Studie: Schweizer Unternehmen könnten 30 Prozent produktiver sein

Unternehmensberater stellen die Wettbewerbs-Rangliste des World Economic Forum in Frage. Die Schweiz sei zwar Spitze im internationalen Vergleich. Die Unternehmen könnten jedoch noch bis zu 30 Prozent produktiver arbeiten. Traditionelle Produktionsprozesse müssten modernisiert werden.

Die Schweizer Wirtschaft bleibt einer Studie zufolge die weltweite Nummer eins bei der Wettbewerbsfähigkeit. Die Eidgenossen landen bereits das sechste Jahr in Folge an der Spitze der jährlichen Rangliste des Weltwirtschaftsforums. Eine Gefahr für den Standort sehen die Autoren in wachsenden Schwierigkeiten der Schweizer Unternehmen, qualifiziertes Personal zu finden.

Auf Platz zwei landet Singapur. Die dritte Stelle sicherten sich die USA vor Finnland und Deutschland. Japan rückte auf den sechsten Rang vor und überholte dabei Hongkong und die Niederlande im Wettbewerb. Die Europäische Union (EU) insgesamt erzielte ein verbessertes Ergebnis. Von den großen Schwellenländern rückte China um einen Platz vor auf 28 und Russland um elf auf 53, während Indien um elf Ränge zurückfiel auf Nummer 71.

Das Weltwirtschaftsforum untersuchten ein Dutzend Faktoren, die die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft bestimmen. Dazu gehören die Qualität der Institutionen, Infrastruktur, Gesundheitssystem, Bildungswesen, Marktgröße und das makroökonomische Umfeld. Außerdem wurden Wirtschaftslenker nach Effizienz und Transparenz der Regierung befragt.

Marktanalysen der Unternehmungsberatung Staufen in der Schweiz sprechen zudem davon, dass Schweizer Unternehmen schon jetzt nicht produktiv genug arbeiten. Wichtige Weichenstellungen für die Zukunft könnten verpasst werden:

„Die Produktivität stagniert. In der Folge wird der Vorsprung der Schweiz sogar schrumpfen, da internationale Wettbewerber ihre Innovationskraft auf effizientere Prozesse konzentrieren. Legt man aktuelle Massstäbe internationaler Wettbewerber an, können Schweizer Unternehmen in Teilbereichen um bis zu 30 Prozent produktiver arbeiten.“

Die Arbeitsproduktivität der Schweiz werde von den Erfolgsmeldungen der Wissenschaftler ausgeklammert. Laut jüngstem OECD-Ranking hat das Land die Spitzengruppe dieser Disziplin bereits verlassen. Spätestens seit der Exportweltmeister China dazu übergegangen sei, immer anspruchsvollere Qualitätsgüter zu produzieren, seien Wettbewerber gefordert, mit Effizienz und Innovation dagegen zu halten.

„Häufig werden in der Schweiz hochinnovative und technisch herausragende Produkte immer noch mit sehr traditionellen Methoden gefertigt. Die Innovation in den Abläufen und die Kombination modernster Methoden finden im Vergleich zu anderen Nationen noch viel zu selten Anwendung. Die Kombination von Lean Management und Industrie 4.0 sei hier nur ein Beispiel“, sagt Alexander von Jarzebowski, Geschäftsführer von Staufen Schweiz.

In Bezug auf den Personalmangel sollten Schweizer Unternehmen Talente aus den eigenen Reihen und auch Absolventen in firmeneigenen Trainings schulen. So liessen sich die Mitarbeiter gezielt an aktuelle Aufgabenstellungen der Praxis heranführen und Innovation im Hause vorantreiben.

Der Fachkräftemangel in der Schweiz treibt jedoch die Löhne in die Höhe, was die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz künftig einschränken könnte. Neun von zehn Schweizer Unternehmen wollen im kommenden Jahr die Löhne anheben. Die Beschäftigten in der Pharma- und Chemieindustrie könnten nächstes Jahr mit den grössten Lohnerhöhungen rechnen. Trotz schwächeren Wachstumsaussichten und Krisenanzeichen aus wichtigen Exportmärkten würden die meisten Unternehmen die Löhne zwischen 0,5 und 1,5 Prozent erhöhen, berichtet das Magazin Schweiz am Sonntag.

Eine durchschnittliche Erhöhung der Löhne um 1 Prozent sei machbar, sagt Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes: „Lohnerhöhungen insgesamt über alle Branchen im Rahmen des Vorjahres sind vermutlich nicht unrealistisch, obwohl sich die wirtschaftlichen Aussichten in gewissen Bereichen verschlechtern.“

Kommentare

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  1. kalle sagt:

    dann sollte sich die rückständig eschweiz mal vom deutschen wirtschaftminister beraten lassen :-)))

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Nichts neues das wissen aufmerksam innovative Arbeitnehmer in de Schweiz schon lange. In aller Regel klemmt es bei den Führungskräften.
    Freundlichen Gruss aus der Schweiz.