Stärkster Umsatz-Rückgang im Einzelhandel seit 2012

Die Umsätze im Einzelhandel sind deutlich eingebrochen. Das Minus beträgt 1,4 Prozent zum Vormonat. Der WM-Erfolg hat sich nicht wie erhofft stärkend auf den Konsum ausgewirkt. Für den Rest des Jahres sehen Ökonomen wenig Auftrieb.

Die deutschen Einzelhändler haben nicht von der Euphorie um den Weltmeistertitel für die Fußball-Nationalmannschaft profitiert. Im Gegenteil: Ihr Umsatz fiel im Juli so stark wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Kalender-, saison- und preisbereinigt fielen die Einnahmen im Monat des Titelgewinns 1,4 Prozent niedriger aus als im Juni, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Ökonomen hatten mit einem Plus von 0,1 Prozent gerechnet. „Der WM-Erfolg hat nicht durchgeschlagen“, sagte Rolf Bürkl von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

„Das war ein schwacher Start in die zweite Jahreshälfte“, sagte Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank. Ein Grund dafür könne sein, dass der Sommerschlussverkauf erst am Monatsende und damit später als gewöhnlich eingeläutet wurde. „Deshalb könnte es im August eine Erholung geben“, sagte Schulz.

Die Rahmenbedingungen für gute Geschäfte im Einzelhandel sind eigentlich gut: Die Beschäftigung steigt (hier), während die Tarifverdienst im zweiten Quartal mit durchschnittlich 2,6 Prozent so kräftig zulegten wie seit über einem Jahr nicht mehr (hier). „Allerdings hat der Einzelhandel nur noch einen Anteil von etwa 30 Prozent am privaten Konsum“, sagte Marktforscher Bürkl. „Er profitiert unterproportional von der guten Konsumstimmung.“ Dafür fließe mehr Geld in Dienstleistungen, vom Urlaub bis zu Wellness.

Besser fällt die Bilanz der Einzelhändler im Vergleich zum Juli 2013 aus: Hier stieg der Umsatz um 1,0 und preisbereinigt um 0,7 Prozent. Das Geschäft der Apotheken und mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten wuchs dabei mit 3,8 Prozent am stärksten, während der Internet- und Versandhandel auf ein Plus von 2,9 Prozent kam. Der Handel mit Möbeln, Haushaltsgeräten und Baubedarf schrumpfte dagegen um 1,3 Prozent, während der Bekleidungs- und Lebensmittelhandel ein Mini-Plus von 0,2 bzw. 0,3 Prozent schafften.

Von Januar bis Juli lag der gesamte Umsatz um 1,9 Prozent über dem des Vorjahreszeitraums. Der Branchenverband HDE erwartet 2014 ein Plus von 1,5 Prozent. Die Konsumlaune ist derzeit gut. Allerdings hatte sie sich zuletzt so deutlich eingetrübt wie seit gut drei Jahren nicht mehr, weil die Verbraucher wegen der Ukraine-Krise verunsichert sind.

Kommentare

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  1. Conrad sagt:

    Wir haben ein Verteilungsproblem. Wer 40 Std. hart arbeitet muss gut verdienen. Dazu kommt die Agenda 2010 (SPD/Grünen/Gewerkschaften) die den Arbeitsmarkt und die Löhne verschlechtert hat! Die Schere öffnet sich immer mehr zwischen Arm und Reich! Gruss

  2. Ogolius sagt:

    Wer wenig verdient, kann sich nichts leisten… Der Wirtschaftskreislauf ist schon lange unterbrochen. Da z.B. wieder der Schulbeginn ins Haus steht, kommen primär andere Ausgaben zum Tragen…. die Ukrainekrise ist nur minimal ausschlaggebend. Die Geldbörserl sind leer und das Monat endet für viele schon am 20sten! Woher nehmen wenn nicht stehlen…

    • jule sagt:

      in Dänemark stiegen von 2002 bis 2012 die Löhne REAL um 19%, in DE sanken sie real um 04 %.

      In allen anderen EU-Ländern stiegen die Löhne, Ausnahme DE — mittlerweile ist der Verbraucher in DE total ausgezerrt und ausgetrocknet, denn das einzige, was ihm immer sicher ist sind höheren Belastungen finanziell, aber nicht höheres Einkommen.

      Der größte Kostentreiber ist mittlerweile die Politik, siehe aktuelle Mautdiskussion, die immer größere Einkommensteile absaugt — hinzu kommt die gepriesene Lohnzurückhaltung und zu niedrige Löhne für zu viele Personen.

      Ein land kann sich keinen so großen Niedriglohnsektor leisten — dankMinijobs, Ein EuroJobs und Zuwanderung hat DE bald den größten Low Budget Sektor der EU —- das verursacht auch duch ein Überangebot an Billigjjobbern Lohndruck in allen EK-Segmenten.

      so sind in der Pflege trotz Fachkräftemangel die Löhne seit 15 Jahren kaum gestiegen, gibt ja genug Minijobber und Billigaushilfen.

      in anderen Bereichen genauso, auch wg. Zeitarbeit.

      von denselben leuten fordert man in DE dannn Mehrkindfamilien – schizophren!

      und dann das immer weiter annschwellende Heer von Billigjobbern aus anderen Ländern, die hier zusätzlich dn Markt fluten und dafür sorgen, dass der Staat immer mehr Aufstocker finanzieren wird – der Nachschub an quasi-verbeamteten ist nahezu ungebrochen.

      große Teile des Einkommens vieler kommen mittlerweile nur noch über den Staat statt über Arbeitgeber — laut DIW sorgt nur noch das Kindergeld bei über 1,26 Mio. Familien dafür, dass diese nicht in Hartz IV abrutschen – alles läuft nur noch über staatliche Wohlfahrtstitte

    • jule sagt:

      und das Lohnabstandsgebot verkam in DE zur endgültigen FARCE, denn die Szialleistungen sind eingefroren bzw. steigen nur leicht, die Löhne steigen aber noch weniger!!!

      und da erst 2017 ein Mindestlohn als fauler kompromiss kommt…… bis dahin liegt dieser in Seattle bei 15 Euro und und Frankreich wohl bei 12 Euro.

      heute stellt man sich in DE oft kaum besser als ein Sozialhilfeempfänger — traurig aber wahr. Wozu hier noch arbeiten?