Energiekonzern Verbund kann dem Sparzwang nicht entkommen

Ein regenreicher Sommer hat das Energiegeschäft von Verbund bislang belebt. Dennoch reicht das nicht aus, um den harten Sparkurs verlassen zu können. Verbund muss seinen Sparmaßnahmen von 130 Millionen Euro vielleicht noch ausweiten. Die Rating-Agentur Moody’s senkte bereits den Ausblick für Verbund von „stabil“ auf „negativ“.

Österreichs größter Stromkonzern Verbund hat im Gegensatz zu vielen Urlaubern Freude an den starken Regenfällen in diesem Sommer. Da die Flüsse in Österreich und Bayern in den vergangenen Wochen deutlich mehr Wasser geführt hätten als im ersten Halbjahr, sieht Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber seine Prognose für das Gesamtjahr gut abgesichert: „Mein Urlaub war zwar ziemlich nass, aber das hat einen positiven Effekt für das Geschäft.“ Der Versorger aus Wien erzeugt rund 90 Prozent seines Stromes in Wasserkraftwerken, die an Donau und Inn liegen. Mit insgesamt 125 Wasserkraftwerken zählt der Konzern zu den größten Stromerzeugern in Europa.

Das könnte jedoch nicht ausreichen, um die angepeilten Ziele noch zu erreichen. Wegen des schwierigen Marktumfeldes könnte Verbund den Gürtel künftig noch enger schnallen müssen. Die geplanten Sparmaßnahmen von 130 Millionen Euro bis 2015 könnten weiter verschärft werden. „Sparen hat immer Saison, ich kann absolut nichts ausschließen“, betonte Anzengruber. Derzeit würden alle Bereiche überprüft und bis Anfang nächsten Jahres soll eine Entscheidung getroffen werden. Neben dem Abbau von 250 Arbeitsplätzen – durch natürliche Abgänge und flexible Arbeitszeitmodelle – seien weitere Stellenstreichungen nicht auszuschließen. Derzeit sei dies aber kein Thema, sagte Anzengruber. Unter die Lupe nehmen will der Verbund-Chef auch die bereits zusammengestutzten Investitionen von 1,5 Milliarden Euro bis 2018. So sollen zwar keine Projekte fallen gelassen werden – der Großteil sind Investitionen in die Netzinfrastruktur –, aber der Zeitplan könnte gestreckt werden. Ursprünglich waren Investitionen von über zwei Milliarden Euro geplant.

Die Ratingagentur Moody’s hat den Ausblick für Verbund gesenkt. Die Agentur stufte die Perspektiven für das Unternehmen nun als „negativ“ statt wie bisher als „stabil“ ein, wie Moody’s mitteilte. Begründet wurde der Schritt mit den anhaltenden schwachen Strompreisen und den damit zusammenhängenden negativen Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit von Österreichs größtem Stromkonzern. Hier zeichne sich mittelfristig keine Besserung ab.

Die Bonitätsnote wurde von Moody’s mit „Baa1“ bestätigt. Allerdings erwartet die Ratingagentur, dass die Kreditkennzahlen 2014 unter die Bewertungsgrenzen des derzeitigen Ratings von „Baa1“ fallen werden. Die von Verbund eingeleiteten Kosteneinsparungen von 130 Millionen Euro bis 2015, die Restrukturierungsmaßnahmen bei den Gaskraftwerken in Österreich und Frankreich sowie der angekündigte Ausstieg aus der Sorgenia-Beteiligung in Italien würden den Druck auf den Cash Flow nur teilweise vermindern, erklärte Moody’s. Dagegen sprächen auch die Investitionspläne für die kommenden vier Jahre von rund 1,5 Milliarden Euro.

Geringe Niederschlagsmengen im ersten Halbjahr hatten zuletzt am Gewinn des Wiener Konzerns genagt. Die für die Ergebnisentwicklung wichtige Wasserführung der Flüsse lag um sieben Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. „Der Abstand aus dem ersten Halbjahr ist relativ groß, so dass wir nicht annehmen, dass er eliminiert werden kann, aber er kann reduziert werden“, sagte Anzengruber. Die Prognose für 2014 betrachtet der Verbund-Chef nun als gut abgesichert, denn diese stützt sich auf die Annahme einer durchschnittlichen Wasserführung in der zweiten Jahreshälfte. Bei geringen Niederschlagsmengen hätte die Prognose eventuell erneut nach unten geschraubt werden müssen. Der mehrheitlich im Staatsbesitz stehende Konzern musste bereits zweimal seine Gewinnerwartung für das laufende Jahr kippen.

Ein wesentlicher Grund für die Gewinnwarnung waren die stark gesunkenen Strom-Großhandelspreise, für die der Verbund-Chef nun eine Bodenbildung sieht. Ein Absturz der Strompreise könne zwar die Prognose gefährden, aber „das sehe ich derzeit nicht“, meinte Anzengruber. Für das Gesamtjahr werde weiterhin ein operatives Ergebnis (Ebitda) von rund 690 Millionen Euro und ein Nettogewinn von rund 70 Millionen Euro erwartet. Zuvor war Verbund von einem Ebitda von 850 Millionen Euro und einem Nettogewinn von 150 Millionen Euro ausgegangen. An der geplanten 50-prozentigen Ausschüttung des bereinigten Nettogewinns von erwarteten 150 Millionen Euro will Anzengruber festhalten. Für 2014 könnten Aktionäre daher mit einer Dividende von knapp über 20 Cent rechnen. Für 2013 hatte Verbund einen Euro je Aktie ausgeschüttet.

Die Großhandelspreise in Deutschland, dem für Verbund neben Österreich wichtigsten Markt, sind seit 2011 um 40 Prozent gefallen. „In den letzten fünf, sechs Jahren hat sich der Strompreis sogar halbiert“, sagte Anzengruber. Der Preisverfall sei vor allem auf die Überkapazitäten durch die massive Förderung von erneuerbaren Energien zurückzuführen. Die Profitabilität der konventionellen Stromanbieter sinke dadurch massiv.

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