzkrise und jetzt während der Eurokrise.

    Wer meint heute herrscht Frieden der irrt!
    Die meisten Kriege werden heute direkt mit Geld bzw. Währungen ausgetragen!

    Si vis pacem para bellum – vgl. Flavius Vegetius Renatus

  3. darilari sagt:

    >in 15 Jahren mit 37 Prozent den höchsten Anteil derer über 60 Jahren haben und das mit weiter steigender Tendenz

    Deutschland hat sich schon lange für „offene Türen“ entschieden, und das Institut der Deutschen Wirtschaft trommelt der Fachkräftemangel würde drücken, zudem die EU-Personenfreizügigkeit.
    Deutschland wird somit zum Wohnort von Menschen aus der ganzen Welt, das Problem des Arbeitskräfte-Mangels ist somit keines das irgendjemand sorgen machen müsste, es sei denn er will die Löhne weiter drücken. Im Gegenteil: es gibt denke ich mehr als Genug Menschen aus dem In-und Ausland die arbeiten wollen.
    Ich stimme aber zu, dass die Deutsche Gesellschaft kaputt ist. Ich war selber bei den Maltesern als Hausnotruf: Ältere Leute drücken einen roten Knopf und ich eilte mit dem Malteser-Skoda zur Hilfe. In der kurzen Zeit lernte ich, unter welch jämmerlichen Verhätnissen viele Deutsche leben. Bei manchen war offensichtlich, dass sie mich nur riefen, weil sie einsam waren, vielleicht war ich der einzige, mit dem sie seit Wochen gesprochen haben. Andere lebten verwahrlost, allein in ihrem eigenen Dreck. Ich schwor mir damals nie so zu enden, und alleine deshalb eine Familie zu gründen. Bisher bin ich dazu aber nicht gekommen. Bin jetzt 23.