Schwache Europa-Konjunktur bremst Schweizer Wachstum

Die Schweizer Wirtschaft stagniert. Der Exportmarkt im Osten ist durch den Konflikt mit Russland und der Ukraine-Krise instabil. Die Exporte werden sich in der zweiten Jahreshälfte weiter abschwächen. Die SNB ist indes fest dazu entschlossen, die Mindestkursgrenze zum Euro aufrecht zu erhalten.

Die schwächelnde Konjunktur in der Eurozone bremst die Schweizer Wirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagnierte von April bis Juni zum Vorquartal, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft am Dienstag mitteilte. Das ist das erste Quartal mit Nullwachstum seit rund zwei Jahren. Von Reuters befragte Experten hatten mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet.

Weder Industrie noch Banken lieferten Wachstumsimpulse. Zugleich nahmen die Exporte nur noch wenig zu, während die Investitionen stagnierten. Eine Stütze der Wirtschaft bleiben die Verbraucher. Der private Konsum nahm um 0,2 Prozent zu. Das war aber deutlich weniger als im Durchschnitt des letzten Jahres. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs das BIP noch um 0,6 Prozent – hier hatten Ökonomen 1,7 Prozent erwartet.

Für die kommenden Monate erwarten Experten nur ein verhaltenes Wachstum. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte deshalb ihre Jahresprognose von aktuell zwei Prozent zurücknehmen. „Das Umfeld für die Schweiz hat sich eindeutig verschlechtert“, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan der NZZ am Sonntag. Die Schweizer Wirtschaft ist stark vom Export abhängig. Das führende Schweizer Prognoseinstitut KOF rechnet damit, dass die Wachstumsrate 2013 von 1,9 Prozent dieses Jahr nicht mehr erreicht wird. Während sich der private Verbrauch im zweiten Halbjahr stabilisieren dürfte, könnten sich die Exporte weiter abschwächen, erklärte Volkswirt Daniel Hartmann von der Bantleon Bank. „Dann sollte die Schwäche in der Eurozone richtig zum Tragen kommen und auf die Schweiz abfärben.“

Die SNB steht Jordan zufolge zudem mit allen Mitteln bereit, um eine Aufwertung des Schweizer Franken zu verhindern. „Die Durchsetzung des Mindestkurses von 1,20 Franken ist absolut zentral, um adäquate monetäre Bedingungen in der Schweiz sicherzustellen. Eine Aufwertung des Frankens würde zu erneuter Deflationsgefahr führen.“ Die SNB hat die Euro-Kursuntergrenze im September 2011 festgelegt. In den vergangenen beiden Jahren habe die Zentralbank nicht am Devisenmarkt eingreifen müssen, um diese Marke zu verteidigen. „Wir stehen aber natürlich weiterhin bereit, dies, falls nötig, mit dem Kauf von Devisen in unbeschränktem Umfang zu tun“, sagte der SNB-Chef.

 

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