Handelskrieg mit Russland bremst deutsche Industrie aus

Die Sanktionen gegen Russland führen dazu, dass die Aufträge der deutschen Industrie langsamer steigen. Eine Umfrage unter 500 Firmen bestätigt Einbußen beim Export und beim Wachstum. Am stärksten zeigt sich das im Maschinenbau. Die Verunsicherung äußert sich in sinkenden Investitionen.

Die deutsche Industrie verliert auch wegen der Ukraine-Krise spürbar an Fahrt. Produktion und Aufträge stiegen im August so langsam wie seit über einem Jahr nicht mehr, wie am Montag aus einer Markit-Umfrage unter 500 Betrieben hervorgeht. Auch die Exportnachfrage büßte an Schwung ein, was einige Firmen mit den Sanktionen gegen Russland begründeten. Wegen trüberer Aussichten bauten die Firmen den dritten Monat in Folge Stellen ab und reduzierten ihre Bestellmengen. „Im deutschen Industriesektor blinken derzeit die Warnlampen“, sagte Markit-Experte Oliver Kolodseike. Der Markit-Einkaufsmanagerindex fiel um einen auf 51,4 Punkte. Das Barometer blieb zwar über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern, fiel aber auf den tiefsten Stand seit elf Monaten.

„Die Umfragedaten legen nahe, dass die Wachstumsdynamik im Industriesektor immer weiter schwindet“, betonte Kolodseike. Sollte der Trend auch in den kommenden Monaten anhalten, könnte dies die Erholung „ernsthaft gefährden“.

Aufträge im Maschinenbau stagnieren

Auch die deutschen Maschinenbauer treten auf der Stelle. Die Auftragseingänge stagnierten im Juli, wie der Branchenverband VDMA am Montag mitteilte. Während die Bestellungen aus Deutschland um sechs Prozent zurückgingen, stiegen die Orders aus dem Ausland um vier Prozent. „Die zunehmenden Ausfälle im Russlandgeschäft konnten durch ein Plus in außereuropäischen Staaten und durch ein in diesem Monat starkes Großanlagengeschäft überkompensiert werden“, erklärte VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann. Dagegen sei die Nachfrage im Inland wohl durch das verschlechterte Geschäftsklima gedämpft worden.

Der Maschinenbau als Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft ist in den vergangenen Monaten infolge der politischen und wirtschaftlichen Krisen in der Welt ins Stottern geraten. Nach teils kräftigen Auftragseinbußen im ersten Halbjahr kassierte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) im vergangenen Monat seine Jahresziele. Der Verband erwartet nun noch ein Wachstum der Produktion um ein Prozent statt um drei Prozent. Die Branche – zu der neben mittelständischen Unternehmen auch börsennotierte Konzerne wie ThyssenKrupp, DMG Mori Seiki (ehemals Gildemeister) oder Gea gehören – steuert aber dennoch auf einen neuen Rekord zu.

Verunsicherung senkt Investitionsbereitschaft

Ein schwacher Außenhandel und sinkende Investitionen haben der deutschen Wirtschaft im Frühjahr einen heftigen Dämpfer verpasst. Das Bruttoinlandsprodukt fiel zwischen April und Juni um 0,2 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte und damit eine erste Schätzung von Mitte August bestätigte. Die Wirtschaft schrumpfte damit erstmals seit gut einem Jahr. Grund war die Zurückhaltung der Firmen bei Investitionen. Die Unternehmen gaben 0,4 Prozent weniger aus für Maschinen und Anlagen. Auch die Bauinvestitionen sanken kräftig um 4,2 Prozent.

Zudem bremste der Außenhandel, da die Exporte mit 0,9 Prozent schwächer zulegten als die Importe mit 1,6 Prozent. Für Impulse sorgten hingegen die Bürger, die 0,1 mehr konsumierten als zu Jahresanfang. Auch die öffentliche Hand gab 0,1 Prozent mehr aus.

Für das laufende Quartal erwarten viele Ökonomen nur ein schwaches Wachstum oder sogar eine Stagnation. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) betonte jüngst sogar, man müsse die Gefahr einer Rezession ernst nehmen. Das Bundeswirtschaftsministerium hingegen rechnet bis Jahresende wieder mit positiven Wachstumsraten.

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