Neue EU-Sanktionen würden auch die deutsche Wirtschaft treffen

Exporte, Investitionen und Landwirtschaft leiden unter den EU-Sanktionen gegen Russland und den entsprechenden Gegensanktionen. Sollte es zu einer Verschärfung des Handelskrieges kommen, rückt eine Rezession in Deutschland in greifbare Nähe.

Angesichts der Berichte über das Eindringen russischer Truppen in die Ukraine wollen westliche Politiker die Sanktionsschraube gegen Russland anziehen. „Es muss als Antwort neue Sanktionen geben, und darüber muss auf dem EU-Sondergipfel am Samstag beraten und am besten bereits beschlossen werden“, sagte etwa Norbert Röttgen (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages. Doch die Sanktionen wirken nicht nur in Russland. Die Ukraine-Krise hat bereits jetzt deutliche Spuren in der deutschen Wirtschaft hinterlassen. Ein Überblick:

Exporte

Die gegenseitigen Sanktionen kosten die deutschen Exporteure viel Geld. Die Ausfuhren nach Russland schrumpften im ersten Halbjahr um 15,5 Prozent oder fast drei Milliarden Euro auf knapp 15,3 Milliarden Euro. Der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft befürchtet bei neuen Sanktionen einen Exporteinbruch von 20 bis 25 Prozent. Besonders stark leiden die deutschen Auto- und Maschinenbauer unter dem schwachen Russland-Geschäft: Die Exporte von Fahrzeugen und Kraftwagenteilen brachen in den ersten sechs Monaten um 24,4 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro ein, die von Maschinen um 18,7 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro.

Investitionen

Angesichts der Turbulenzen machen russische Investoren einen Bogen um Deutschland. Im ersten Halbjahr registrierten weder die Wirtschaftsfördergesellschaften der 16 Bundesländer noch die für das Standortmarketing der Bundesrepublik zuständige Germany Trade & Invest eine Neuansiedlung russischer Firmen. 2013 hatten russische Investoren elf neue Projekte angeschoben – von der Produktion über den Vertrieb bis hin zu Forschung und Entwicklung. 2012 waren es 13 Initiativen. Der Bestand russischer Direktinvestitionen wird auf gut drei Milliarden Euro beziffert und ist mehr als doppelt so groß wie der von China.

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft, der Börsianer und der Verbraucher wird wegen der Sorge vor einem Handelskrieg mit Russland zusehends schlechter. Das Ifo-Geschäftsklima kühlte sich im August bereits den vierten Monat in Folge ab und ist nun so schlecht wie seit gut einem Jahr nicht mehr. Die Konjunkturerwartungen der Börsenprofis fielen so kräftig wie seit zwei Jahren nicht mehr, die der Verbraucher sogar so stark wie seit Beginn der Umfrage der GfK-Meinungsforscher im Jahr 1980 nicht mehr.

Landwirtschaft

Auch die Landwirte leiden unter der Ukraine-Krise. Obst und Gemüse aus europäischen Ländern, das wegen des Importverbots nicht mehr in Russland verkauft werden kann, kommt auf den deutschen Markt und drückt hier die Preise. So kosten ein Kilogramm Kartoffeln derzeit 45 bis 60 Cent, während vor einem Jahr noch rund ein Euro gezahlt wurde. Die deutschen Exporte von Nahrungs- und Futtermitteln nach Russland brachen im ersten Halbjahr um 31,9 Prozent auf 420 Millionen Euro ein.

„Neue Dimension“ im Konflikt

„Es muss jetzt endlich Vernunft einkehren, das sage ich insbesondere mit Blick auf die russische Seite“, erklärte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier Steinmeier vor einem Treffen der EU-Außenminister am Freitag in Mailand. Die sich in den vergangenen Tagen häufenden Grenzverletzungen ließen befürchten, dass die Lage zunehmend außer Kontrolle gerate. „Das muss ein Ende haben, wenn man noch verhindern will, dass es zu einer unmittelbaren militärischen Konfrontation zwischen ukrainischen und russischen Streitkräften kommt“, forderte Steinmeier. Es werde keine militärische Lösung geben, deshalb seien Gespräche zwischen der Führung in Moskau und in Kiew nötig.

Steinmeier sprach von einer „neuen Dimension“ des Konflikts in der Ostukraine. Ein EU-Gipfel am Samstag in Brüssel soll über weitere Sanktionen gegen Russland beraten.

Am Donnerstag hatte Russland nach ukrainischer Darstellung erstmals mit eigenen Truppen in die Kämpfe in der Ostukraine eingegriffen. Der ukrainische Sicherheitsrat berichtete, russische Soldaten hätten gemeinsam mit den Separatisten die strategisch wichtige Grenzstadt Nowoasowsk erobert. Auch über andere Teile im Südosten des Landes hätten sie die Kontrolle übernommen. Einem Nato-Offizier zufolge kämpfen mehr als 1.000 russische Soldaten an der Seite der Separatisten.

Kommentare

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  1. Rezession in Deutschland sagt:

    Na und? Merkel lacht jedes Problem weg.

  2. FoCS sagt:

    „Neue EU-Sanktionen würden auch die deutsche Wirtschaft treffen “

    Das halte ich für ein Gerücht.

    So würde es passen: Neue EU-Sanktionen würden vor allem die deutsche Wirtschaft treffen

  3. Rudolf Steinmetz sagt:

    Merkels devotes Buckeln gegenüber den Amis muss gestoppt werden, es führt uns sonst in den Abgrund – Konsens zwischen Oskar Lafontaine, Gregor Gysi, Peter Gauweiler unf Willy Wimmer: „Debatte zur Aktualität der Veranstaltung aufgrund der aktuellen Entwicklungen: http://kenfm.de/blog/2014/08/29/willy-wimmer-paul-loebe-haus/
    Was der „Mainstream“ auch totschweigt “Buh”- und “Kriegstreiber”-Rufe gegen Angela Merkel in Dresden“: https://www.youtube.com/watch?v=-wSMhGE_Mpk

  4. Leopold sagt:

    Wow, da gibt aber Herr Steinmeier neue Erkenntnisse von sich. Warum lässt er dann nicht seine Finger von EU-Sanktionen? Und lässt sich auch nicht von Brüssel zu Sanktionen überreden? Das ist alles doch sowieso nur Aktionismus. Weil Amerika und die Nato sich in einem neuen kalten Krieg positionieren wollen!

  5. Delta120 sagt:

    Wenn ein Kunde als Arschloch behandelt wird oder sich so fühlt, dann versucht er meist sein Glück woanders.

    Interessant sind die Einbrüche beim Maschinenbau. Sollte nicht da unsere absolute Stärke liegen?

  6. Jossi sagt:

    Unsere Vasallen machen alles was der grosse Bruder von über dem grossen Teich befiehlt und die Hintermänner der Finanzmächte. Egal ob das die eigene Bevölkerung trifft oder die Wirtschaft. Die Ukraine und deren von den USA initiierter Umsturz gehen uns rein gar nichts an. Wir sollten uns Sanktionen gegen Russland nicht anschliessen. Generell sind Wirtschaftssanktionen kontraproduktiv und schaden der eigenen Wirtschaft. Die Beziehungen mit Russland sollten auf allen Ebenen aktiviert und forciert werden, für ein gedeihliches Miteinander. Die Russen haben Rohstoffe und Deutschland hat bestes wirtschaftliches Know How, eine Idealvoraussetzung für gute Zusammenarbeit. Aber genau das wollen die US-Finanzmächtigen nicht. Zudem wollen sie Russland dafür abstrafen, dass sie den Warenverkehr nicht mehr auf Dollarbasis gestalten wollen. Die Ulraine und die unbewiesenen Behauptungen dienen nur als Vorwand gegen Russland. Leider haben wir keine Politiker mehr mit Rückgrat, die diese Machenschaften ablehnen.

  7. fan sagt:

    Die Polit-USA, Obama und seine Lakaien-Entourage, die NATO, der Westen allgemein und die EU hätten die Macht, den Frieden durchzusetzen – aber nein, sie wollen die Unruhe-Stiftung, die Frieden-Störung und geben der Kriegs-Treiberei oberste Priorität.

    Das macht den Westen so verwerflich, erbärmlich und auch Menschen-feindlich – der Hass auf diesen Teil der Welt wird von Monat zu Monat konkreter und nachhaltiger..!