Automarkt in Deutschland kommt nicht aus der Krise

Der Pkw-Absatz ist im August um 0,4 Prozent geschrumpft. Damit ist nicht zu erwarten, dass sich der Absatz im laufenden Jahr besser entwickelt als in 2013. Der VDA rechnet mit knapp 3 Millionen Neuzulassungen. Die Hersteller konzentrieren sich verstärkt auf neue Märkte: VW steht kurz vor dem Bau einer Fabrik in Thailand und will von dort aus Fahrzeuge in die Region exportieren.

Die Pkw-Nachfrage in Deutschland ist im Sommermonat August geschrumpft. Im abgelaufenen Monat seien knapp 213.100 Neuwagen registriert worden, etwas weniger als vor Jahresfrist, teilte das Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt am Dienstag mit und bestätigte damit Informationen der Nachrichtenagentur Reuters. Experten erklärten den Rückgang mit der Ferienzeit. Allerdings gab es im August auch einen Arbeitstag weniger. Seit Jahresbeginn stiegen die Neuzulassungen um rund drei Prozent auf etwas mehr als zwei Millionen Fahrzeuge. Der Verband der Automobilhersteller (VDA) rechnet deshalb weiter damit, dass im Gesamtjahr rund drei Millionen Autos neu auf die Straßen kommen. Das wäre kaum mehr als im vergangenen Jahr, als 2,95 Millionen Fahrzeuge registriert wurden.

Während VW, Opel und Ford im August ihre Verkäufe teils kräftig steigern konnten, sank der Absatz bei Audi und Mercedes deutlich. Rückgänge verzeichneten auch die französischen Autobauer Peugeot und Renault.

Der Automarkt in Deutschland kommt seit Jahren nicht vom Fleck. Die Neuzulassungen pendeln – bis auf ein Zwischenhoch durch die Abwrackprämie von einigen Jahren – um die Marke von drei Millionen. Ein Grund dafür ist, dass die meisten Menschen schon ein Auto haben, manche sogar zwei oder drei, und die Wagen heutzutage zudem länger halten. Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge liegt bei fast neun Jahren. Die Branche hofft schon länger darauf, dass bald die Zeit einsetzt, in der ältere Wagen massenweise durch neue ersetzt werden. Doch halten sich viele Verbraucher wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage zurück. Neue Autos sind meist nur mit hohen Preisabschlägen zu verkaufen, was auf Kosten der Rendite geht.

„Der Markt wird tendenziell schlechter“, sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Der Leiter des CAR-Center an der Uni Duisburg-Essen geht davon aus, dass die Rabatte in den nächsten Monaten wieder steigen werden. Die Zahl der privat zugelassenen Neuwagen sank im August um zwei Prozent auf 37,8 Prozent. Die gewerblichen Zulassungen stiegen dagegen leicht. Dahinter verbergen sich oft Tageszulassungen, die Hersteller und Händler oft mit hohen Preisabschlägen verkaufen.

Die Hoffnungen ruhen auf dem Ausland. Kunden jenseits der Grenzen orderten im August laut VDA nahezu fünf Prozent mehr Pkw von deutschen Marken, im bisherigen Jahresverlauf stieg der ausländische Auftragseingang um sechs Prozent. Export und Produktion lagen im Zweimonatsvergleich Juli/August bei minus sechs Prozent. Der Rückgang habe vor allem mit den Werksferien der Hersteller zu tun, erläuterte VDA-Chef Matthias Wissmann. Er sieht die Automobilindustrie weiter auf Kurs. „Mit Blick auf den Auftragseingang gehen wir von einem weiterhin stabilen Autojahr 2014 aus“, sagte Wissmann in Berlin.

VW kurz vor Genehmigung einer Fabrik in Thailand

Die Hersteller bemühen sich um neue Marktanteile in wachsenden Märkten. VW steht einem Zeitungsbericht zufolge kurz vor der Genehmigung eines Automobilwerks in Thailand. Über den Antrag der Wolfsburger könne bereits Anfang kommender Woche entschieden werden, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf Thailands Investitionsbehörde vorab aus ihrer Dienstagausgabe. Die neue Fabrik solle in Hafennähe vor Bangkok entstehen. Volkswagen wollte sich nicht dazu äußern. Europas größter Autobauer hatte bereits im Frühjahr Fördermittel für ein neues Werk in Thailand beantragt.

Dem Zeitungsbericht zufolge will Volkswagen unter dem thailändischen „Eco2-Programm“ investieren. Damit sichern sich die Wolfsburger umfassende Steuer- und Zollvorteile, wenn sie Fahrzeuge mit einem besonders niedrigem Spritverbrauch produzieren. Den Regeln zufolge muss die Fabrik mehr als 100.000 Fahrzeuge produzieren und spätestens 2019 ans Netz gehen. Spitzenbeamte der Investitionsbehörde hätten der Zeitung bestätigt, dass Volkswagen aus Thailand exportieren wolle.

Südostasien entpuppt sich für westliche Autobauer und ihre Zulieferer als attraktiver Zukunftsmarkt, nachdem in Europa auf absehbare Zeit kein Wachstum zu erwarten ist und in China die einst sagenhaften Zuwachsraten verhaltener ausfallen. In den wirtschaftlich wachsenden Staaten Indonesien, Malaysia, Thailand und den Philippinen dominieren vor allem Autos japanischer Marken das Straßenbild. In Malaysia produziert VW bereits mit einem lokalen Partner die Modelle Passat, Polo und Jetta. Angesichts der gestiegenen Nachfrage in Indonesien haben die Wolfsburger dort eine neue Montagestätte hochgezogen. VW-Chef Martin Winterkorn hat wiederholt betont, dass der Konzern stärker in Südostasien präsent sein müsse, um sein Ziel zu erreichen, Toyota in den nächsten Jahren als Weltmarktführer abzulösen.

Kommentare

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  1. Schmidt sagt:

    Also diese Stagnationen bzw. enormen Rückgänge der Autoabkäufe in Deutschland ist überhaupt nicht nachvollziehbar.

    Die CDU hat uns in weiser Ausbeutungspolitik 20MIO Arbeitslose, Geringverdiener und 20 Mio Hungerrentner dazu eine Besteuerung von 70 – 75 % der Arbeitsleistung verordnet.
    Die 10 % Leistungsträger vereinnahmen 90% des BIP für sich und zahlen über Steuerverminderung kaum Steuern
    Diese Handlungsweisen stellen sich repräsentativ wie folgt dar:
    Die Commerzbank wurde mit 18Milliarden Bevolkerungsgeld gerettet. Die Bevölkerung wurde Eigentümer , allerdings nur zu 25%. Von den 18Milliarden kaufte die Commerzbank die Dresdner Bank. Danach war die Commerzbank an der Börse 3,5 Milliarden wert. Davon gehören der Bevölkerung 25% -von 18Milliarden-

    Karstadt gefällig, Berliner Flughafen, TTip und Konsorten,

    Vielleicht könnte man von den 780 Billionen Derivaten jedem Deutschen 2 Millionen ebenfalls Zinsfrei kreditieren – Bis zum Währungszusammenbruch- Ist ja nicht mehr lange.
    Oder Zwangskauf per Gesetz ohne Staat – wie GEZ- Betrug
    Also ein weites Feld für Pkw Subventionierung.
    Bei dem 2. KostRMoG hats doch auch geklappt.
    Also Ausbeuter haut rein.