OECD: Deutschland kriegt Langzeitarbeitslosigkeit nicht in den Griff

Etwa 45 Prozent der Arbeitslosen in Deutschland sind länger als ein Jahr ohne Job. Im EU-Durchschnitt sind es deutlich weniger (35%), belegt eine Studie der OECD. Das World Economic Forum kritisiert zudem, dass der deutsche Arbeitsmarkt nicht effektiv genug ausgestattet ist.

Trotz Fortschritten bekommt Deutschland einer Studie der Industriestaaten-Organisation OECD zufolge das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit nicht in den Griff. „Seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 ist sie so stark zurückgegangen wie in keinem anderen OECD-Land“, erklärte die 34 Mitgliedsstaaten zählende Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Mittwoch in ihrem Beschäftigungsausblick. „Sie ist allerdings immer noch wesentlich ausgeprägter als im Rest der OECD.“ Nahezu 45 Prozent aller Arbeitslosen in Deutschland seien länger als ein Jahr ohne Job, im OECD-Schnitt nur 35 Prozent.

Die Betroffenen und deren Familien bringe das in eine schwierige Lage. Zudem könne sich Langzeitarbeitslosigkeit verfestigen und zu einem strukturellen Problem werden. „Deutschland sollte daher Programme ausweiten, die Langzeitarbeitslosen gezielt Lohnsubventionen, Beratung, Weiterbildung und Weiterbetreuung im neuen Job anbieten“, sagte OECD-Expertin Kristine Langenbucher.

Insgesamt sei Europas größte Volkswirtschaft aber auf gutem Wege. Die nach internationalen Maßstäben berechnete Arbeitslosenquote dürfte 2015 unter fünf Prozent fallen. Schon jetzt liege sie mit 5,1 Prozent unter dem OECD-Schnitt von 7,4 Prozent und dem des Euro-Raums von 11,6 Prozent. Die Beschäftigungsquote zähle zu den höchsten der Industriestaaten: 73,4 Prozent der Personen im erwerbsfähigen Alter hätten einen Job.

Wie das World Economic Forum in seiner jährlichen Studie zur Wettbewerbsfähigkeit feststellt, verliert Deutschland einen Platz und nimmt von 114 untersuchten Staaten nun den fünften Rang ein. „Deutschlands Wirtschaft könnte noch wettbewerbsfähiger sein, wenn der Arbeitsmarkt effizienter gestaltet wird„, heißt es in der Studie. „Angesichts des rückläufigen Bevölkerungswachstums bedarf es eines ganzheitlichen Konzeptes für die Einwanderung und für mehr Anreize für Frauen, am Erwerbsleben teilzunehmen.“ Nur so könne für genügend Talente gesorgt werden, die den Wohlstand sicherten. Angeführt wird die Rangliste das sechste Jahr in Folge von der Schweiz, vor Singapur, den USA und Finnland.

Die OECD bezeichnete die Beschäftigungsqualität in Deutschland als gut. So gehöre der Durchschnittsverdienst in Deutschland zu den höchsten im OECD-Raum, während die Einkommensungleichheit vergleichsweise gering sei. „Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist relativ gering“, heißt es in der Studie. „Zudem sichert das deutsche Sozialsystem Arbeitslose und ihre Familien effektiv ab.“ Bei der Qualität des Arbeitsumfeldes schneidet Deutschland vergleichsweise schlecht ab. 2010 hätten 19 Prozent der Arbeitnehmer über schwierige und stressige Arbeitsbedingung geklagt, etwa großen Zeitdruck, schwierige Aufgaben oder unzureichende Unterstützung im Job.

Bemängelt wird auch der große Unterschied in der Arbeitsplatzsicherheit von befristeten und unbefristeten Jobs. Befristete Anstellungen seien oft kein Sprungbrett in einen permanenten Job. Die OECD begrüßt die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro. Dieser Stundensatz berge allerdings Risiken für die Beschäftigungschancen von Arbeitskräften in bestimmten Regionen sowie mit wenig Erfahrung oder geringen Qualifikationen. Die Folgen müssten beobachtet werden. „Im Bedarfsfall sollten Anpassungen vorgenommen werden“, rät die OECD.

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  1. Rudolf Steinmetz sagt:

    Wenn Deutschland wollte, wie es könnte, wären alle Probleme gelöst. Schliesslich war Deutschland unter Wilhelm I. die führende Weltmacht, vor allem wissenschaftlich und wirtschaftlich. Und nun? Pauperisierung und Lohndrückerei per Hartz IV. Der angelsächsiche Hegemon freut sich. Nix mehr mit Weltmacht und so.